Disco mit Kopfhörern auf dem Hülfensberg

Geismar  Toni testet die „Silent Disco“ im Rahmen der Veranstaltung „Come2gather“. Marlena Diewald begleitet den Workshop.

Redakteurin Antonia Pfaff nimmt im Rahmen ihrer Serie „Toni testet“ an einer „Silent Disco“ auf dem Hülfensberg teil.  Fotos: Iris Pfaff (2)

Redakteurin Antonia Pfaff nimmt im Rahmen ihrer Serie „Toni testet“ an einer „Silent Disco“ auf dem Hülfensberg teil.  Fotos: Iris Pfaff (2)

Foto: Iris Pfaff (2)

Es ist dunkel. Nur ein schmaler Lichtstrahl fällt durch die Eingangstür. Ich husche herein, schließe die Tür auch direkt wieder. Das Glas oberhalb der Tür dämmt die schon schwachen Lichtstrahlen von außen. Meine Augen müssen sich erst kurz an die Dunkelheit gewöhnen. Etwas aufgeregt blicke ich mich um. Rechts und links von mir stehen junge Menschen mit großen Kopfhörern auf den Ohren. Einige leuchten grün, andere rot oder blau. Die Jugendlichen tanzen, lachen und haben sichtlich Spaß. In dem Raum herrscht aber sonst absolute Stille. Marlena Diewald kommt direkt auf mich zu und begrüßt mich. Sie leitet den Workshop „Silent Disco“ im Rahmen der Veranstaltung „Come2gather“ auf dem Hülfensberg.

Drei Farben leuchten in der Dunkelheit

Ich stehe nun inmitten dieser „Silent Disco“. Ehrlich gesagt, so richtig vorstellen kann ich es mir nicht. Dabei ist das Prinzip eigentlich bekannt: Jeder bekommt Kopfhörer in die Hand gedrückt, sucht sich seine Musik aus, tanzt und zappelt vor sich hin. Aber funktioniert es? Macht das Spaß? Ich versuche es. Marlena Diewald reicht mir die Kopfhörer. In wenigen Sätzen erklärt sie mir die Funktionsweise: Auf der einen Seite werden sie eingeschaltet und die gewünschte Playliste eingestellt, auf der anderen Seite wird die Lautstärke reguliert. Verstanden. Zur Auswahl stehen drei von Marlena Diewald zusammengestellte Listen. Die Mischung ist dabei recht interessant. Wie es sich für eine Disco gehört, gibt es eine Liste mit Partyliedern.

Die anderen beiden Musiklisten bestehen aus Lobpreisliedern. Allerdings einmal in einer Party-Version und einmal in einer modernen, durch Bands interpretierten Version. „Die Lieder sind von Jugendlichen für Jugendliche gemacht“, meint Marlena Diewald, die selbst Kopfhörer trägt. Sie drückt mir nun die Kopfhörer in die Hand, und ich lasse mich auf das musikalische Abenteuer ein.

Beim überwiegenden Teil der Jugendlichen leuchtet die grüne Farbe. Ich versuche es damit auch erst einmal. Der Grund erschließt sich mir schnell, es sind die Party-Songs. Eine Weile höre ich mir die Lieder an und merke, dass ich mich ganz ungezwungen dazu bewege. Ich tanze genauso durch den Raum wie die Jugendlichen. Faszinierend. Obwohl scheinbar nur ich die Lieder höre, bewege ich mich ganz natürlich, als wäre ich in einer ganz normalen Disco.

Aber Partylieder kenne ich. Ich bin auf den Lobpreis gespannt. Ich wechsle den Kanal und lausche dieser Musik. Und sie ist richtig gut. Natürlich sind es kirchliche Lieder, der Text regt zum Nachdenken an. Nichtsdestotrotz lässt es sich dazu sehr gut tanzen. Aber das Tanzen ist anders, gediegener, nicht so euphorisch und abgedreht. Denn während ich mich schon zur Musik bewege, achte ich immer wieder auf den Text.

Der Lobgesang, der durch junge Bands neu interpretiert ist, lässt mich runterkommen und entspannen. Ich setze mich auf einen der Tische, baumle mit den Beinen und schaue gelassen dem Treiben zu. Währenddessen bin ich in einer ganz eigenen, anderen Welt.

Songs für jeden Musikgeschmack

Nur ein paar Schritte von mir entfernt sitzen auch zwei Jugendliche. Sie hören die gleiche Playliste wie ich, scheinen auch mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Auf der anderen Seite tanzen einige Mädels total ab. Sie hören die Partyvariante und singen mit. Zumindest ist es an ihren Lippen zu sehen. Denn ich höre außer meiner eigenen Musik nichts.

Gegen Ende lasse ich mich noch einmal auf die Partyvariante ein. Denn die Mädels Pauline, Anastasia und Emely scheinen in dem Workshop komplett aufzugehen. „Es macht einfach richtig Spaß“, sagen sie. Außerdem sei für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Interessant finden die 14-Jährigen auch den Lobgesang, der einmal ganz anders erklingt, als sie ihn bisher kennen und erlebt haben. Dem kann ich natürlich nur zustimmen, für mich ist es auch eine ganz neue Erfahrung. Marlena Diewald meint, dass die „Silent Disco“ erst etwas schleppend angenommen wird. Die Jugendlichen müssen sich erst einmal trauen. Doch dann strömen sie zuhauf in den dunklen Raum, der eine ganz eigene Magie versprüht und ausstrahlt. Um es den Heranwachsenden leichter zu machen, ist der Raum abgedunkelt.

Fazit: Ich bin überrascht, wie gut und offen die Jugend-lichen sich dieser etwas anderen Disco hingeben, sich vor allem darauf einlassen. Ich brauche selbst einige Minuten, um mich darauf einzulassen, auch auf den etwas anderen Lobgesang. Die Idee ist wirklich toll, weil es auch einfach mal etwas anderes ist.