Der Bergwald auf dem Felsgestein

Eisenach  Zur Geschichte des Roeseschen Hölzchens, das Anfang des 19. Jahrhunderts entstand. Eisenacher Förderkreis erneuerte Gedenktafel

Der Gedenkstein für Christian Roese mit der erneuerten Inschrift. Foto: Klaus Neuendorf

Der Gedenkstein für Christian Roese mit der erneuerten Inschrift. Foto: Klaus Neuendorf

Foto: zgt

Auf einem mächtigen Gedenkstein im Roeseschen Hölzchen steht die Inschrift: „Dem Schöpfer des Bergwaldes Christian Roese 1774 – 1806“.

Wer war Christian Roese, dessen Name das Gebiet oberhalb des Alten Friedhofs und der Neustadt noch heute trägt?

Der Eisenacher Kaufmann Christian Friedrich Roese hatte im Jahre 1787 von den Erben des verstorbenen Kaufmanns Kühn dessen in der Wildbahn am Predigerplatz gelegenen großen Garten mit Bäumen, Land und Gartenhäusern erworben.

Der neue Besitzer fasste den Entschluss, „womöglich dieses Grundstück zu vergrößern und abzurunden, um auf ihm eine Anlage zu schaffen, welche diesem bisher sterilen Teil der Eisenacher Umgebung einen anmutigen Charakter verleihen sollte“.

Die damals noch in ihren Mauern eingeschlossene Stadt war von zahlreichen Bürgergärten mit Obstbäumen, Beeten, Rasenplätzen und behaglichen Gartenhäusern umgeben.

Die romantische Bewegung des ausgehenden 18. Jahrhunderts beinhaltete eine gefühlsbetonte Begegnung mit der Kunst, insbesondere der Malerei und Musik. Aber auch das empfindsame Erleben von Natur und Landschaft gehörte zu den Voraussetzungen für eine neue Lebens-, Kunst- und Naturanschauung, die zudem eine bisher unbekannte Sicht auf das Verhältnis von Natur und Geist eröffnete.

Herzog übereignete den gesamten Berg

Aus diesem Zeitgeist heraus entstand der Typus des Englischen Gartens mit offenen Wiesenflächen und Zierpflanzenanlagen im Wechsel mit formbestimmenden unterschiedlichen, darunter auch ausländischen, Gehölzpflanzungen, den aufeinander abgestimmten Farbnuancen, den Sichtachsen und Ausblicken in die Landschaft.

In Deutschland wurde der Englische Garten für die Gestaltung öffentlicher Parks ab Ende des 18. Jahrhunderts und in der Folgezeit bis Mitte des 19. Jahrhunderts maßgebend.

Auch Christian Fr. Roese wollte in unmittelbarer Nähe seiner Heimatstadt Eisenach ein solches Paradies zur Erbauung und Erholung für die Bürger schaffen. Herzog Carl August verfolgte Roeses Bemühungen mit großer Aufgeschlossenheit und übereignete ihm schließlich 1801 den gesamten Berg mit seinem westlichen Ausläufer. Das karge Gebiet, auf dem Roese etwas landschaftlich Einmaliges und Reizvolles schaffen wollte, erstreckte sich bis an den Schlossberg, umfasste den Zeisiggrund und den Siechenberg im Frankfurter Tal.

Mit großer Hingabe und zäher Tatkraft widmete sich Roese der gewaltigen Aufgabe. August Julius Roese, bedeutendster Eisenacher Oberbürgermeister des 19. Jahrhunderts, schrieb über die Bemühungen seines Vorfahren: „Der Ausbau des ganzen, zumeist öden, felsigen Berges war mit den größten Schwierigkeiten verknüpft, aber vor ihnen schreckte Christian Fr. Roese nicht zurück. Er ließ Terrassen anbringen, Einebnungen vornehmen, um den Boden zu zwingen, die Regenfeuchtigkeit in sich aufzunehmen und Samen und Wurzeln haftend zu machen; er suchte mit Umsicht die Plätze aus, wo auf dem geringen Boden eingeworfener Samen gedeihen und junge Wurzeln sich selbst Raum suchen konnten, und wieder andere, wo die Einpflanzungen mehrjähriger junger Bäumchen einen freudigen Auswuchs versprach. Er legte Saatschulen an und machte Versuche mit fremdländischen, vorzüglich mit alpinen Holzarten, ... von welchen eine Anzahl Exemplare um den Metilstein noch vorhanden sind. Nichts blieb unversucht, keine Kosten wurden gescheut ... aber der Fleiß fand seinen Lohn, der kärgliche Boden war für Forstcultur nutzbar gemacht und der ganze einst sterile Berg war umgewandelt in eine wohlgepflegte Anlage.“

Christian Fr. Roese ließ bequeme Spazierwege anlegen, wie die um den Metilstein führende Promenade mit zwei Felsbänken, eine Brücke über eine Felsspalte und den tiefer gelegenen „Schlängelweg“. Herrliche Ausblicke ins Hörsel- und Georgental sowie auf die umgebenden Höhen boten sich dem Wanderer dar.

Er war jedoch auch noch ein Kind des 18. Jahrhunderts und dessen barocken Traditionen verhaftet. So ließ er in seinem Bergwald einen Altan mit niedriger Steinsäule, einen hölzernen Aussichtsturm, einen Felsdurchgang, eine Eremitenwohnung in einer Felsenhöhle errichten und Inschriften an den Felsen anbringen.

Die bei der Umgestaltung der Wilhelmsthaler Gartenanlage in einen Englischen Park überflüssig gewordenen barocken steinernen Tierfiguren – Bären, Hirsche, Rehe und andere – zierten fortan das Roesesche Hölzchen.

Verdienste erwarb sich Roese mit der Freilegung von Resten der Burg Metilstein und dem Anlegen von Wegen, um dorthin zu gelangen. Die Errichtung einer künstlichen Ruine auf diesem Berg entsprach dem Zeitgeschmack. Bis nach 1945 existierte ein bei den Eisenachern beliebtes Tempelchen mit seinen schönen Aussichten ins Tal der Hörsel Richtung Stedtfeld.

Nach Goethes Besuch der Wartburg, aber auch der Roeseschen Parkanlage und des Metilsteins schrieb dieser: ... „die Anlagen des Handelsmanns Roese waren zu einem neuartigen, unerwarteten Gegenstand indessen herangewachsen.“

Oberforstrat Dr. Gottlieb König nahm sich mit Gründung der Eisenacher Forstlehranstalt im Jahr 1830 des Roeseschen Hölzchens in besonderer Weise an. Auch hierzu äußerte sich Oberbürgermeister August Julius Roese: ... er (König) betrachtete dasselbe (das Roesesche Hölzchen) als eine Art forstlicher Versuchsstation im Kleinen sowie als forstbotanischen Garten der Anstalt. In ihm waren fast alle in deutschen Wäldern vorkommenden Holzarten vertreten. ... Wenn nun auch mit der Zeit die künstlichen Ruinen des Metilsteins, der Eremit aus seiner Höhle und die steinernen Tiere verschwunden sind, so bieten doch die bequemen Wege einen angenehmen Spazier-gang in der nächsten Nähe der Stadt und den schattigsten Weg zur Wartburg!“

Nach 1849 wurde Anlage nicht mehr gepflegt

Nach Königs Tod 1849 wurde das Roesesche Hölzchen nicht mehr gepflegt. Verheerende Unwetter vernichteten 1868 und 1878 mehr als 500 große Bäume. Auch gab es mehrfach Verwüstungen durch Vandalismus. Die Herrlichkeit des Gartens war also nicht von langer Dauer. Dennoch haben bis heute verschiedene Baumarten, Gehölze, Stauden und Kräuter überlebt.

Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte man noch einmal, diese Gegend durch den Bau des in der Folgezeit beliebten städtischen Licht- und Luftbades, die Anlage einer Rodelbahn und 1933 die Errichtung der „Wartburgwaldbühne“ zu beleben.

Der große Stein zu Ehren Christian Friedrich Roese soll auch in Zukunft an den Eisenacher Schöpfer dieses Bergwaldes erinnern, dessen Leistung dauerhaft große Anerkennung verdient.

Der „Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs“ hat es sich deshalb anlässlich des 117. Deutschen Wandertags zur Aufgabe gemacht, die Inschrift auf dem Stein erneuern zu lassen, damit das Gedenken an Christian Friedrich Roese nicht verblasst. Das Thüringer Forstamt – das Gebiet gehört zum Landesforst – begrüßt dieses Engagement und erteilte die Genehmigung zu diesem Vorhaben, das inzwischen realisiert wurde.

  • Ingrid Pfeiffer ist Vorstandsvorsitzende vom Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs

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