Eisenach will Schadensersatz für schadstoffbelastete Schule

Eisenach  Das Architekturbüro hätte die Naphthalin-Altlasten erkennen können, sagt ein in Auftrag gegebenes gerichtliches Gutachten. Nun geht es darum, den schaden zu beziffern.

Während der Sanierung der mit Naphthalin belasteten Wartburgschule tauchten neue Schwierigkeiten auf. Im Obergeschoss löste sich seinerzeit die Deckenverkleidung. Mario Arndt, Bolko Schumann und Katja Wolf schauten sich vor Ort um. Archiv-

Während der Sanierung der mit Naphthalin belasteten Wartburgschule tauchten neue Schwierigkeiten auf. Im Obergeschoss löste sich seinerzeit die Deckenverkleidung. Mario Arndt, Bolko Schumann und Katja Wolf schauten sich vor Ort um. Archiv-

Foto: Birgit Schellbach

Die Stadt wird Schadensersatz für die Naphthalin-Sanierung der Wartburgschule vor einigen Jahren fordern.

Das bestätigte Bildungsdezernent Ingo Wachtmeister (SPD). Nach Ansicht der Stadt hätte das Architekturbüro, das die Komplettsanierung der Regelschule vier Jahre zuvor geplant hatte, die Altlasten erkennen können. Jetzt gehe es darum, den Schaden zu beziffern, um bis spätestens im Mai die Ansprüche geltend zu machen, so Stadtsprecherin Janina Walter. Über ein selbstständiges Beweisverfahren am Landgericht Meiningen, war ein unabhängiger Gutachter vom Gericht bestellt worden. Diese Verfahrensform, so die Stadtsprecherin, sei gewählt worden, um einen möglicherweise lange Jahre andauernden Prozess zu vermeiden. Das gerichtliche Gutachten liege nun vor, und stärke die Position der Stadt.

Naphthalin zählt zu den Kohlenwasserstoffen, die größtenteils als krebserzeugend eingestuft sind. Es wird sowohl in Teerkleber, Teerfarben als auch in Teerpappen sowie in wasserabweisenden Anstrichmitteln auf Teerbasis gefunden. Früher wurde es auch in handelsüblichen Mottenkugeln verwendet.

Im Mai 2014 wurden die erhöhten Richtwerte für Naphthalin an der Wartburgschule bekannt. Ein erster Klassenraum wurde gesperrt. Zwei Monate später erfolgten weitere Messungen. Danach hatte die Stadt entschieden, dass die Schüler umziehen müssen. Die Klassen 5 bis 9 zogen in die leer gezogene Grundschule am Petersberg. Die 10. Klasse wurde im Berufsschulzentrum unterrichtet.

Bis Februar 2016 wurde die Schule saniert. Insgesamt musste in 52 Räumen wegen der Schadstoffbelastung der Fußboden bis auf den Betonkern entfernt und neu verlegt werden. Auch die Tapeten, die Naphthalin aufgenommen hatten, wurden entfernt. Das Dach musste wegen einer weiteren Teerschicht saniert werden. Bei den Stemm-Arbeiten bröckelten im Obergeschoss letztlich noch die Decken, sodass auch diese noch neu gemacht werden mussten. Die Sanierungskosten lagen damals bei 1,3 Millionen Euro, wie Janina Walter berichtet.

„Wir sind mit dem Ergebnis des Gutachtens sehr zufrieden“, erklärte Ingo Wachtmeister. Der Gutachter habe die Tatsachen bestätigt, die man brauche, um nun Schadensersatz einzufordern. Gibt es keine Einigung mit dem Architekturbüro, wird ein Gericht über die Höhe entscheiden müssen.

Noch ein weiterer Naphthalin-Fall beschäftigt das Bildungsdezernat derzeit: In der Jakob­schule muss in den Winterferien ein Klassenraum nach Überschreitung des Innenraumrichtwertes neu saniert werden. Er war seit Oktober für den Unterricht gesperrt. Mit der Sanierung des Klassenraums sei wiederum wie bei der Wartburgschule das Büro Pöyry Deutschland GmbH beauftragt worden, hieß es gestern von der Stadt.