„Die Ecke“ in Oberdorla wird verfilmt

Oberdorla  Regisseurin Christa Pfafferott dreht im Vogtei-Dorf einen Dokumentarfilm zur Weltkriegsgeschichte. Eine umfangreiche Rekonstruktion der Geschehnisse ist nötig. Seit Dienstag laufen die Dreharbeiten.

Regisseurin Christa Pfafferott instruiert ihre Kamerafrau.

Regisseurin Christa Pfafferott instruiert ihre Kamerafrau.

Foto: Daniel Volkmann

Die Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm „Die Ecke“, in dem Oberdorlaer Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg eine Rolle spielen, sind am Dienstagvormittag angelaufen. Inspiriert durch ein Foto, das kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges von dem amerikanischen Frontberichterstatter Charles Eugene Sumners in Oberdorla aufgenommen worden war, dreht Regisseurin Christa Pfafferott eine Dokumentation. Das Schwarzweißfoto zeigt einen gefallenen Soldaten der US-Armee, zwei weitere US-Soldaten stehen an der Ecke Sperlingsberg in Bereitschaft, ein Kampfpanzer rollt durch die Heyeröder Straße. Gleichzeitig wird US-Soldat Robert V. Wynne durch eine feindliche Kugel der Wehrmacht getötet.

Auf das Bild stieß die Regisseurin (36) bei einer Internetrecherche. Als Stipendiatin der Bauhaus-Universität Weimar untersucht sie diese Aufnahme tiefgründig und dreht dazu ei­nen Dokumentarfilm von mehr als einer Stunde Länge. „In Kooperation mit einem Forensiker der Hochschule Mittweida werden wir mit neuen digitalen Methoden die Zeit von damals rekonstruieren und versuchen herauszufinden, was genau damals an dieser Ecke geschehen ist“, erläutert Pfafferott. Dienstag wurden mehrere hochauflösende 3D-Scanner in den Straßen aufgestellt, auch mehrere Drohnenflüge haben die Dokumentarfilmer gestartet. Aus den Daten soll später am Computer ein virtueller Raum entstehen, hier könne man genau nachvollziehen, wie sich die Soldaten bewegt haben und was damals passiert sei.

Mit dem Foto war Regisseurin Pfafferott vor einigen Monaten nach Oberdorla gekommen. Als sie Übersichtsaufnahmen der Straße machte, lief ihr Marie Kleinschmidt durch das Bild. Ein weiterer Zufall: Die 79-Jährige ist Zeitzeugin der Oberdorlaer Weltkriegsgeschichte, sie lebt heute noch zwei Häuser neben der Ecke, wo Heyeröder Straße und Sperlingsberg aufeinandertreffen.

„Im Alter von fünf Jahren haben mich die US-Soldaten gemeinsam mit meiner Familie aus unserem Haus getrieben. Ein Großteil der Nachbarschaft musste sich bereits in einer Reihe aufstellen. Wir sollten alle erschossen werden“, erinnert sich die Frau. Ein Nachbar habe die Soldaten dann um Gnade gebeten, ihm habe sie wohl ihr Leben zu verdanken.

Marie Kleinschmidt ist heute noch aufgewühlt, wenn sie an das Geschehen von damals denkt. „Ich habe über eine lange Zeit Alpträume gehabt. Immer wieder habe ich den getöteten Soldaten vor mir gesehen. So etwas vergisst man in seinem Leben nicht wieder“, sagt die alte Frau. 2020 soll der Film ausgestrahlt werden. Wo, das steht aber noch nicht fest.

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