Eichsfeld Klinikum richtet Infektionsstation ein

Eichsfeld.  Mitarbeiter nehmen an deutschlandweiter Aktion zur Sensibilisierung teil. Im Eichsfeld Klinikum werden Operationen verschoben.

Das Eichsfeld Klinikum bereitet sich auf Patienten vor, die am Corona-Virus erkranken und stationär behandelt werden müssen. Einige Mitarbeiter im Haus Reifenstein nehmen an einer deutschlandweiten Aktion teil.

Das Eichsfeld Klinikum bereitet sich auf Patienten vor, die am Corona-Virus erkranken und stationär behandelt werden müssen. Einige Mitarbeiter im Haus Reifenstein nehmen an einer deutschlandweiten Aktion teil.

Foto: Eckhard Jüngel

„Wir bleiben für euch da. Bleibt ihr für uns zu Hause.“ Mit diesen Worten sind aktuell unzählige Bilder im Netz zu finden, die unter anderem Mitarbeiter aus Krankenhäusern in Dienstkleidung zeigen. Der Appell will sensibilisieren und mahnt zur Vorsicht. Auch Mitarbeiter des Eichsfeld Klinikums haben sich an der Aktion beteiligt. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Anja Eggert aus Holzthaleben ist auf ihrem Bild mit Kollegin und Freundin Julia Hundeshagen aus Beuren im OP in Reifenstein zu sehen. „Wir haben das Ganze von verschiedenen anderen Kliniken gesehen und fanden die Aktion klasse, weil sie uns so aus dem Herzen gesprochen hat“, sagt Anja Eggert. „Wir sind einfach wütend und traurig darüber, wie ignorant, leichtsinnig und zum Teil auch egoistisch mit dieser ernsten Situation umgegangen wird.“ Man könne Menschenleben retten, indem man einfach nur zu Hause bleibt. „Einfacher, meint man, geht es doch nicht.“

Sie wollten mit dem Bild einen Beitrag leisten, die Menschen, auch in ihrer Region, mehr zu sensibilisieren und so auf die Ernsthaftigkeit der Lage hinweisen. „Leider war es uns in der vergangenen Woche nicht möglich, diese Aktion im Team hinzubekommen, da einige von uns mit den Folgen der Kita- und Schulschließungen zu kämpfen hatten und sich und ihre Familien erstmal organisieren mussten.“ Nun waren die beiden am Freitagabend im Bereitschaftsdienst zu einem Notfall ins Krankenhaus gerufen worden. Im Anschluss entstand das Bild. Der Appell von Anja Eggert, Julia Hundeshagen und Anästhesiepfleger und Fotograf Rainer Grohe lautet: „Bleibt, wenn es irgendwie möglich ist, zu Hause und schützt so euch und eure Mitmenschen. Zeigt endlich Einsicht und nehmt das Thema ernst.“

Im Eichsfeld Klinikum werden aktuell geplante Operationen – soweit medizinisch vertretbar – verschoben, um Bettenkapazitäten zu schaffen. „Bei stark steigenden Infektionszahlen können diese kurzfristig erhöht werden“, heißt es aus der Einrichtung. Eine Infektionsstation mit einer Kapazität von zwölf Betten ist eingerichtet, zusätzliche Beatmungsgeräte wurden geordert. Darüber hinaus hat das Klinikum einen Krisenstab eingerichtet, der die aktuelle Lage regelmäßig einschätzt und zügig handelt.

„Angesichts der dynamischen Ausbreitung des Corona-Virus stehen alle Krankenhäuser gerade vor großen Herausforderungen“, sagt Dr. Uwe Schotte, ärztlicher Direktor des Klinikums, und unterstreicht: „Unser wichtigstes Anliegen ist es, Patienten ebenso wie unsere Mitarbeiter aktiv vor einer weiteren Ausbreitung des Virus zu schützen.“

Er macht aber auch klar, dass nicht jeder Infizierte unbedingt im Krankenhaus behandelt werden muss. Bei 90 Prozent der Infizierten verlaufe das Virus milde. Nur bei schweren Krankheitsbildern oder sehr gravierenden Begleiterkrankungen sei eine stationäre Aufnahme erforderlich.

Dr. Uwe Schotte appelliert: „Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, dann melden Sie sich bitte telefonisch beim Hausarzt. Auf diesem Weg wird alles Notwendige getan, um festzustellen, ob ein Risiko auf eine Infektion besteht und welche weiteren Schritte eingeleitet werden müssen.“ Wichtig dabei sei: „Bitte begeben Sie sich zu einer Infektionsabklärung nicht direkt in die Hausarztpraxis oder die Notfallambulanz. Damit riskieren Sie ein unkontrolliertes Verbreiten und gefährden Patienten und das medizinische Personal.“

Für alle Krankenhäuser in Thüringen besteht derweil ein generelles Besuchsverbot, so auch für das Eichsfeld Klinikum. Nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen darf pro Tag und Patient nur ein Besucher empfangen werden. Kinder unter 16 Jahre und Besucher mit Atemwegsinfektionen sind davon ausgeschlossen. Die Krankenbesuche werden ab sofort dokumentiert und die Besucher über die notwendigen Hygienemaßnahmen informiert.

Der Bereich Geburtshilfe setzt seine Arbeit uneingeschränkt fort. Für infizierte Frauen, die zur Geburt anstehen, werden gesonderte Regelungen getroffen. Die Schmerzambulanz, die Endoskopieabteilung und andere Spezialsprechstunden setzen die Behandlung von dringlichen Patienten ohne Erkältungssymptome fort. Zur Abklärung der Dringlichkeit sollte zuvor angerufen werden. Die ambulante Tätigkeit der Physiotherapieabteilung wurde wegen der Allgemeinverfügung des Landkreises eingestellt.

Das Sozialpädiatrische Zentrum in Reifenstein setzte den direkten Patientenkontakt komplett aus, bietet eine telefonische Beratung an. Lediglich dringende Fragestellungen können in der ärztlichen Sprechstunde behandelt werden. Beim Caritativen Pflegedienst Eichsfeld gGmbH (CPE) erfolgen aktuell sowohl die hauswirtschaftliche Versorgung als auch die Pflegemaßnahmen unverändert.

Live-Blog Coronavirus: Erster Thüringer Ort komplett unter Quarantäne - Auswirkung der Krise für Handwerker