Burschenschaft darf nicht mehr auf der Wartburg feiern

Eisenach. Die Deutsche Burschenschaft wird zu ihrem jährlichen Verbandstag, der am Donnerstag in Eisenach beginnt, nicht auf der Wartburg feiern dürfen. Die Burg sagte wegen politischer Tendenzen ab.

Auch ein Fackelzug steht - wie hier 2013 - wieder auf dem Programm des Burschentags. Foto: Kai Mudra

Auch ein Fackelzug steht - wie hier 2013 - wieder auf dem Programm des Burschentags. Foto: Kai Mudra

Foto: zgt

Die Wartburg-Stiftung sagte dem Verband ab, der sonst stets einen Festakt im Burghof abhielt. Auch sonst weht der Vereinigung, der zunehmend rechte Tendenzen vorgeworfen werden, Wind entgegen: Die Stadt hat den Mietvertrag für die Nutzung der Werner-Aßmann-Halle zum Jahr 2017 gekündigt. Am Samstag soll auch eine Demonstration gegen die Burschenschaften stattfinden.

Auf Nachfrage sagte Wartburg-Sprecher Andreas Volkert, dass der Dachverband aufgrund zunehmender Abspaltungen nicht mehr repräsentativ sei und dass er immer mehr politische Tendenzen aufweise. Für parteinahe Veranstaltungen dürfe die Burg jedoch laut Statut nicht genutzt werden. Deshalb habe man den Mietvertrag, der jährlich neu geschlossen wurde, diesmal abgelehnt.

Walter Tributsch, Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft, sagte dagegen, in der Ablehnung sei lediglich auf das bevorstehende Luther-Jubiläum verwiesen worden, wegen dem die Burg Veranstaltungen stark einschränken wolle. "Wir wollten ab nächstem Jahr ohnehin nicht mehr auf die Burg, wir haben ja mit dem Burschenschaftsdenkmal und dem Berghof unsere Orte, wo wir verwurzelt sind", so Tributsch. Die Wartburg spiele für den Verband keine entscheidende Rolle. Rund 400 Burschenschafter werden laut Tributsch am Wochenende in Eisenach erwartet.

Die Stadt hatte den Nutzungsvertrag für die Aßmannhalle 2012 gekündigt, er läuft noch bis 2017. Auch hier spielte die zunehmend rechte Ausrichtung der Burschenschaften eine Rolle. Nach einem Richtungsstreit vor zwei Jahren kam es zu einer Spaltung des Dachverbandes. Von einst über 120 Mitgliedsburschenschaften trat fast die Hälfte aus. Derzeit sind noch rund 65 Verbände Mitglied.

Verfassungsschutz beobachtet einige Bünde

Der Verfassungsschutz hat in einigen Ländern einzelne Burschenschaften im Visier wegen Verbindungen zu Rechtsextremen. Der Sprecher der Initiative "Burschenschafter gegen Neonazis", Christian Becker, forderte deshalb "ein intensiveres Vorgehen von Politik, Behörden und Zivilgesellschaft gegen rechte Burschenschaften."

Zwei solcher Veranstaltungen gibt es: Am Donnerstag geht es in der Volkshochschule bei einer Tagung überwiegend für Lehrer um "Rechte Burschen. Traditionslinien nationalistischen und völkischen Denkens in Deutschland" - dazu sprechen renommierte Wissenschaftler.

Für Samstag hat ein "Bündnis gegen Burschentage" aus dem linken Spektrum zu einer Demonstration aufgerufen. Sie soll ab 15 Uhr vom Eisenacher Bahnhof durch die Innenstadt zum Markt und zurück zum Bahnhof führen. Es könne deshalb zeitweise zu Verkehrsbeschränkungen kommen, teilte die Stadt am Mittwoch mit.

Der Burschentag dauert vom Donnerstag bis Sonntag. Neben den nicht öffentlichen Tagungen in der Aßmann-Halle sind am Freitag um 18.30 Uhr am Burschenschaftsdenkmal ein Festakt, ein Fackelzug und das Totengedenken geplant. Am Samstag gibt es einen nicht öffentlichen Kommers und am Sonntag um 11 Uhr einen Bürgerfrühschoppen auf dem Berghof.