Bundeswehr wirbt mit Panzer auf Domplatz - Proteste erwartet

Erfurt  Die Bundeswehr stellt sich am Samstag in Erfurt der Öffentlichkeit vor. Auf dem Domplatz feiert der „Tag der Bundeswehr“ seine Premiere - unter anderem mit einem Kampfpanzer.

Auch ein Kampfpanzer vom Typ „Leopard“ wird am Samstag auf dem Domplatz in Erfurt bei einer Werbeveranstaltung der Bundeswehr zu sehen sein. Foto: Peter Steffen

Auch ein Kampfpanzer vom Typ „Leopard“ wird am Samstag auf dem Domplatz in Erfurt bei einer Werbeveranstaltung der Bundeswehr zu sehen sein. Foto: Peter Steffen

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An insgesamt 16 Standorten bundesweit finden ähnliche Veranstaltungen statt – allerdings mit dem Unterschied, dass sich die Streitkräfte, im Gegensatz zu Erfurt, auf Veranstaltungen in der eigenen Dienststelle beschränken. An der Präsentation von Waffen und Fahrzeugen in der Öffentlichkeit gibt es in Erfurt Kritik. Die Linksjugend kritisierte aufs Schärfste, dass Oberbürgermeister Andreas Bausewein „der Bundeswehr eine Plattform für militärische Propaganda, und damit für Mord und Leid geben wird“. Die Offene Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises hat „mit Entrüstung zur Kenntnis genommen“, dass es dieses Familienfest geben wird.

Bundeswehrtechnik und Bühnenprogramm sorgt für Abwechslung: Militärmusiker und Spitzensportler sowie der bundeswehreigene Einsatzsender „Radio Andernach“ sorgen für Unterhaltung. Auch ein Programm für die Kinder ist geplant.

„Wir möchten verdeutlichen, dass Bundeswehr mehr ist als nur Marschieren und Drill“, sagt Oberst Norbert Reinelt, Kommandeur des Landeskommandos Thüringen mit Blick auf die Intention hinter dem Tag der Bundeswehr. „Wir bieten verantwortungsfreudigen sowie physisch und psychisch belastbare Menschen eine interessante Alternative in Sachen individueller Karriereplanung“, betont der Oberst. Reinelt erklärt, dass es den Mitgliedern der Bundeswehr in Erfurt vor allem auf den Dialog mit den Besuchern ankommt und die Soldaten auf viele Fragen, Anregungen und spannende Diskussionen hoffen.

Auf dem Domplatz können die Besucher am 11. Juni von 10 Uhr unter anderem einen Kampfpanzer Leopard sehen, aber auch zahlreiche Radfahrzeuge, die in den weltweiten Einsatzgebieten Verwendung finden: vom Spähpanzer Fennek über die Patrouillenfahrzeuge Dingo und Eagle. Der Sanitätsdienst wird Module einer mobilen Rettungsstation aufbauen und das in den Einsatzgebieten von den Beweglichen Arzttrupps genutzte Krankentransportfahrzeug Boxer ausstellen. Die Bundeswehrlogistik präsentiert gepanzerter Funktionsfahrzeuge wie den Schwerlasttransporter Mammut und das Bergefahrzeug Bison; zudem wird der Betrieb einer Wasseraufbereitungsanlage gezeigt. Zum Mitmachen stehen der Fahrschulpanzer, ein Überschlagsimulator und ein Schweiß- und Klebesimulator bereit. Eine „echte“ Feldpost, an der Interessierte Briefe und Karten mit einem speziellen Cachetstempel verschickt werden, rundet den Beitrag der Logistik ab. Die Führungsunterstützung in der Bundeswehr wird sich mit einer Satellitenkommunikationsanlage, einem mobilen Richtfunkmasten, aber auch dem idealtypischen Aufbau eines IT-Netzwerkes präsentieren.

Als besondere Gäste werden auf dem Domplatz Mitglieder der Korvette Erfurt begrüßt, die noch vor wenigen Wochen vor der Küste Somalias gegen Piraterie gekämpft haben. Deutschland beteiligt sich hier an einer europäischen Mission. Die „Erfurt“ soll an diesem Freitag in Warnemünde einlaufen. Das wird den Besuchern in einem kurzen Videoclip gezeigt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird den Tag der Bundeswehr nutzen, um eine Ansprache zu halten. Selbst wird sie zwar nicht in Erfurt sein, ihre Rede soll aber live auf dem Domplatz übertragen werden. „Alles in allem gibt es ein umfangreiches und ansprechendes Programm, das Besucher zum Informieren, Anfassen, Kommentieren, Diskutieren und auch zum Mitmachen einlädt“, so Oberst Reinelt.

Einen Rundgang über die Ausstellung auf dem Domplatz hat Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) angekündigt. Von der CDU nimmt der Landtagsabgeordnete Christian Herrgott am „Tag der Bundeswehr“ teil. Derweil bittet die Offene Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises in einem Offenen Brief an den OB, dass dieser „die Zurverfügungstellung des Erfurter Domplatz korrigieren“ solle.

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