Eigentümer der Kammwegklause will Objekt loswerden

Erfurt. Die Kammwegklause auf dem Erfurter Herrenberg ist ein Szenetreff der Rechtsextremen. Der Eigentümer des Objekts will die Nazi-Kneipe gegen ein Mehrfamilienhaus tauschen.

In der Kammwegklause am Erfurter Herrenberg ist ein NPD-Büro eingerichtet. Foto: Marco Schmidt

In der Kammwegklause am Erfurter Herrenberg ist ein NPD-Büro eingerichtet. Foto: Marco Schmidt

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Der Eigentümer des rechtsextremistischen Szenetreffs auf dem Herrenberg will sich von seiner Immobilie trennen. Das bestätigte Manfred Stein im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ja, ich habe der Stadt vorgeschlagen, das Objekt gegen ein sanierungsbedürftiges Achtfamilienhaus zu tauschen.“ Ins Auge gefasst hat Stein eine Immobilie auf dem Gelände des ehemaligen Malzwerks an der Thälmannstraße.

Doch die Verwaltung zögert. Zwar lässt Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) nichts zum Stand der Verhandlungen verlauten, doch scheint es grundsätzliche Bedenken dagegen zu geben, ob die Stadt grundsätzlich eine Gaststätte erwerben sollte. So sollen stattdessen verschiedene große Wohnungsgenossenschaften angesprochen worden sein, anstelle der Verwaltung zuzugreifen.

Erschwerend kommt hinzu: Die Kammwegklause in der Tungerstraße ist alles andere als ein Schnäppchen. Denn ganz offenbar zahlt der Pächter zuverlässig und pünktlich einen vergleichsweise hohen Pachtbetrag. Die Pächter zuvor waren in de Objekt schon bei knapp der Hälfte der heutigen Summe in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und hatten das Handtuch geworfen. Eigentümer Stein versichert, dass die Immobilie in einem „hervorragenden Zustand“ sei. Von außen recht unansehnlich, sei die Gaststätte innen auf dem modernsten Stand. „Fliesen, Küchentechnik alles Tip-Top.“ Etwa 200.000 Euro sei die Kammwegklause wert.“ Gekauft hat er die Immobilie deutlich preiswerter – vor nicht einmal zehn Jahren.

Damit aber wäre jetzt Spekulationssteuer fällig. Um sich diese zu sparen, favorisiert Stein eigenen Angaben zufolge einen Tausch gegen das Mehrfamilienhaus. „Selbstverständlich mit Wertausgleich.“

Eigentümer genervt von den Protesten

Offenbar möchte sich der Eigentümer von der Nazi-Gaststätte auch deswegen trennen, weil ihm die anhaltenden Proteste gegen das Objekt allmählich zu viel werden. Sogar vor seinem Wohnhaus marschierte ein Demonstrationszug im Mai bereits auf. Im August stellten die Erfurter Filmpiraten eine Dokumentation über die Gaststätte fertig, „Ich bin kein Rechtsextremist“, so Stein. Er vermiete nur.

Hans-Jürgen Czentarra, linker Ortsteilbürgermeister am Herrenberg, will sich zu dem geplanten Geschäft nicht äußern. „Da sitze ich nicht am Verhandlungstisch.“ Zugleich machte er aber klar, dass eine Schließung der „Nazi-Kneipe“ ein wenig mehr Ruhe in den Erfurter Südosten bringen könnte.

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