Ein Haus mit DDR-Charme und Jahrzehnte alten Holzfenstern

Erfurt  Sportzentrum Essener Straße hofft auf Bundesmittel zur Sanierung und Fürsprache des SPD-Mannes Carsten Schneider

Gespräch im Sportzentrum Essener Straße Foto: Michael Keller

Foto: zgt

Man sieht ihm die Jahre an, dem Sportzentrum in der Essener Straße, gleich hinter der neuen Riethsporthalle. Erbaut worden sein, soll es 1974. Die Holzfenster könnten noch aus dieser Zeit stammen. Von der Energiebilanz spricht man da lieber nicht. Doch auch im Inneren sind die Spuren, die der nagende Zahn der Zeit hinterlassen hat, unübersehbar. Hätten dort nicht immer wieder viele Sportfreunde und Ehrenamtliche zu Pinsel und Werkzeug gegriffen, wer weiß, wie der Bau heute aussehen würde.

Im ersten Anlauf blieb Erfurt unberücksichtigt

Dass da etwas passieren muss, ist Konsens. Doch womit? „Drei Millionen muss man hier schon einplanen, um den Sportkomplex zu sanieren und völlig neu zu denken“, sagt Jens Batschkus, Chef des Erfurter Sportbetriebes (ESB). Im Vorjahr gab es leise Hoffnung. Man bewarb sich für Gelder aus einem Bundesprogramm zur Sportstättensanierung. Die Idee hatten andere auch. „Am Ende war der Fonds zehnfach überzeichnet“, sagt Carsten Schneider. Der Finanzexperte der SPD-Bundestagsfraktion, dessen Wahlkreis auch in Erfurt liegt, hat aber noch einen Joker im Ärmel. Schneider weiß, dass in eben jenen Sportstättensanierungstopf nochmals 100 Millionen Euro Nachschlag hineingewandert sind. Und deshalb wird nun mit seiner Hilfe der zweite Anlauf gestartet.

Um sich nochmals ein konkretes Bild vom Zustand und den möglichen Perspektiven des Gebäudekomplexes mit seinen 1000 Quadratmetern Nutzfläche auf drei Etagen zu machen, war gestern ein Ortstermin angesetzt. Schneider kennt das Sportzentrum, gehört es doch zum SSV Erfurt-Nord, dessen Vereinsvorsitz er von 1999 bis 2004 innehatte. Auch sein Nachfolger, Torsten Haß, ist bestens im Bilde über den teilweise morbiden Charme des Klotzes, der zu tiefsten DDR-Zeiten der ganze Stolz des damaligen VEB Umformtechnik war. Der Betrieb hatte Geld. Das Sportzentrum bekam 1977 eine Kegelbahn eingebaut, man verfügte gleich über zwei Saunen, eine Kneipe und im zweiten Stock über eine Gästeetage mit allem Komfort. Den sucht man heute vergeblich. Vieles ist stark sanierungsbedürftig. Denn das Haus wird trotz seines Zustandes sehr stark frequentiert, weiß SSV-Vorsitzender Haß zu berichten. Hier geben sich täglich zwischen 12 und 24 Uhr Sportler aller Disziplinen die Klinke in die Hand: Judokas, Boxer, Billardspieler, Leichtathleten, Rugbyspieler, Fußballer und die Aktiven beim American Football. Alles in allem so um die 800 bis 1000 Vereinsmitglieder des SSV und des PSV, bei dem die Judokas angesiedelt sind. Dazu noch der Schulsport. Da wird es beim Umkleiden und Duschen mitunter etwas eng.

Nur die Räume des Billardvereins Poolmasters strahlen eine gewisse Eleganz aus. Mit Bar und vier schweren Spieltischen. Alles tipptop gepflegt und in vielen Stunden Eigenleistung auf Vordermann gebracht. Was auch für die Kegelbahn gilt, deren DDR-Vergangenheit man aber durchaus erahnt.

Dafür sieht es in anderen Räumen um so bedauernswerter aus. Hier muss dringend etwas passieren, auch um das Sportangebot in Nord „rund“ zu machen, wie es Torsten Haß ausdrückt. „Mit Kosmetik ist es hier aber nicht getan, hier hilft nur eine Komplettsanierung“, fügt ESB-Chef Batschkus an. Und er ergänzt, dass er davor warne, dann zu klein zu denken. Es habe sich nämlich im Laufe der Jahre hier „zurechtgehudelt“. Soll heißen, Klein-Klein, ohne Konzept. Man solle sich, so Batschkus, das Gebäude ruhig einmal entkernt vorstellen und dann alles in Zusammenarbeit mit den beteiligten Vereinen neu ordnen.

SSV-Chef Torsten Haß hofft daher, dass man im zweiten Anlauf nun das nötige Quäntchen Glück hat und mit Hilfe seines Parteikollegen Carsten Schneider mit in den Bundes-Vergabetopf rutscht. Denn Sportstätten sind eigentlich eine originär kommunale Aufgabe. Die wäre in Erfurt aber nicht zu leisten. Wenn man ganz unverschämtes Glück hat, kommt am Ende sogar nur ein 10-prozentiger Eigenanteil auf die Stadt zu, da Erfurt zu den finanzschwachen Kommunen zähle, sagt Carsten Schneider, der „hoffnungsfroh“ ist, dass es diesmal klappt. Im März fällt in Berlin die Entscheidung im Haushaltsausschuss.

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