Droht Thüringen ein neuer Lockdown?

Erfurt.  So reagieren Land und Kommunen auf den Anstieg der Corona-Infektionszahlen.

In Schutzkleidung gibt diese Mitarbeiterin der Abstrichstelle im Mühlhäuser Barbaraheim Daten ein.

In Schutzkleidung gibt diese Mitarbeiterin der Abstrichstelle im Mühlhäuser Barbaraheim Daten ein.

Foto: Daniel Volkmann

Auch in Thüringen steigen die Infektionszahlen wieder. Am Freitag hatten vier Landkreise die kritische Inzidenzmarke von 50 Neuinfizierten überschritten. Was derzeit gilt und wo welche Schritte eingeleitet werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, finden Sie im Überblick.

Wie sind die Corona-Maßnahmen in Thüringen derzeit geregelt?

Es gilt noch bis zum 31. Oktober die zweite Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus, nachzulesen im Corona-Portal des Landes (www.tmasgff.de/covid-19/verordnung). 21 Paragrafen legen fest, wann und wo Masken zu tragen sind, wie Besucher in Ausstellungen oder Restaurants sowie bei Veranstaltungen zu erfassen sind. Nach wie vor wichtige Grundregeln bleiben Mindestabstand und Hygiene.

Wo gilt eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes?

Verbindlich zu tragen ist der MNS im öffentlichen Personenverkehr wie Eisenbahnen, Straßenbahnen, Taxen sowie Omni- und Reisebussen. Das Gleiche gilt in Geschäften mit Publikumsverkehr.

Kann man sich von der Maskenpflicht befreien?

Ausnahme von der Maskenpflicht bestehen bei Kindern bis 6 Jahre sowie bei gesundheitlichen Gründen. Eine Möglichkeit zur Selbstbefreiung, etwa in Form von schriftlichen Eigenbekundungen, die als Vordruck im Internet kursieren, ist laut Gesundheitsministerium nicht möglich. „Niemand kann sich von der Maskenpflicht selbst entbinden. Gründe gegen die Maske sind glaubhaft zu machen“, sagt Ministeriumssprecher Frank Schenker.

Welche Änderungen stehen bei der Corona-Bekämpfung an?

Thüringen hat dazu eine neue Fortschreibungsverordnung auf den Weg gebracht. Gültig wird sie ab 1. November. Geändert wird etwa Paragraf 7 der 2. Corona-Verordnung zu Veranstaltungen, Dienstleistungen sowie zur Anzeigepflichten bei privaten Feiern. Für Letztere gilt dann eine Anzeigepflicht in geschlossenen Räumen ab mehr als 30 Personen (bislang 50) und unter freiem Himmel ab mehr als 75 Personen (bislang 100). Größere Veranstaltungen müssen ab 75 Teilnehmern (bisher 100) angemeldet werden. Angemeldet werden muss zwei Tage vorher, so sollen die Gesundheitsämter im Ernstfall Infektionsketten besser verfolgen können.

Was passiert, wenn die Inzidenzmarken von 35 bzw. 50 in einer Region überschritten werden?

Derzeit haben die Kreis Saale-Orla, Saale-Holzland, Schmalkalden-Meiningen und Altenburger Land Allgemeinverfügungen erlassen. Nachzulesen sind sie bei den Behörden vor Ort. Hier einige Auszüge aus den Vorschriften: In Schmalkalden-Meiningen sind nichtöffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 25 Personen und unter freiem Himmel mit mehr als 50 Personen verboten. An privaten und familiären Feiern dürfen nicht mehr als 10 Personen teilnehmen.

Das Altenburger Land verbietet zudem öffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen ab 100 Personen. Im Saale-Holzland dürfen daran nicht mehr als 50 Personen teilnehmen. Unter freiem Himmel ist die Teilnehmerzahl auf 250 beschränkt. Jena und das Eichsfeld verschärfen die Maskenpflicht.

Wie reagieren Klinken auf den Wiederanstieg der Infektionszahlen?

Regulär erlaubt sind derzeit höchstens zwei zu registrierende Besucher je Patient für täglich zwei Stunden. Das KMG Klinikum Sömmerda hat erneut ein generelles Besuchsverbot verhängt. „So wollen wir Patienten und Mitarbeiter vor der potenziellen Gefahr schützen, dass Besucher das Virus einschleusen“, sagte Kliniksprecher Sascha Nenninger.

Welche Einrichtungen sind derzeit noch oder wieder geschlossen?

Tanzklubs, Diskotheken, Swingerklubs bleiben zu, auch mobile Prostitution gibt es nicht. Wieder für Besucher geschlossen werden ab Montag die Servicestellen der Thüringer Finanzämter. Jedoch arbeiten die Finanzämter selbst wie gewohnt.

Droht ein neuer totaler Lockdown?

Eine pauschales Lahmlegen aller Gesellschaftsbereiche wie im Frühjahr soll es nicht mehr geben, sagt das Gesundheitsministerium. Auch Spielplätze würden nicht wieder geschlossen. Corona-Hotspots sollen regional bekämpft werden. Würden Risikowerte überschritten, könne das Land Einzelweisungen an die örtlichen Behörden richten. Schenkers Appell: Jeder kann selbst etwas zur Eindämmung des Virus tun, in dem er sich und andere vor Ansteckungen schützt.

Sind jetzt Großeinkäufe von Klopapier und Lebensmitteln sinnvoll?

Dazu kommt von der Landesregierung ein klares Nein. Wie schon im Frühjahr bleibe auch jetzt die Versorgung weiterhin gewährleistet.

Kontaktpersonen oft verzögert informiert

Viele deutsche Gesundheitsämter können die Kontaktpersonen von bestätigten Covid-19-Patienten nicht rechtzeitigkontaktieren. Auf eine Anfrage der Apotheken Umschau an mehr als 400 deutsche Behörden lautete die Antwort bei knapp einem Viertel der 175 Ämter, die Auskunft gegeben haben: Ja, es gebe Verzögerungen bzw. einen Stau bei noch zu kontaktierenden Kontaktpersonen der Kategorie I. Das sind genau jene Menschen, die sich für 14 Tage in Quarantäne begeben müssten, deren Gesundheit überwacht werden sollte und die im Einzelfall getestet werden sollten. Demnach wird eine wachsende Zahl von Menschen in Deutschland nicht darüber informiert, dass sie sich in Quarantäne begeben müsste. Infektionsketten könnten so nicht frühzeitig unterbrochen werden. In Thüringen beteiligten sich neun Ämter, Probleme meldete das Amt in Hildburghausen.

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