Den Turm auf dem Weinberg trägt er im Herzen

Viel Aufhebens möchte Joachim Roßberg nicht um sich gemacht wissen. Dabei erfüllt er schon seit zwei Jahrzehnten eine wichtige Aufgabe, ohne die Artern um eine Attraktion ärmer wäre: Er kümmert sich um einen schönen, alten Aussichtsturm oben auf dem Arterner Weinberg - Jüngkens Aussicht.

Joachim Roßberg kümmert sich seit 20 Jahren ehrenamtlich um "Jüngkens Aussicht" - eines von Arterns Wahrzeichen. Foto: Susann Salzmann

Joachim Roßberg kümmert sich seit 20 Jahren ehrenamtlich um "Jüngkens Aussicht" - eines von Arterns Wahrzeichen. Foto: Susann Salzmann

Foto: zgt

Artern. Geradezu aufopferungsvoll bemüht sich Roßberg seit Jahr und Tag um diesen Aussichtspunkt. Ehrenamtlich. Mit 76 Jahren. Zu den Aufgaben gehören neben der Ausgestaltung des Turm-Inneren mit historischen und künstlerischen Exponaten natürlich auch die Reinigungsarbeiten.

Interessiert an Arterns Heimatgeschichte

"Darum kümmere ich mich allein, und ich mache es gern", sagt der Rentner, für den der Turm zu seiner Lebensaufgabe geworden ist. "Ich hatte die nötige Freizeit", entgegnet er auf die Frage, warum er im Winter 1992 das Ehrenamt annahm. Er wurde vom damaligen Arterner Bürgermeister Harald von Riesen gefragt. Als Interessierter an der Arterner Heimatgeschichte gab es für ihn nicht einmal die Frage nach einem Ja oder Nein. Allerdings: So ganz ins kalte Wasser sprang er damals nicht. Im Oktober 1992 gab es erste Gespräche mit dem Bürgermeister. "Da habe ich gleich auf einige Mängel hingewiesen, zum Beispiel die lockeren Handläufe beim Treppenaufgang", erinnert sich Roßberg.

In den vergangenen Jahren hat er jede Menge Herzblut in den Turm gesteckt, in dem "außer der Treppenauflauf vorher nichts drin war", wie er erzählt. Der Heimatfreund hat sich in den ersten Jahren dafür eingesetzt, dass das Ausflugsziel Strom und Fußbodenbelag bekommt, Blechläden vor den Fenstern und ein Treppengeländer für die Eingangstreppe. Sein größter Wunsch: ein Ensemble um den Aussichtspunkt herum - bestehend aus Sitzelementen, einem Pavillon vielleicht und einem Hexenhäuschen für Kinder, wo sie der Geschichte von Hänsel und Gretel lauschen können. Oder ein kleines Wasserbecken, in dem sich die Kinder im Hochsommer abkühlen können. Das wünscht sich der tatkräftige Ehrenamtler und Pädagoge, der seine freiwillige Hilfe nicht gern in der Öffentlichkeit darstellt.

Der geschichtsträchtige Turm aber müsse für künftige Generationen erhalten werden - diese Aufgabe nimmt der 76-Jährige sehr ernst. Zu "Jüngkens Aussicht" habe er in den vergangenen 20 Jahren eine tiefe emotionale Bindung aufgebaut. Wie liebevoll und mit wie viel Mühe er den Turm pflegt, das können die Besucher auch in der Weihnachtszeit sehen: Unten am Treppenaufgang steht ein kleiner Weihnachtsbaum, verziert mit einer Lichterkette. Roßberg freut sich, dass der 12,50 Meter hohe Turm bei Jugendweihen, Hochzeiten oder Klassentreffen als Ausflugsziel sehr begehrt ist. Sprechen die Besucher ihm dann für das Objekt anerkennende Worte zu, ist das für den aktiven Rentner der größte Lohn.

Tatsächlich, sagt Roßberg, würden die Besucher den Turm und dessen Gestaltung immer wieder loben. Einziges Ärgernis: Das Schild mit den Öffnungszeiten wird immer wieder gestohlen oder von Vandalen zerstört, so Roßberg. Deshalb sieht auch der Besucher keines mehr hängen. Irgendwann, wenn Joachim Roßberg gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, will er "seinen" Turm an die Stadtverwaltung übergeben - in der Hoffnung, dass er eines von Arterns Wahrzeichen bleibt. Für sein langjähriges Engagement wurde Joachim Roßberg jetzt erst mal ausgezeichnet. Auf der Arterner Ehrenamtsgala am Freitagabend erhielt er den Ehrenamtspreis der Stadt.

Geöffnet ist "Jüngkens Aussicht" ist Sonntag von 14 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung unter (03466) 32 55 34 oder (03466) 32 05 25.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.