Das Erfurter Duell der Illustratoren

Erfurt  Erstes Graphit-Festival lockt regionale und internationale Künstler in die Räume des Klanggerüsts Erfurt

Dirk Wachsmuth zeichnete beim ersten Thüringer Illustratoren-Battle das Klischee einer Küchenhelferin mit sechs Armen. 

Dirk Wachsmuth zeichnete beim ersten Thüringer Illustratoren-Battle das Klischee einer Küchenhelferin mit sechs Armen. 

Foto: Franziska Eichholz

Sie sind bereit, sich zu duellieren. Hochkonzentriert, ein letzter, blitzschneller Gedanke. Dann springt die Kappe des schwarzen Stifts ab und Tinte trifft quietschend auf Papier. Acht Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland trafen am Samstagabend beim ersten Thüringer „Illustratoren-Battle“ im Rahmen des Erfurter Graphit-Festivals aufeinander.

An acht Papierwänden zeigten die Künstler in 10-minütigen Themenwettstreits, wer am schnellsten ein passendes Bild entwerfen konnte. Dabei gab das Publikum vor, was gezeichnet werden sollte. Nach einem einfachen K.O.-System wurde dann der Gewinner in Duellen ermittelt.

Bereits die Proberunde zum Thema „Küchenkraft“ zeigte: Hier sind wahre Profis am Werk. Im Comic-Stil wurden verschiedene Klischees aufs Papier gebracht: der schwitzende Küchenjunge, der vom französischen Chef zu noch mehr Schnelligkeit getrieben wird, oder die Küchenhelferin, die sechs Arme bräuchte, um alle Aufgaben in der Küche erledigen zu können. „Es ist beeindruckend, was wir hier gemeinsam auf die Beine stellen konnten“, sagt Sarah Reichelt, die als eine von mehr als 40 ehrenamtlichen Helferinnen das Festival unterstützte.

Ein Festival dieser Art und Größe feierte in Thüringen Premiere. Seit Mittwoch liefen zahlreiche Vorträge und Workshops zu den Themen: „Charakterdesign“, oder „Achtsamkeit“ von internationalen Künstlern und Gestaltern. Dabei wurde mit Holz und anderen Materialien gebaut, Siebdrucke angefertigt oder Graffiti an einer Holzwand ausprobiert. „Unsere Vortragenden kamen sogar aus Kolumbien oder Belgien“, verrät Organisator Nils Jüngling, der noch immer von der Größe des Projekts und der Begeisterung seiner Teilnehmer schwärmt. Dafür setzten sich Nils Jüngling und Stefan Kowalczyk im Oktober 2017 zusammen und überzeugten mit ihrem Konzept zahlreiche Sponsoren und Förderer.

Teil des Konzepts war auch der Graphit-Markt, der nur einhundert Meter entfernt in der Erfurter Location „Frau Korte“ stattfand. Dort verkauften regionale Künstler und Illustratoren ihre Werke.

Highlight des kleinen Markts war der „Illumat“. Der „Zeichenautomat“ erfüllte gegen eine Spende in kleinen Zeichnungen die Wünsche der Festivalbesucher. Für die Erfüllung der Wünsche sorgten ein bis zwei Illustratoren, die in dem kleinen Zelt saßen und die mehr oder weniger abstrakten Kinder- und Erwachsenenwünsche nach einem „Wau Wau“ oder „dem weißen Ritter im Morgenland“ wahr werden ließen.

Eine Fortführung des Festivals im nächsten Jahr planen Nils Jüngling und Stefan Kowalczyk aber erstmal nicht. „Dafür müssten wir schon jetzt in die Planung gehen. Das wird einfach etwas zu viel“, sagt Nils Jüngling. „Für 2020 wissen wir dann aber schon mal, wie es geht“, sagt der Organisator und Masterstudent mit einem Augenzwinkern.

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