Bibliotheken als Orte für Bildung, Kultur und Recherche

Erfurt. Der Deutsche Bibliotheksverband tagt seit Mittwoch mit Bibliotheksleitern aus deutschen Großstädten in Erfurt. Wird es in 20 Jahren noch öffentliche Bibliotheken geben? "Eindeutig ja", sagt Eberhard Kusber, Direktor der Erfurter Stadt- und Regionalbibliothek.

Zwei Direktoren diskutieren im Kaminzimmer der Stadtbibliothek, wo auch die TA-Serie "Domplatz 1" stattfindet. Thomas Stierle (links) leitet die Stadtbibliothek Ludwigsburg. Eberhard Kusber steuert Erfurter Erfahrungen bei. Foto: Markus Wiefel

Zwei Direktoren diskutieren im Kaminzimmer der Stadtbibliothek, wo auch die TA-Serie "Domplatz 1" stattfindet. Thomas Stierle (links) leitet die Stadtbibliothek Ludwigsburg. Eberhard Kusber steuert Erfurter Erfahrungen bei. Foto: Markus Wiefel

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Wie Bibliotheken in Kommunen eingebunden sind, welche Rolle sie künftig einnehmen und wie sie sich profilieren können, das ist Thema einer Fachtagung in Erfurt. Fast 90 Mitglieder hat die Sektion 2 des Deutschen Bibliotheksverbands, in der Bibliotheksdirektoren aus Städten zwischen 100.000 und 400.000 Einwohnern zusammenarbeiten. "Die Probleme sind ähnlich, die Herausforderungen auch", sagt Vorstandsmitglied Thomas Stierle, der die Stadtbibliothek Ludwigsburg leitet. Finanzen, Nutzerbindung, neue Medien.

"Wir sehen Stadtbibliotheken als Knotenpunkte im Netzwerk der Bildungs- und Kulturlandschaft einer Stadt", sagt er.

TA-Reihe sorgte für Schub in der Wahrnehmung

"Ich glaube, dass Menschen Orte brauchen. Auch und gerade in Zeiten von Digitalisierung, Internet und Facebook", betont Andrea Krieg, Bibliothekschefin aus Karlsruhe. ",Menschen wollen miteinander zu tun haben." Sie sei sicher, dass Bibliotheken eine Zukunft hätten.

Dass Bibliotheken nicht mehr nur Bücherausleihstationen sind, sondern auch andere Rollen übernehmen müssen und wollen, darin sind sich alle einig.

Das Stichwort heißt "Bevölkerungs-Öffentlichkeit". Eberhard Kusber will seinen Kollegen berichten von Ideen wie der Reihe "Domplatz 1" gemeinsam mit der Thüringer Allgemeine, die der öffentlichen Wahrnehmung der Bibliothek einen deutlichen Schub brachte. Er spricht von Bildungsberatungsplätzen, die das "Lernen vor Ort" befördern. Von Auskunftsplätzen in allen Etagen, wo Nutzer Hilfe bei der Recherche finden. "Von Garten- bis Rechtsfragen." Das Internet sei zwar voll von Informationen, aber im Überangebot gebe es wenig Orientierung.

Die Bibliothek als Ort für Kommunikation, für das Lernen, für Treffen - Kusbers Erfahrungen sind gefragt, erreichte doch die Erfurter Bibliothek einen Zuwachs bei Besucherzahlen von 17 Prozent. Im Sommer bekam sie den Thüringer Bibliothekspreis. "Dass die Zahlen so kletten ist leider nicht mehr die Regel", sagt Stierle.

Finanznot betrifft alle Bibliotheken

Ausnahmslos alle Bibliotheken kämpfen mit dem Problem knapper Finanzen. Doch Gelder für die Anschaffung neuer Medien seien die "Blutzufuhr", sagt Stierle. "Vor vier Jahren, als ich in Erfurt anfing, hatten wir 300.000 Euro Medienetat. Inzwischen liegt er bei 150.000. Um auf aktuellem Stand zu sein, wären 425.000 Euro nötig", weiß Eberhard Kusber.

Helmut Schroers kommt aus Krefeld. "Wir sind jetzt Nothaushaltskommune geworden", sagt er. "Ich erhoffe mir bei der Tagung Tipps, wie man in dieser Situation zurechtkommt."

"Die Bibliotheken versuchen die Quadratur des Kreises", bestätigt Thomas Stierle. Trotzdem mache man sehr vieles möglich. Die Zahl von Veranstaltungen steige. Der Bereich der Bibliothekspädagogik für Kindergärten und Schulen werde ausgebaut. Man stelle sich dem Spagat zwischen "alten Medien und neuer Medienwelt". Und sei Partner für alle, die gern lesen, sich aber nicht ständig neue Bücher kaufen könnten.

Die Bibliotheksdirektoren diskutieren heute und morgen auch über Urheberfragen, hören Kurzvorträge zu verschiedenen Bibliotheken, befassen sich mit internationalen Bibliothekskonzepten, zum Beispiel in Amerika. Und schauen sich Erfurt an. "Eine Großstadt, wie man sie sich nur wünschen kann", sagt Holger Pirsich aus Hamm, Westfalen. "Mit einer historischen Substanz, die mit Inhalten gefüllt ist."

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