Das Glockenmuseum Apolda soll ins Stadthaus umziehen

Apolda. Die Tage der Immobilie Bahnhofstraße 41 dürften gezählt sein. Das Haus beherbergt das Glockenmuseum. Mitte 2015 soll es leergezogen werden. Das sieht ein Zeitplan vor. Er ist Teil eines Konzeptes zur Umnutzung.

Für das Glockenmuseum ist perspektivisch eine "Wohnnutzung" vorgesehen. Die Stadt jedenfalls sieht sich außerstande, die Immobilie zu sanieren. Das würde offenbar zu viel Geld kosten, was man einfach nicht hat. Foto: Sascha Margon

Für das Glockenmuseum ist perspektivisch eine "Wohnnutzung" vorgesehen. Die Stadt jedenfalls sieht sich außerstande, die Immobilie zu sanieren. Das würde offenbar zu viel Geld kosten, was man einfach nicht hat. Foto: Sascha Margon

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Beschlossen ist noch nichts. Für die Stadt erarbeitet wurde das Konzept durch die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen. Es dürfte wie ein Paukenschlag wirken, weil es Perspektiven für drei städtische Gebäude eröffnet.

Ins Schloss soll 1 Million Euro investiert werden

Dabei handelt es sich neben dem Glockenmuseum um das Schloss und das Stadthaus. Letzteres soll später das Museum beherbergen. Statt bislang 600 Quadratmeter Nutzfläche stünden diesem dann 1000 zur Verfügung. Hinzu kommen Abteilungen zu den Themenfeldern Automobilbau, Textilwirtschaft, Glocken, Dobermann, Brauwesen sowie Sonderausstellungen. Büros und Stadtarchiv werden ebenso dort unterkommen. Eine Cafeteria ist nicht ausgeschlossen. Das Bürgerbüro wird wohl im Stadthaus bleiben. Dass die Abteilung Kultur dorthin zieht, ist aber klar. Es mache Sinn, diese im gleichen Haus wie das Museum unterzubringen, so Vize-Bürgermeister Volker Heerdegen (CDU). Ob möglicherweise auch die Touristinformation integriert wird, sei noch offen.

Stadthaussanierung kostet rund 990.000 Euro

Am rückwärtigen, zum Brauhof gelegenen Gebäudeteil soll ein Fahrstuhl installiert werden. Zudem ist die Gestaltung der Fläche vorgesehen, auf der noch alte Garagen stehen. Die hässliche Mauer soll beseitigt werden, Spielfläche, Freisitz, Grün sowie ein Glockengarten tauchen auf. Investitionsbedarf am Stadthaus: 990.000 Euro.

Der Auszug der Fachbereiche Finanzen und Stadtplanung/Bauwesen ist für Ende 2014/Anfang bis Mitte 2015 geplant. Neues Domizil für die 34 Mitarbeiter dieser beiden Fachbereiche soll der Vitzthumbau des Schlosses werden, der aber seinerseits vorher saniert werden muss. Prognostiziert wird das für Ende 2014/Anfang 2015. Die Kostenschätzung sieht für das Schloss eine Million Euro vor, wobei der Löwenanteil mit 700.000 Euro auf den Vitzthumbau entfällt. Die kleineren Parts kommen dem Schloss-Altbau (145.000 Euro), wo das Standesamt bleibt, und dem Neubauteil des Schlosses (155.000 Euro) zugute, so Bauausschusschef Peter Scherneck (FWW).

Während die zukünftige Nutzung von Stadthaus und Schloss also klar ist, weil es gelingen kann, die Raumnutzung zu optimieren, heißt es beim Glockenmuseum perspektivisch lediglich: Wohnnutzung.

Sanierung Museum würde über 3 Millionen kosten

Fakt ist, dass die Stadt eine Sanierung des Gebäudes nicht finanzieren kann. Um rund drei Millionen Euro geht es, sagt Scherneck. Hinzu komme, dass es dafür keine Fördermittel gebe. Stadthaus und Schloss profitieren indes vom Städtebautopf, so Heerdegen. Im Unterschied zum Museum hätten die Stadthaus- und Schlosssanierung im Handlungskonzept zur Landesgartenschau außerdem nie unter Vorbehalt gestanden. Museen, so Scherneck, seien freiwillige Angelegenheit. In Apolda habe man aber nie an dessen Schließung gedacht. Deswegen befasse man sich mit dem aus seiner Sicht zukunftsfähigen Konzept. Sein Ausschuss befürworte dieses mehrheitlich. Eine Alternative kenne er bislang nicht.

Scherneck begegnete dem Einwand, man könnte das Museum doch ins Schloss bringen so: In der Vergangenheit sei ins Schloss Fördergeld geflossen - mit dem Ziel, es für Verwaltungszwecke umzubauen. Die müsste man dann zurückzahlen. Heerdegen sagte, dass das Konzept dazu beitragen wird, Gäste der Gartenschau in die Stadtmitte zu locken; entlang einer Kulturmeile mit Kunsthaus, Olle DDR, Kulturfabrik, Stadthaus, Museum, Rathaus, Schloss und Vereinsbrauerei.

Alternative oder Schweigen: Ein Kommentar von Dirk Lorenz-Bauer

Die Katze ist aus dem Sack. Das Umnutzungskonzept für Schloss, Stadthaus und Glockenmuseum ist ab sofort öffentlich. Nicht allen passt das zu diesem frühen Zeitpunkt, denn es hat Diskussionspotenzial. Dabei ist es angesichts der finanziellen Lage der Stadt durchaus vernünftig, mithin akzeptabel.

Sicher, so mancher war bis heute guten Glaubens, dass das Museum saniert wird. Teil der "Kulturblüte" zur Landesgartenschau sollte es sein, womit der Standort mit Kunsthaus, "Oller DDR" und eben dem Museum bezeichnet wird. Nun kommt alles ganz anders. Nix passiert.

Die Sanierungskosten für das Museum von um die drei Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Die Kommune hat das Geld gar nicht mehr zur Verfügung. Zudem muss sich die Stadt vor dem Hintergrund der alternativlosen Konsolidierung auf Effizienz trimmen. Das Konzept ist eine Konsequenz daraus. Um den Sparzwang also wissen alle Lokalpolitiker. Wer von ihnen angesichts des Wahltages nun zum Opportunisten wird, das Konzept verteufelt, sollte einen ausfinanzierten Gegenentwurf haben. Oder schweigen.

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