Deutsche und Libanesen studieren gemeinsam in Erfurt und Beirut

Erfurt. Das Büro von Prof. Birgit Schäbler, Lehrstuhlinhaberin für die Geschichte Westasiens an der Universität Erfurt, glich in letzter Zeit mehr einer Abstellkammer. Gemeinsam mit Studenten, Mitarbeitern und Lehrkräften der Hochschule sammelte sie Spenden für das Auffanglager für Asylbewerber in Eisenberg, die erste Anlaufstelle für viele syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in Thüringen.

Libanesische und deutsche Studenten des neuen Master-Studiengangs vor dem Büro von Prof. Schäbler. Foto: Heiner Horlitz

Foto: zgt

Anfang Januar fuhr sie nun schon die zweite Fuhre in den Saale-Holzland-Kreis und zum Zentrum für Integration und Migration in Erfurt. Dabei halfen ihr 15 Studenten des neu gegründeten Studiengangs "Geschichte und Soziologie/Anthropologie des Vorderen Orients in globaler Perspektive", darunter fünf junge Libanesen. "Im Fokus des viersemestrigen Master-Programms stehen Aspekte wie Geschlechterforschung, Jugend- und Alltagskultur, Politik und Kunst sowie Interaktionen zwischen dem Nahen Osten und Europa", erklärt die Professorin.

Bachelor-Absolventen aus dem Libanon und Deutschland studieren das erste Semester an ihren Heimathochschulen, die beiden folgenden werden gemeinsam in Erfurt und an der Université Saint-Joseph in Beirut verbracht. Im Sommersemester fuhr die erste Gruppe aus Deutschland in den Mittelmeerstaat, seit September befinden sich die ersten Libanesen in Thüringen.

Das Besondere: Den Absolventen wird ein akademischer Doppelabschluss verliehen; sie erwerben nationale Abschlüsse beider Hochschulen. "Wir lernen dadurch interkulturelle Kompetenzen. Der Studiengang ist eine große Chance für uns", sagt die Libanesin Leila Sayyid Kassem. Damit ist sie zum Beispiel für die Arbeit in einer der zahlreichen Nichtregierungsorgansisation in der Heimat bestens qualifiziert. Ob sie dort bleiben oder im Ausland ins Berufsleben einsteigen, wissen die 22- bis 23-Jährigen noch nicht.

Von Erfurt sind sie jedenfalls angetan. "Es ist eine sehr gemütliche Stadt mit vielen beein-druckenden alten Gebäuden", schwärmt Farah Sadeq. "Uns allen gefällt es hier wirklich sehr." Bevor sie Ende Februar Erfurt verlassen, hat sich vielleicht auch der deutsche Winter gemeldet. Wobei die wärmeverwöhnten Levanter - und noch mehr die Flüchtlinge in Eisenberg - auf die Kälte gut verzichten könnten. Mit den gesammelten Sachspenden von der Universität wären Letztere zumindest gut gegen ihn gewappnet.

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