Dreifach virtuos und aus einem Guss

Eisenach  Publikum ist vom dritten Sinfoniekonzert der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach im Landestheater hingerissen

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Hätte Johannes Brahms seine vierte Sinfonie nicht in Wien den Herren Eduard Hanslick, Hans Richter, Max Kahlbeck und Theodor Billroth, sondern dem Eisenacher Publikum vorgestellt, dann hätte sie nicht Unverständnis, sondern stürmischen Applaus bekommen. Zumindest war es so im dritten Sinfoniekonzert am Freitagabend im Eisenacher Landestheater.

Die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach wurde diesmal von Alessandro Crudele geleitet. Mit klaren Gesten seiner linken Hand zeigte er den Musikern, was er wollte. Es entstanden klanglich schöne Interpretationen. Wenn Brahms bei seiner ersten Sinfonie noch mit „Beethoven im Nacken“ mit Selbstzweifeln herangegangen ist, war er doch bei seiner vierten schon ein anerkannter Meister. Das Programmheft vermittelt interessante Einblicke in den Schaffensprozess.

Solisten agieren quasi als ein Klangkörper

Auch erfährt man viel über den Dirigenten des Abends, Alessandro Crudele. Die Ruhe im zweiten Satz der Sinfonie, das Feuer im dritten zeigten ihn als Meister seines Faches. Bei mehr Platz zwischen den Notenpulten hätte er sich am Schluss mit Handschlag bei allen Musikern für ihre Leistung bedankt. Ein zweiter Höhepunkt an diesem Konzertabend war von Ludwig van Beethoven das Tripelkonzert. Drei Solisten mit Klavier, Violine und Violoncello stehen dem Orchester gegenüber. Eigentlich wären sie für sich schon ein Klangkörper.

Warum setzt Beethoven ihm noch ein Orchester zur Seite, oder gegenüber? Beethoven beschritt eine neue Bahn. Die Leipziger und die Wiener waren von dem Konzert nicht begeistert. Auch hier, wie bei Brahms, sind es die Eisenacher gewesen, die gern noch eine Zugabe gehört hätten.

Weder aus dem Programmheft, noch aus dem Internet ist zu erfahren, ob Sania Cheong (Violine), Stefan Kropfitsch (Violoncello) und E-Hyun Hütterman (Klavier) schon öfter zusammen musizierten, sich zu einem einheitlichen Klangkörper vereint haben. So aber wirkten sie an diesem Abend.

Während die Streicher mit einem unmerklichen Vibrato einen sanften Klangteppich ausbreiteten, schwebten die beiden Solisten mit einem stärkeren darüber und setzten sich dadurch klanglich ab. Die rasanten Läufe des Violoncellos gemeinsam mit dem Klavier zeigten die Meisterschaft der Solisten.

Im Programmheft steht ein Zitat nach Jan Vogler: „Wenn es wirklich gut gespielt ist, verliebt sich das Publikum sofort in das Werk!“ Die Eisenacher haben sich in die drei Solisten verliebt – in das Orchester schon lange. Einen „kleinen Mozart“ gab es in dem Konzert auch noch – er stand am Anfang. Die beiden Mozartbiographen Albert Einstein und Hermann Abert stellen den Zusammenhang der Sinfonie Nr. 32 in C-Dur (KV 318) als Ouvertüre zu „Zaïde“ oder „Thamos“ in Zweifel.

Erwartungen werden nicht enttäuscht

Das Programmheft gibt viel Wissenswertes über dieses „Werkchen“ und seine Stellung im Schaffen Mozarts kund. Alessandro Crudele zauberte einen schönen „Mozart“ mit historischen Anklängen. Barocke Artikulation, Inégalité schimmerte durch, ein „Mannheimer Crescendo“ gleich zu Beginn ebenfalls. Mozart hatte auf seiner Reise gelernt, einer Reise, bei der er sich von elterlicher Obhut löste.

„Dreifach virtuos“ war vom Veranstalter dem Konzert als Motto gegeben. Wenn ein Konzert schon zeitig ausverkauft ist, erwartet das Publikum einiges. Es wurde nicht enttäuscht.

Alessandro Crudele und die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach begeisterten. Im Gespräch mit den Musikern erfuhr der Rezensent, dass sie das Landestheater als eine akustisch gute Spielstätte einschätzen.

Die Eisenacher können sich darüber freuen. Allerdings ist auch das nächste Konzert zum Rosenmontag schon lange ausverkauft.

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