Doppelt so viele Hantavirus-Erkrankungen wie sonst pro Jahr in Thüringen

Erfurt  Bis Mitte September wurden 20 Fälle der Hantavirus-Erkrankung in Thüringen registriert. Im Wartburgkreis verstarb eine Frau an den Folgen. Experten warnen vor dem Kontakt mit Rötelmäusen.

Rötelmäuse gelten als Hauptüberträger der Hantaviren.

Rötelmäuse gelten als Hauptüberträger der Hantaviren.

Foto: imago/McPHOTO

In Thüringen gibt es bereits doppelt so viele Erkrankungsfälle durch Hantaviren wie im gesamten Vorjahr. Laut Gesundheitsministerium wurden bis Mitte September 20 Fälle der meldepflichtigen Infektionskrankheiten registriert. Allerdings lägen die Zahlen noch unter denen der Rekordjahre 2010 und 2012 mit 63 bzw. 73 Fällen, sagte Ministeriumssprecher Stefan Wogawa.

Das Robert-Koch-Institut warnt aktuell vor Ansteckungen durch die Krankheitserreger und vor dem Kontakt mit Rötelmäusen als Überträger. Bundesweit haben sich die Erkrankungen bis August auf fast 1200 Fälle fast verzehnfacht. 2018 waren es 123 Fälle. Jede dritte Erkrankung meldeten Bayern und Baden-Württemberg.

Erkrankung beginnt meist mit abrupt einsetzendem Fieber

Hantaviren bilden eine größere Gruppe verschiedener Erreger. Die bekanntesten Virustypen sind laut RKI Hantaan-, Puumala-, Dobrava-Belgrad-, Seoul-, Sin-Nombre- und Andesvirus. Der Name „Hantavirus“ leite sich ab vom koreanischen Fluss Hantangang ab. Wäh­rend des Koreakrieges in den 1950er Jahren erkrankten 3.000 Soldaten an schwerem hämorrhagischen Fieber.

Ein Großteil der Infektionen verläuft laut RKI mit unspezifischen Symptomen. Die Erkrankung beginne meist mit abrupt einsetzendem Fieber, das mehrere Tage anhält. Begleitend treten grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen und Muskelschmerzen (Myalgien) auf. Asiatische und europäische Virus-Stämme sind Auslöser besagten Hämorrhagischen Fiebers, häufig verbunden mit Blutungen oder Schädigungen der Nieren.

Spezielle Therapien oder eine Impfung gibt es nicht

Verbreitet werden die Erreger von infizierten Nagetieren. In ausgeschiedenem Speichel, Urin und Kot können sie mehrere Tage, auch in getrocknetem Zustand, infek­tiös bleiben. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch die Inhalation von aufgewirbeltem virushaltigem Staub sowie durch Hautkontakt oder Bisse. Spezielle Therapien oder eine Impfung gibt es nicht.

Laut Gesundheitsministerium gab es in Thüringen im besonders betroffenen Westthüringen in diesem Jahr bereits einen Todesfall durch Hantaviren. Im Wartburgkreis verstarb eine aus der Region stammende Frau in der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen. Der Wohnort der Verstorbenen habe sich in einem ländlichen Gebiet befunden, so dass der Kontakt zu Mäusen und deren Exkrementen bzw. zu kontaminiertem Staub wahrscheinlich sei und als ursächlich für die Infektion angesehen werden könne.

Im Umgang mit Rötelmäusen und deren Kot raten Ministerium und RKI zu besonderer Vorsicht. Gegen eine mögliche Staubentwicklung sollten Kotreste möglichst vor der Beseitigung angefeuchtet werden. Beim Entfernen wird das Tragen von Mundschutz und Einweghandschulen empfohlen.

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