Der Gastkommentar: "Bundestag vollzog eine Rolle rückwärts"

Ilmenau. Schon wieder eine durchgebrannte Energiesparlampe! Am Pfingstsonntag ging bei mir zu Hause die dritte Öko-Birne kaputt. Und das binnen eines halben Jahres. Deshalb freue ich mich, dass die Bundesregierung am Freitag vergangener Woche das Verbot von Nachtspeicherheizungen gekippt hat. Doch was haben Energiesparlampen mit der staatlichen Rückwärtsrolle in Sachen Heizung zu tun?

Ein Nachtspeicherofen aus den 1980er-Jahren steht in einem Jugendzimmer. Der Bundestag hat das ab 2019 geplante Verbot von Nachtstromheizungen am vergangenen Freitag wieder gekippt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Ein Nachtspeicherofen aus den 1980er-Jahren steht in einem Jugendzimmer. Der Bundestag hat das ab 2019 geplante Verbot von Nachtstromheizungen am vergangenen Freitag wieder gekippt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Foto: zgt

Nachtspeicherheizungen - im Volksmund Nachtspeicheröfen genannt - sind Wärmespeicher. Sie bestehen aus elektrischen Heizstäben, einem keramischen Kern und einem Lüfter. Nachts wird der Kern elektrisch erwärmt und speichert die Wärme so ähnlich wie ein Kachelofen.

Tagsüber flutet der Lüfter die Wohnung mit behaglicher Wärme. Die Große Koalition hatte ursprünglich geplant, die Nachtspeicheröfen ab 2019 zu verbieten. Nun hat der Bundestag das Verbot gekippt.

Die Befürworter des Beschlusses sehen die Öfen als Teil eines künftigen "smart grid", mit dem sich überschüssiger Sonnen- und Windstrom besser speichern und nutzen lässt.

Die Gegner bezeichnen die Nachtspeicheröfen als "teure Stromfresser" und verweisen darauf, dass sie dreimal mehr Klimagase als Gas-Brennwertkessel verursachen. Welche Seite hat Recht?

Die meisten Fachleute sind sich einig, dass der Anteil regenerativer Quellen am weltweiten Energiemix wachsen wird. Zugleich herrscht in der Fachwelt Konsens, dass das Problem der Speicherung von Elektroenergie ungelöst ist.

Je mehr schwankender Ökostrom in die Netze fließt, desto weiter klafft die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auseinander, sofern keine Energiespeicher vorhanden sind.

Ohne Energiespeicher müssten wir "an sonnen- "und wind- armen Tagen im Kalten sitzen, bei Kerzenlicht "lesen und das Essen mit dem Campingkocher zubereiten.

Gern werden "gute Ideen" zur Energiespeicherung ins Feld geführt wie etwa Pumpspeicherwerke oder die Batterien von Elektroautos.

Gleichwohl verschweigen die Urheber dieser Ideen geflissentlich, dass das Potenzial zum Bau neuer Pumpspeicherwerke in Deutschland erschöpft ist und die Batterien von Elektroautos nach etwa 1000 Ladezyklen ersetzt werden müssen. Und zwar zum Preis von einigen 10"000 €.

Wärme lässt sich im Gegensatz zu Elektrizität leicht und billig speichern. Während das Speichern einer Kilowattstunde elektrischer Energie in einem Lithiumionen-Akku mit 1000 € zu Buche schlägt, kostet das Speichern der gleichen Energiemenge als Wärme in einem Nachtspeicherofen weniger als ein Zehntel dieser Summe.

Zudem sind Nachtspeicheröfen zyklenfest, das heißt sie vertragen im Gegensatz zu einer Batterie beliebig viele Lade- und Entladezyklen. Weil heute keine preiswerten Energiespeicher zur Verfügung stehen, müssen Windkraftanlagen manchmal trotz guter Windverhältnisse abgeschaltet werden. Aus dem gleichen Grund erzeugen Hausbesitzer mit ihrem Solarstrom zuweilen warmes Wasser.

Nachtspeicheröfen sind keine perfekte Lösung zur Energiespeicherung, doch sie sind ökonomisch allemal sinnvoller als das Abschalten teurer Windräder und die Warmwasserbereitung mit subventionierten Fotovoltaikanlagen. Niemand kann heute genau sagen, wie unsere Energieversorgung von morgen aussehen wird. Doch wir wissen, dass der Energiespeicherbedarf wegen der zunehmenden Nutzung regenerativer Energien ansteigen wird. Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, Speichertechnologien von vornherein zu verbieten. Deshalb ist die "Nachtspeicheröfen-Rückwärtsrolle" energiepolitisch ein Schritt nach vorn.

Doch auch jenseits aller Energiepolitik gibt es einen starken Grund "für das Ja zur Nachtspeicher-Rückwärtsrolle: Sie ist ein Zeichen gegen obrigkeitsstaatliche Bevormundung.

Nachtspeicheröfen stellen - anders als Rauschgift oder als Handfeuerwaffen - weder ein gesundheitliches noch ein moralisches Risiko dar. Der Staat, der seinen Bürgern im Namen des Energiesparens heute Glühbirnen und Nachtspeicheröfen verbietet, kommt womöglich morgen auf die Idee, auch Urlaubsflüge auf den Index zu setzen.

Immerhin ließe sich damit eine Menge an Energie einsparen. Würde eine vierköpfigen Familie ihren Sommerurlaub im Thüringer Wald verbringen, anstatt in die Karibik zu fliegen, könnte man mit der eingesparten Energie ein Einfamilienhaus ein Jahr lang heizen.

Und ist der Urlaubsflug einmal passé, kommt als nächstes das Schnitzelverbot.

Denn auch die Fleischproduktion erfordert viel Energie. Die Beispiele machen eines klar: Konsumverbote sind kein guter Weg zu einer nachhaltigen Energiepolitik.

Der Staat hat auch ohne Verbote zahlreiche Möglichkeiten, energiesparendes und nachhaltiges Handeln zu fördern. Zum Beispiel könnten klimaschädliche Subventionen und Steuerprivilegien ersatzlos gestrichen werden. Dazu zählen die marktverzerrende Subventionierung von Kohlebergbau und Fotovoltaikstrom ebenso wie die Befreiung des Flugbenzins von der Mineralölsteuer, aber auch des Deutschen Lieblingskind namens Entfernungspauschale.

Zurück zur Energiesparlampe: In meinem Arbeitszimmer, wo das Licht lange brennt, trägt sie seit vier Jahren zuverlässig zum Energiesparen bei. In unserem Flur hingegen, wo das Licht oft ein- und ausgeschaltet wird, gehen Energiesparlampen relativ schnell kaputt - und sie kosten unterm Strich mehr als normale Glühbirnen.

Ich möchte gern selbst entscheiden, welche Lampen ich einsetze, anstatt mir dies vom Staat vorschreiben zu lassen.

Was für Energiesparlampen gilt, trifft auch für Heizungen zu: Ob ein Hausbesitzer sein Domizil mit Brennwertkessel oder Nachtspeicherofen heizen will, ist seine freie Entscheidung und geht den Staat nichts an. Deshalb ist die Rückwärtsrolle ein Schritt nach vorn.

Zu den Kommentaren