83 Kälteunempfindliche entfalten sich am Erfurter Nordstrand

Erfurt.  83 Kälteunempfindliche kommen zum traditionellen Anbaden am Neujahrstag an den Erfurter Nordstrand

Hauptsache was auf dem Kopf. Neujahrsbaden am Nordstrand.

Hauptsache was auf dem Kopf. Neujahrsbaden am Nordstrand.

Foto: Foto: Michael Keller

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Was treibt einen, bei strahlendem Sonnenschein im Freien in vier Grad kaltes Badewasser zu steigen? Klare Antwort: der Spaß und die Gesundheit. Getreu dieser Devise treffen sich am Neujahrstag abgehärtete Unentwegte am Erfurter Nordstrand, um das neue Jahr anzubaden.

83 waren es dieses Mal – neuer Teilnehmerrekord, seit beim Jahreswechsel 2000 auf 2001 ein gewisser Uwe Richter aus Jux und Tollerei auf die Idee kam, mit einem Kumpel aus Hessen, der zu Besuch war, zu Neujahr am Stotternheimer See ein Bad zu nehmen. „Erst mit Tauchanzug, dann noch einen zweiten Durchgang ohne. Es war zu warm“, erzählt Richter, seit vielen Jahren Schatzmeister der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im Erfurter Stadtverband. Über den Buschfunk – Twitter gab‘s da noch nicht – wurde dafür geworben. Und flugs wurde eine lieb gewonnene Tradition daraus. Die dann zum Nordstrand umzog, weil es in Stotternheim keine sanitären Anlagen gab.

Vor zehn Jahres konnte man hier noch Schlittschuh fahren

Am gestrigen Neujahrstag waren schon weit vor 15 Uhr Unmengen an Kiebitzen gekommen, um sich die „Verrückten, die bei dem Wetter im Freien baden wollen“, anzusehen und sich an Linsensuppe und Glühwein zu laben. Nach und nach trudelten dann auch die wahren Helden dieses Epos bei strahlendem Sonnenschein und zehn Grad Außentemperatur ein, sammelten sich im Bademantel am Eingang, unterschrieben die Erklärung, dass gesundheitlich mit ihnen alles okay sei, und los ging es. Dirk Oschmann aus Erfurt war der Erste. Er feierte als Badegast zu Neujahr Premiere am Nordstrand, konnte sich aber noch gut erinnern, dass er vor zehn Jahren mit seinen Kindern hier noch Schlittschuh auf der zugefrorenen Wasserfläche fahren konnte. Davon ist das Wetter aktuell weit entfernt. „Vielleicht bringt ja einer Eiswürfel mit“, frotzelte einer.

Der Jüngste war gerade mal vier Jahre alt

Nach und nach wurden es gestern immer mehr Enthusiasten, die ganz erpicht auf die erste Badeeinlage des noch jungen Jahres waren und sich in die Starterliste eintrugen. Der Jüngste der Unerschrockenen war übrigens gerade mal ganze vier Jahre alt. Ihm reichte es aber, die Fußspitzen ins kalte Wasser zu tauchen, während die Frau Mama auf‘s Ganze ging. Manch einer oder eine wagte sich nur ein paar Sekunden in die eiskalten Fluten, andere wieder konnten gar nicht genug bekommen, legten noch einen zweiten oder dritten Badegang ein. Begleitet von spitzen Schreien vor allem der Damen, die zum „Entfalten“ an das Naherholungsgewässer gekommen waren. Denn bei diesen Temperaturen spannt sich die Haut, die Durchblutung legt so richtig los und der Körper bekommt signalisiert, dass es ernst gemeint ist mit der Gesundheit im neuen Jahr.

15 Leute der DLRG überwachen den Badespaß

Natürlich alles abgesichert von 15 Leuten der DLRG, die darüber wachten, dass, wie in all den Jahren zuvor, nichts passieren wird, wie der DLRG-Vorsitzende Rainer Knauf verriet. Knauf, Professor für künstliche Intelligenz an der Uni in Ilmenau, ist Vorsitzender des Erfurter DLRG-Stadtverbandes. Auf der Suche nach einem geeigneten Schwimmtraining gegen die Rückenbeschwerden war er vor Jahren durch Zufall zur Erfurter DLRG gestoßen. Nun ist er deren Chef.

Schatzmeister Uwe Richter hätte es sicher gefreut, dass so viele Badefreaks und noch viel mehr Zuschauer zum alljährlichen Neujahrsspektakel gekommen waren. Aber ausnahmsweise war er diesmal nicht dabei. „Ich bin an der Ostsee zur Kur. Das ist aber kein Hinderungsgrund für mich, hier am Neujahrstag auch baden zu gehen. Sonst fängt das Jahr nicht so richtig gut an“, sagt er am Telefon.

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