Dicke Menschen werden ausgegrenzt

Gera/Berlin  Jeder Achte vermeidet bewusst Kontakt zu fettleibigen Menschen, 71 Prozent finden stark Übergewichtige unästhetisch. Dieses Ergebnis einer Studie teilt jetzt die DAK-Gesundheit mit.

„Ausgrenzung und Stigmatisierung verschlimmern ihre Lage.“ Das sagt die Geraer Professorin Claudia Luck-Sikorski zu Vorurteilen, die Übergewichtige zusätzlich belasten. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

„Ausgrenzung und Stigmatisierung verschlimmern ihre Lage.“ Das sagt die Geraer Professorin Claudia Luck-Sikorski zu Vorurteilen, die Übergewichtige zusätzlich belasten. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Foto: zgt

Jeder Achte vermeidet bewusst Kontakt zu fettleibigen Menschen, 71 Prozent finden stark Übergewichtige unästhetisch. Dieses Ergebnis einer Studie teilt jetzt die DAK-Gesundheit mit. Die Krankenkasse will nun eine Aufklärungskampagne starten, um „die verbreiteten Vorurteile gegenüber Betroffenen zu entkräften“. DAK-Vorstand Thomas Bodmer sagte: „Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los. Sie kämpfen gegen Pfunde und Vorurteile.“

Gesundheitliche Gründe wie Stoffwechselstörungen oder genetische Disposition in der Öffentlichkeit seien hingegen in der Umfrage kaum genannt worden. „Mit einfachen Schuldzuweisungen Betroffenen gegenüber kommen wir nicht weiter“, nimmt Claudia Luck-Sikorski, Professorin für Psychische Gesundheit und Psychotherapie an der Hochschule für Gesundheit in Gera, Übergewichtige in Schutz: „Ausgrenzung und Stigmatisierung verschlimmern ihre Lage.“

Nach der repräsentativen Forsa-Untersuchung glaubt die Mehrheit der Befragten, dass Fettleibige selbst schuld an den überflüssigen Pfunden und zu faul zum Abnehmen seien. Dabei sei Adipositas, also starkes Übergewicht, eine Volkskrankheit, die durch viele Faktoren entstehe.

In Deutschland ist jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 Jahren stark übergewichtig, das sind 16 Millionen Menschen. Frauen und Männer seien gleichermaßen betroffen. Der Anteil der Patienten mit extremer Adipositas (Body-Mass-Index über 40) hat sich nach den Angaben im Zeitraum 1999 bis 2013 mehr als verdoppelt. Adipositas gilt als Auslöser für mehr als 60 Begleiterkrankungen.