Brandserie beunruhigt Bleicherode

Bleicherode  Binnen zwei Jahren werden in der Kalistadt fünf Autos angezündet. Vier sind aufgeklärt, beim fünften hat die Kriminalpolizei konkrete Täterhinweise

Kriminalhauptkommissar Ralf Grotlüschen ermittelt wegen gemeingefährlicher Delikte, wie es Brände sind.

Kriminalhauptkommissar Ralf Grotlüschen ermittelt wegen gemeingefährlicher Delikte, wie es Brände sind.

Foto: E. Jüngel

Autobrände wegen technischer Defekte gibt es immer wieder. In Bleicherode aber kommt eine auffallend hohe Zahl von angezündeten Au-tos hinzu: Mit dem Chef der Nordhäuser Kriminalpolizei, Detlef Grabs, und Kriminalhauptkommissar Ralf Grotlüschen sprachen wir über diese Brandstiftungen ebenso wie über den mühsamen Weg hin zur Verurteilung der Täter.

Fünf angezündete Autos seit Juli 2015: Ist das in einer Kleinstadt wie Bleicherode ungewöhnlich?

Grabs: Die Häufung der Brandfälle ist nicht nur für die Bevölkerung beunruhigend, sondern auch für die Polizei außergewöhnlich. Jedoch war den Ergebnissen der Ermittlungen zufolge feststellbar, dass die einzelnen Taten zufällig zeitlich zusammenfielen. Bei zwei Brän- den – denen in der Wall- und der Gartenstraße – bestand ein Tatzusammenhang. Der Täter wurde verurteilt. Zudem wird ein anderer Mann verdächtigt, die Brände in Garten- und Mauerstraße gelegt zu haben. Vier dieser Brände sind also aufgeklärt, bei dem fünften, jüngsten Fall in der Uthemannstraße bestehen konkrete Täterhinweise.

Kein Grund zur Unruhe also in Bleicherode?

Grabs: Es besteht kein Grund zur Besorgnis.

Zum jüngsten Autobrand laufen die Ermittlungen noch, in allen anderen Fällen geht die Polizei von Beziehungstaten oder innerfamiliären Streitigkeiten als Tatauslöser aus. Aus welchen Motiven werden Autos angezündet?

Grotlüschen: In den meisten Fällen geht es den Tätern darum, dem anderen einen erheblichen Schaden zuzufügen. Das Auto ist nun mal des Deutschen liebstes Kind, und damit ist eine verwundbare, wertintensive Stelle getroffen.

Welche Strafen drohen jenen, die Autos in Brand setzen?

Grotlüschen: Brandstiftungen an Fahrzeugen sind ein Verbrechenstatbestand. Die Mindestfreiheitsstrafe beträgt ein Jahr. Maximal können 10 Jahre ausgesprochen werden.

Wie gestaltet sich die Beweisführung bei solchen Bränden?

Grabs: In der Regel vernichten das Feuer und die Löscharbeiten Spuren. Das macht die Spurensuche schwierig, aber nicht unmöglich. Deshalb arbeiten die Brandermittler äußerst akribisch. Sie sind mit modernen Hilfsmitteln wie Detektoren zum Aufspüren von Brandbeschleunigern ausgestattet. Für die Spurenauswertung steht im Landeskriminalamt moderne Technik wie ein Elektronenrastermikroskop zur Verfügung. Zeugenaussagen sind für die polizeiliche Ermittlungsarbeit natürlich unerlässlich. Auch aus den Aussagen der Geschädigten lassen sich mögliche Motive des Täters ableiten.

Bei Beziehungstaten dürfte es Letztere geben...

Grotlüschen: Ja, die Geschädigten nennen uns oft einen Namen des möglichen Täters. Aber damit ist nur ein Anfangsverdacht gegen einen Beschuldigten gegeben. Für eine Verurteilung reicht das allein nicht aus. Weitere Beweismittel sind nötig. Oft legen überführte Täter nur ein Geständnis ab, wenn ihnen die Tat nachgewiesen werden kann.

Welche Konsequenz haben diese Schwierigkeiten der Beweisführung vor Gericht?

Grotlüschen: Vor Gericht gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Problematisch ist die lange Dauer zwischen Tat und Anklageerhebung. Da kann es vorkommen, dass sich Zeugen nicht mehr an jedes Detail erinnern können. Wenn dann keine anderen Beweise vorgelegt werden können, kann es sogar zum Freispruch kommen.

Das klingt alles andere als zufrieden...

Grotlüschen: Uns macht unsere Arbeit Spaß, aber oft fühlen wir uns ein bisschen allein gelassen – auch, weil wir uns bessere personelle und technische Ressourcen für die Ermittlungsarbeit wünschen. Grabs: Mit einigen Sachbearbeitern mehr könnten wir schneller Ergebnisse und letztlich auch Anklagen erreichen. Auch technisch muss man auf dem Stand der Zeit bleiben. Da denke ich besonders an moderne Video- und Aufzeichnungstechnik.

Jenseits der Ermittlungsarbeit: Wie reagiert die Polizei auf solche Vorfällen wie in Bleicherode in präventiver Hinsicht?

Grotlüschen: Wir erhöhen unsere sichtbare Präsenz. Außerdem versuchen wir, auf die Bevölkerung einzuwirken, indem wir über die Medien etwa an die Öffentlichkeit gehen und Zeugen suchen. Die Menschen sollten Beobachtungen oder Außergewöhnliches melden. Jede noch so kleine Wahrnehmung kann ein wichtiger Hinweis sein. Denn diese liefern uns oft den ersten Ermittlungsansatz, untermauern das Ergebnis einer Spurenauswertung oder führen zu einer Spur.

Leider scheuen sich viele Menschen, die Polizei zu verständigen. Denn die Folgen sind mitunter langwierige Prozesse. Erst führt die Polizei Vernehmungen durch, dann folgt die Ladung zu einer Gerichtsverhandlung. Das ist oft aufwendig. Und dann sind die Abläufe während einer Verhandlung den Menschen nicht bekannt. Die Folge sind Missverständnisse und Unverständnis über Ablauf der Verhandlung.

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