Decathlon macht aus Erfurt eine Bergsport-Stadt

Erfurt  Ein Blick hinter die Kulissen vor der Eröffnung des Sportmarktes im TEC. Ins Erdgeschoss zieht ein „FitX“-Studio

Foto: Marco Schmidt

Erfurt ist Bergsport-Stadt, zumindest wenn es nach Decathlon geht. Der Sportfachmarkt, der am Donnerstag im TEC eröffnet wird, hat für sein regionales Verkaufskonzept den Outdoor-Bereich mit Zelten, Rucksäcken und Wanderschuhen als Schwerpunkt erhoben.

In Chemnitz sind Mountain-Bikes der Renner, anderswo wird viel Golf gespielt. In Erfurt sollen neben dem Bergsport auch der Radsport und der Wassersport hohe Priorität genießen, erzählt die Filialleiterin Liane Lautsch.

„Die Erfurter sind sehr sportbegeistert und lieben den Thüringer Wald“, meint die Bochumerin, die seit Februar die Markteröffnung vorbereitet. „Und mit dem Fahrrad kommt man besser durch die Stadt als mit dem Auto.“ Auf den 3200 Quadratmetern Verkaufsfläche hat natürlich auch der Fußball einen angemessenen Platz.

Wohl seit Ikea hat eine Handelsansiedlung nicht mehr für so viele Diskussionen gesorgt. Die einen sehen Decathlon als Gewinn, weil die Kunden für einen Besuch im Sportfachmarkt Fahrtwege bis zu 30 Minuten in Kauf nehmen und so mehr Leute zum Shoppen nach Erfurt gelockt werden. Die anderen befürchten Schaden für die Innenstadt, weil Umsätze in das Einkaufscenter außerhalb des Zentrums verlagert werden. Die Ansiedlung beherrschte über Monate hinweg die Stadtpolitik.

Für das TEC ist Decathlon in jedem Fall ein Gewinn. Der Sportmarkt, dem eine Magnetwirkung für das restliche Center vorhergesagt wird, nimmt die gesamte obere Etage des Anbaus ein, in dem bis 2013 ein Praktiker-Baumarkt seine Waren verkaufte. Seitdem standen der Anbau und damit ein Drittel der TEC-Verkaufsfläche leer.

Inzwischen ist der Umbau so gut wie abgeschlossen. Ein neues Eingangsportal, auf dem noch der Markenschriftzug angebracht werden soll, ist entstanden. Von dort geht es geradewegs per Rolltreppe oder Fahrstuhl in den Verkaufsbereich.

Auch die untere Etage des Anbaus ist bereits vermietet, bestätigt der TEC-Centermanager Emanuel Michael. Der Aldi zieht aus dem Hauptgebäude in den Anbau um, was schon länger geplant war. Neu ist die Ansiedlung des ersten „FitX“-Fitnessstudios in Erfurt.

Es soll noch in diesem Jahr eröffnet werden, sagt Emanuel Michael. Nach Karstadt Sport und John Reed am Anger sind Decathlon und FitX bereits die zweite Kombination von Sportfachmarkt und Fitnessstudio im selben Gebäude in Erfurt.

Alles für Kinder, die walken wollen

Das Konzept von Decathlon, das 1976 in Erfurts französischer Partnerstadt Lille gegründet wurde, ist im TEC bereits zu erkennen. Der Sportmarkt setzt zum Beispiel auf eine große Verkaufsfläche, auf der Waren präsentiert und auch getestet werden können. Auf dem Parkplatz werden einige Stellplätze zu einem Basketballplatz umgebaut, der zu den Öffnungszeiten des Marktes öffentlich genutzt werden kann.

Mehr als in vielen anderen allgemeinen Sportmärkten werden zudem Randsportarten bedient. Jagen und Angeln, Tauchen und Surfen, Reiten, Bogenschießen, Darts und Boule haben eigene Abteilungen. Es gibt Kajaks und Stand-up-Paddelboote und sogar die Komplett-Ausrüstung für Kinder, die walken wollen. Golf-Schläger werden in Erfurt zunächst tatsächlich nicht verkauft, wohl aber die passende Kleidung.

Laut Max Fuchs, dem Projektmanager für die Eröffnung, sind rund 80 Prozent der Waren von Eigenmarken. Sie sind in der Regel deutlich günstiger als die Produkte der weltbekannten Labels, sollen sich aber bei den Kunden einen Ruf solider Qualität erarbeitet haben. Die enge Verknüpfung von Filiale und Online-Shop sowie ein kulantes Rückgaberecht gehören ebenfalls zum Image, das Decathlon aufgebaut hat.

Gestern wuselten bereits die künftigen Verkäufer zwischen den einfach gehaltenen 20-Meter-Regalen. Sie probierten die Service-Ausrüstung aus, bauten Vorführ-Zelte auf oder ließen sich in Gruppen von erfahrenen Verkäufern anderer Filialen über die Produkte informieren.

Aus den bislang 44 Mitarbeitern sollen bald 50 werden, sagt die Filialleiterin Lautsch. „Jeder macht bei uns alles“, erläutert die Chefin. „Die Arbeit soll so vielfältig wie möglich sein.“

Als Verkäufer wirkten die Mitarbeiter aber in Abteilungen mit Sportarten, die sie selbst ausüben oder mit denen sie sich intensiv beschäftigen. „Wir setzen auf eine authentische Beratung“, sagt Liane Lautsch.

Zu Eröffnung am 20. Juni soll Eisschnelllauf-Star Gunda Niemann-Stirnemann das Band durchschneiden.

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