Eichsfelder Hobbyimker entsetzt über Bienen-Vortrag in Leinefelde

Leinefelde (Eichsfeld). Entsetzt zeigt sich Reinhold Przywarra, Hobbyimker aus Leinefelde und Mitglied des dortigen Imkervereins, über einen Fachvortrag, der in der vergangenen Woche im Landwirtschaftsamt Leinefelde vor Landwirten gehalten wurde (wir berichteten).

Bienenforscher Gerhard Liebig sagte beim Vortrag, dass nur die Bekämpfung der Varroamilbe mit organischen Säuren die Bienenvölker schützt. Foto: Jürgen Backhaus

Bienenforscher Gerhard Liebig sagte beim Vortrag, dass nur die Bekämpfung der Varroamilbe mit organischen Säuren die Bienenvölker schützt. Foto: Jürgen Backhaus

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Bienenwissenschaftler Gerhard Liebig referierte zum Thema "Das Bienensterben - hausgemacht oder Fremdeinwirkung?". Er sagte, das Bienensterben sei hausgemacht, liege am Imker, der die Völker nicht milbenfrei durch den Winter bringe. Der vorschriftsmäßige Einsatz von zugelassenen Pestiziden sei am "ominösen Bienensterben" jedenfalls nicht schuld.

Dem widerspricht Reinhold Przywarra vehement. "Ein Pflanzenschutzmittel mit Bienenungefährlichkeit trägt die Bezeichnung B4. Was ist aber B4?", fragt der Leinefelder. "Wenn mit einem als bienenungefährlich bezeichneten Mittel bei sachgerechter und empfohlener Anwendung 100 Bienen in Berührung kommen und von diesen innerhalb von 48 Stunden nicht mehr als 49 Bienen sterben, dann ist das Mittel bienenungefährlich.

Bienen, die später an einem Gift sterben, werden also ignoriert", schlussfolgert Przywarra aus den Vorgaben. "Was würden die Landwirte wohl unternehmen, wenn nach einer Behandlung von 100 Kühen 49 das Leben aufgeben würden, 51 gerade noch überleben und wenn dann der Rest auch nach weiteren Tagen sterben würde? Unsere vergifteten Bienen findet man nicht in der Natur, aber eine Herde toter Kühe würde einen Aufschrei erzeugen", ist er überzeugt.

Professor Randolf Menzel vom Neurologischen Institut in Berlin beschäftige sich seit 50 Jahren mit den Bienen, berichtet Przywarra. Er erforsche die Wirkung von Neonicotinoiden auf Bienen. Das sind hochwirksame, synthetisch hergestellte Insektizide. "Er fand heraus, dass sich die Bienen elektrostatisch aufladen. Auf den Härchen entstehen bis zu 700 Volt. Je weiter die Futterquelle entfernt ist, desto höher ist die Spannung. Diese Spannung registrieren die anderen Stockbienen nebst anderen Tönen, einem Konzert ähnlich.

Kommen Neonicotinoide ins spielt, verstummt dieses Konzert", gibt der Leinefelder den Forscher wieder. Die Bienentänze, die wichtig seien zur Futterquellensuche, hörten auf. Das Kühlen oder Heizen im Stock höre auf, die Brut sterbe. Lethargie mache sich breit. "Die Bienen sind wie besoffen von der Chemiedroge. Das Volk bricht in sich zusammen, da die Arbeitsteilungen im Volk nicht mehr funktionieren", so der Leinefelder. "Kein Imker setzt Geld und Zeit ein, um seine Bienen für den Winter vorzubereiten, mit dem Hintergedanken die lass ich sterben", ärgert sich Przywarra über die Äußerungen Liebigs.

"Seine abschließende Feststellung, ohne Spritzmittel kann man keine landwirtschaftlichen Produkte produzieren und wir brauchen die Grüne Gentechnik in Deutschland, machten mich sprachlos. Ich fühlte mich wie auf einer Werbeveranstaltung von Bayer oder Monsanto", so der Leinefelder, der den Vortrag selbst mit angehört hat. Das alte Sprichwort "Wessen Geld ich bekomme, dessen Lied ich pfeif", habe wohl doch seine Berechtigung.

Vortragstag im Landwirtschaftsamt mit Referat über Bienensterben

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