Ein Paradies für Erfurt auf dem Petersberg

Altstadt  Der 3. Dämmerschoppen der Bugafreunde räumt mit dem Vorurteil auf, bis zur Bundesgartenschau 2021 würde nicht mehr viel passieren

Das Peterstor der Zitadelle Petersberg und das Kommandantenhaus werden zum Petersberg-Entrée. Dafür muss an der Seite angebaut werden. Im Untergeschoss soll eine Ausstellung Besucher anlocken, die bereits geplant wird.

Das Peterstor der Zitadelle Petersberg und das Kommandantenhaus werden zum Petersberg-Entrée. Dafür muss an der Seite angebaut werden. Im Untergeschoss soll eine Ausstellung Besucher anlocken, die bereits geplant wird.

Foto: Marco Schmidt

Lange Zeit sah es so aus, als ob sich auf dem Petersberg nicht mehr rechtzeitig genug bewegen lässt, um ihn zur Buga in zweieinhalb Jahren als einen von drei Schwerpunkten neben dem Egapark und der Nördlichen Geraaue zu präsentieren.

Mit diesem Vorurteil wollte der dritte Dämmerschoppen des Vereins Freunde der Bundesgartenschau Erfurt 2021 am Mittwochabend im Haus Dacherö-den aufräumen. Und als Fazit sagte ein Besucher am Ende: „Ich bin sehr begeistert, was wir doch noch alles hinkriegen bis zur Buga.“

„Tja, immer denkt man, da passiert nichts, aber die Entwicklung geht sogar weit über 2021 hinaus“, kündigte Dieter Bauhaus als Vereinsvorsitzender an. Mit den Dingen, die dauerhaft für die Stadt und ihren Hausberg bleiben, startete Karina Bickel von der Buga-Stabsstelle der Stadt. Sie stellte die fünf größeren Maßnahmen vor. Das sind der Bastionskronenpfad, der Panoramaweg, der die Gemüter der Erfurter als „Zickzackweg“ beschäftigte, das Petersberg-Entrée, der Aufzug zum oberen Plateau als i-Tüpfelchen des Panoramaweges, weil er den barrierefreien Zugang zum oberen Plateau ermöglicht, sowie das obere Plateau selbst.

Bettina Franke von der Buga gGmbH erläuterte, wie weit die Pläne für die 178 Tage währende Bundesgartenschau gediehen sind. Unter anderem sprach sie über das Ausstellungskonzept für das obere Plateau – wie andere Details auch das Ergebnis eines Wettbewerbs. „Es werden Epochengärten angelegt als Beitrag der Außenstandorte“, erklärte sie. Als Schlagworte benannte sie den Barockgarten, den Garten der Renaissance und einen Landschaftsgarten. Nahe der Peterskirche engagieren sich ökumenisch das Bistum und die Evangelische Kirche Mitteldeutschland. „Eine interreligiöse Tafel, von der es noch keine genauen Vorstellungen gibt, soll die anderen Religionen abbilden.“ Der Zaun für den eintrittspflichtigen Bereich wird einen nicht zu kleinen Teil außen vor lassen – als Willkommensbereich. Im Festungsgraben soll sich der für Erfurt wichtige Erwerbsgartenbau präsentieren.

Mit visionärem Blick hat Martin Kranz, Intendant der Achava Festspiele, vor allem die Peterskirche unter die Lupe genommen. Zum Petersberg stellte er fest: „Welche Stadt hat schon so einen freien, bespielbaren Platz in ihrer Mitte.“

Auf Martin Kranz übt das Bauwerk, das dieses Jahr Hauptspielstätte der Achava Festspiele war, eine große Faszination aus. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten will 5 Millionen Euro in die Peterskirche stecken, und sie kann ein Ort der Begegnungen werden. Für eine grundlegende Restaurierung reicht die Summe nicht. Der Zwischenboden soll herausgenommen werden, um das Kirchenschiff sichtbar zu machen. Ausstellungen, Konzerte, andere Veranstaltungen und das Angebot als Andachtsort soll die Kirche beherbergen.

Daran knüpft die Idee an, die gleich mehrere Projekte anregt für die Zeit der Buga: „Ein Paradies für Erfurt“ zu schaffen. Vorräume für Kirchen wurden einst Paradies genannt. In Israel hat Martin Kranz einen hohen Olivenbaum aus Metall entdeckt, der von einer jüdischen Künstlerin und einem arabischen Künstler stammt. Die ungezählten Blätter aus Kupfer haben Bewohner der Stadt ausgeschnitten. „Die beiden Künstler wären einverstanden, mit einem Bruderbaum für Erfurt, und der könnte auch nach der Buga bleiben.“ Weil der Peterborn zu Zeiten der Benediktinermönche den Petersberg mit Wasser versorgte, könnte die noch strömende Quelle den Geist der Benediktiner ins „Paradies für Erfurt holen“. Das große Taufbecken sei im Angermuseum zu finden, meinte Martin Kranz, und könnte als Wasserschale zurückkehren auf den Petersberg. Auch ein Pilgerweg vom Aufgang über den Bastionskronenpfad bis zur Gedenkstätte in der Andreasstraße sei denkbar.

„Die Türme wird es nicht geben. Das sagt die Stiftung als Besitzerin und das sagen die Denkmalschützer“, erklärte er. Doch mit einer Lichtin­stallation auf dem Mauerwerk könnte vom Domplatz aus sichtbar im Dunkeln die ursprüngliche Kubatur der Kirche nachempfunden werden, die viel größer war.

Was realisierbar wäre, muss man sehen. Definitiv wird aber das Landesmuseum nicht rechtzeitig in die alte Defensionskaserne einziehen, hielt der Vereinsvorsitzende Dieter Bauhaus fest. Im Haushaltsentwurf des Landes für 2020 werde über 60 Millionen Euro diskutiert. Doch für die Buga-Zeit muss es eine Zwischennutzung geben. Im Erdgeschoss soll Gastronomie mit insgesamt rund 700 Plätzen, 400 davon im Außenbereich, entstehen, wenn es nach den wünschen der Buga gGmbH geht. Musterzimmer sind in dem großen Kasten mit den dicken Mauern eingerichtet und stimmen zuversichtlich, dass der Bau geeignet ist, berichtete Bettina Franke.

Wer sich über die Pläne für die Buga in Erfurt informieren will, findet ab Dienstag auch einen Anlaufpunkt auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt. In der „Blühwein-Bude“ auf dem Fischmarkt wird nicht nur Fahner Glühwein ausgeschenkt. Die Bugafreunde wollen in erster Linie Informationen zur Bundesgartenschau unter die Leute bringen, wie Dieter Bauhaus betonte.

www.bugafreunde-erfurt.de

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