Da brennt die Luft: Feuerwehrschule sagt Lehrgänge ab

Erfurt  Thüringer Einrichtung fehlen Personal und Geld. Freiwillige Wehren sind besonders betroffen.

Die Landesfeuerwehrschule sagt den langfristig geplanten Lehrgang kurzfristig ab. Symbolbild: Robert Mailbeck

Die Landesfeuerwehrschule sagt den langfristig geplanten Lehrgang kurzfristig ab. Symbolbild: Robert Mailbeck

Foto: Robert Mailbeck

Den Arbeitgeber überzeugt, die Nachbarin zum Straßekehren verdonnert oder einen Babysitter gefunden und dann Pustekuchen. Die Landesfeuerwehrschule sagt den langfristig geplanten Lehrgang kurzfristig ab. Dieses Schicksal teilten im vorigen Jahr etwa 800 zumeist ehrenamtliche Feuerwehrleute.

Deshalb schlägt der Thüringer Feuerwehrverband jetzt Alarm. Nach Angaben von Verbandschef Lars Oschmann fand an der Landesfeuerwehrschule in Bad Köstritz in den vergangenen beiden Jahren kein einziger Lehrgang zum Thema Atemschutz statt. Auch 2015 sollen bereits 800 Lehrgangsabsagen von dort gekommen sein, bestätigte er der Thüringer Allgemeinen.

Dieses Jahr sind bis Ende Juni nach Recherchen der Redaktion 63 Lehrgänge in Bad Köstritz geplant. Bisher gab es 70 Absagen für 16 ausgefallene Schulungen.

Das sei "sträflich", kritisiert der CDU-Abgeordnete Wolfgang Fiedler. Der Feuerwehrexperte sieht die Schuld weniger bei der Ostthüringer Ausbildungsstätte, sondern beim Innenministerium. Dort sei über Jahre hinweg nicht auf die angespannte Situation an der Schule reagiert worden, so sein Vorwurf. Dabei gehe es bei der Ausbildung von Feuerwehrleuten immer auch um die innere Sicherheit, so Fiedler.

Es gibt knapp 1500 freiwillige Feuerwehren

Wenn sich zeige, dass mit der angebotenen Bezahlung kein geeignetes Lehrpersonal für die Feuerwehrschule zu finden sei, müsse eben auch über mehr Geld nachgedacht werden. Fiedler kritisiert, dass unter der aktuellen Situation vor allem die Freiwilligen in den Feuerwehren zu leiden hätten. Das motiviere nicht gerade. "Erst melden sie sich für die Lehrgänge an und dann wird das nichts."

Aus Sicht des Abgeordneten wirken sich die Lehrgangsabsagen zunehmend auf das Führungspersonal der freiwilligen Feuerwehren aus, weil der eine oder andere geplante Aufgaben nicht wie vorgesehen übernehmen könne.

Der Thüringer Feuerwehrverband sieht das ähnlich, verweist aber auch darauf, dass die Einsatzfähigkeit bisher noch nicht gefährdet sei. Allerdings komme zu den Problemen mit abgesagten Lehrgängen noch ein "riesiger Rückstand" beim geplanten Ausbau der Bildungseinrichtung hinzu, erklärt Oschmann. Damit werde auch das Angebot immer unattraktiver. Auch der Verbandschef betont, dass es zumeist ehrenamtliche Feuerwehrleute seien, dies sich teilweise auch in ihrer Freizeit weiterbilden wollen.

Das Thüringer Innenministerium reagierte gestern nicht auf die bereits vergangenen Freitag zur Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule gestellten Fragen der Redaktion. Wolfgang Fiedler wirft dem Ministerium vor, seine parlamentarische Anfrage zur Situation an der Bildungsstätte nicht fristgerecht beantwortet zu haben.

In Thüringen bestehen knapp 1500 freiwillige Feuerwehren in denen etwas mehr als 35 000 aktive Feuerwehrleute bei Lösch- oder Rettungseinsätzen immer wieder auch ihr Leben riskieren.

Kein Stellenabbau im Bereich Feuerwehr und Brandschutz

Das Innenministerium schließt in den kommenden Jahren einen Stelleabbau bei den Thüringer Feuerwehren und im Bereich Brandschutz grundsätzlich aus. Das geht aus einer weiteren Anfrage der Redaktion an das Ministerium hervor.

Denn vom sogenannten Stellenabbaupfad, der für die Landesregierung noch immer gilt, wären neben der ebenfalls gestoppten Polizei auch die Feuerwehren und der Brandschutz betroffen.

Damit bleibt auch der Personalbestand der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule stabil. Seit April ist dort die Stelle eines Ausbilders ausgeschrieben.

Leitartikel: Sie retten Menschenleben