Böhnhardt-Spur im Fall Peggy: Gutachten entlastet Thüringer LKA-Tatortgruppe

Erfurt  Gutachten entlastet Thüringer LKA-Tatortgruppe. Das Land verschärft trotzdem Standards für die Tatortarbeit.

Ein Gedenkstein mit dem Porträt von Peggy.

Ein Gedenkstein mit dem Porträt von Peggy.

Foto: David Ebener

Gutachtern ist es gelungen, auf die Minute genau einzugrenzen, wann der genetische Fingerabdruck des Rechtsterroristen Böhnhardt den Fundort der toten Peggy verunreinigt hat. Es war am 3. Juli 2016. „Fotos der Spurensicherung dokumentieren exakt, wann der kleine Stoffkrümel seinen Weg in die Ermittlungen nimmt“, erklärt Michael Menzel, verantwortlich für Verbrechensbekämpfung im Thüringer Innenministerium. „Es geschieht zwischen 13.25 Uhr und 13.26 Uhr.“

Der damalige Fund von DNA eines der NSU-Mörder im Südosten Thüringens, an der Grenze zu Bayern, hatte vor zwei Jahren für helle Aufregung gesorgt. Die Spur wird in unmittelbarer Nähe der sterblichen Überreste der neujährigen Peggy entdeckt. Von dem Mädchen aus Franken fehlte seit 2001 jede Spur. Bis heute stehen die Ermittler im fränkischen Bayreuth bei diesem Fall vor einem Rätsel.

Vor anderthalb Jahren wirft dann die Bayreuther Staatsanwaltschaft ziemlich unverhohlen Thüringer Kriminaltechnikern Schlamperei vor. Sie hätten beim Bergen der Leichen von Mundlos und Böhnhardt 2011 und am Fundort von Peggy 2016 „identisches Spurensicherungsgerät“ eingesetzt und so die falsche Spur mit der DNA von Böhnhardt verursacht.

Denn diese DNA stellte sich als Trugspur heraus. Der kleine Stofffetzen mit den genetischen Anhaftungen stammt von einem Kopfhörer aus dem NSU-Wohnmobil, in dem sich Böhnhardt und Mundlos im November 2011 erschossen hatten. An beiden Orten untersuchte auch die LKA-Tatortgruppe Spuren.

Qualitätsstandards für die Tatortarbeit verbessert

Den Vorwurf, nicht ordentlich gearbeitet zu haben, weist nun Michael Menzel zurück. Vielmehr zeige ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth, dass die Thüringer Kriminaltechniker alle geltenden Standards bei beiden Untersuchungen eingehalten haben. „Es kann ausgeschlossen werden, dass der Stofffetzen an einem der Spurensicherungsgeräte von einem zum nächsten Tatort übertragen wurde“, erklärt der leitende Polizeidirektor. „Alle diese Geräte wurden zwischen den beiden Einsätzen erneuert.“ Einzig ein Koffer sei beide Male vorhanden gewesen.

Daher hält er das Übertragen des mit der DNA von Böhnhardt kontaminierten Stoffkrümels durch die Tatortgruppe für extrem unwahrscheinlich.

Trotzdem hat Thüringen auf den Vorfall reagiert und noch einmal die Qualitätsstandards für die Tatortarbeit verbessert. Diese liegen damit höher als vom Bundeskriminalamt gefordert, so Menzel. Verpackungen für Spurenträger würden weiter vereinheitlicht und es komme noch häufiger Einwegmaterial zum Einsatz. Zudem soll die Qualifikation aller Polizistenweiter verbessert werden, weil DNA-Spuren besonders sensibel seien.

Das ebenfalls mit Untersuchungen in beiden Fällen befasste Institut für Rechtsmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena erklärt auf Anfrage, erneut, dass es als Verursacher der Trugspur schnell ausgeschlossen wurde. Auch die Jenaer Einrichtung sei in die damaligen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bayreuth eingeschlossen gewesen, heißt es.

Wie 2016 der verdächtige Stoffkrümel an den Fundort von Peggy kam, ist weiter unklar.

Mordfall Peggy weiter ungeklärt

  • Im Mai 2001 war die damals neun Jahre alte Schülerin Peggy im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Erst am 2. Juli 2017 entdeckte ein Pilzsammler zufällig ihre sterblichen Überreste im Grenzgebiet zwischen Bayern und Thüringen.
  • Die Bayreuther Ermittler halten sich bedeckt. Es habe nach dem Fund der Leiche weitere Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Denen sei man nachgegangen. Peggys Schulranzen und ihre Regenjacke sind bisher nicht aufgetaucht. Die Schülerin hatte beides dabei, als sie am 7. Mai 2001 das letzte Mal lebend gesehen wurde. (dpa)

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