Entsperren, losradeln, abstellen: Neues Vermietsystem für Fahrräder in Erfurt gestartet

Erfurt  Die Fachhochschule und nextbike bieten ab sofort 100 Räder an zehn Stationen an. Die ersten 60 Minuten sind für Studenten kostenfrei.

FH-Rektor Volker Zerbe (3.v.l.), Bastian Kettner (2.v.l.), Vertreter von nextbike und einige Studierende radelten am Montag für den Fotografen über den Campus der Fachhochschule. Sie weihten das öffentliche Fahrradvermietsystem ein. Zehn Räder stehen auf dem Campus, 90 an anderen Stationen.

Foto: Marco Schmidt

Ein langer steiniger Weg liegt hinter dem Studierendenrat der Fachhochschule Erfurt. Vor mehr als zwei Jahren war die Idee gereift, ein öffentliches Fahrradvermietsystem anzubieten. Doch auf Unterstützung seitens der Stadt, der Evag oder auch der Universität konnten die Initiatoren nicht hoffen.

Am Montag nun wurde der Wunsch Realität. Fortan sind 100 Leihfahrräder in Erfurt an zehn Stationen der nextbike GmbH verfügbar. Im Auftrag des Studierendenrates wird das Leipziger Unternehmen bis Ende September 2022 das System in der Landeshauptstadt betreiben, neue Verhandlungen schließen eine Verlängerung nicht aus.

„Ich bin stolz auf unsere Studierenden, weil sie das so durchgezogen haben“, sagte Volker Zerbe, der Rektor der Fachhochschule (FH). „Die Uni und die Stadt haben sich zurückgehalten, dabei bringt dieses System deutlich mehr Mobilität nach Erfurt. Ich hoffe, dass nun viele infiziert werden und danke allen Beteiligten.“

Vor allem Bastian Kettner und Vincent Keller sorgten mit ihrer Ausdauer für ein Zustandekommen des Projektes. Sie schlossen sich mit anderen Städten in Hessen zusammen, so dass der Vertrag im Verbund möglich wurde. Und sie überzeugten die hiesigen Studierenden von den Vorhaben. Deren Semesterbeitrag wurde leicht erhöht, das Fahrradvermietsystem wird von den Studierenden der Fachhochschule solidarisch über einen Semesterbeitragsanteil in Höhe von 1,50 Euro pro Kopf und Semester finanziert. Für die FH selbst entstanden keine Kosten.

Bastian Kettner nennt die Vorzüge: „Im Gegensatz zum klassischen Verleih kann das Rad an einer anderen Station wieder abgestellt werden, man ist sehr flexibel. Für die Studenten sind die ersten 60 Minuten jeder Fahrt kostenfrei, das gilt für bis zu drei Räder gleichzeitig pro Anmietung. Danach zahlen sie, so wie Nicht-Studierende ab der ersten Minute, einen Euro für 30 Minuten. Jahrestarife und andere Rabatte gibt es.

Das Prinzip ist logisch: Man meldet sich einmalig via App oder im Portal an, entsperrt mit seinem Smartphone das Schloss eines Rades und radelt los. Wer kein Smartphone besitzt, kann die Servicenummer anrufen, dann wird das Rad zentral entsperrt. Braucht man das Rad nicht mehr, stellt man es an einer der zehn Stationen wieder ab und schließt das Rahmenschloss. Jedes Rad hat eine 8-Gang-Schaltung, automatische LED-Lichter, einen höhenverstellbaren Sattel, Reifen mit Pannenschutz sowie einen Frontkorb.

Die 100 Räder sind bisher gleichmäßig verteilt, was sich durch die Nutzung aber sicherlich ändern wird. „Wenn wir merken, dass einige Stationen viel stärker frequentiert sind als andere, verschieben wir die Räder“, sagte Carlo Costabel, nextbike-Standortleiter Erfurt. Die Stationen sind keine baulichen Flächen, sprich es gibt keine Ständer, Beschilderung oder Markierung. Die Räder stehen frei auf sieben städtischen Flächen, unter anderem im Dalbergsweg, im Hirschgarten, in der Krämpferstraße, bei der Bildungsstätte in der Andreasstraße und im südlichen Teil des Hauptbahnhofes.

Hinzu kommen natürlich drei Stationen auf dem FH-Gelände in der Schlüterstraße, in der Altonaer Straße und in der Leipziger Straße. An der Station auf dem Campus Altonaer Straße befindet sich auch eine Fahrradpumpe, die von TeilAuto gesponsert wurde.

„Für die Stadt ist es eine große Chance. Die Studierenden schenken Erfurt ein Fahrradverleihsystem. Ich würde mir wünschen, dass die Stadt das Geschenk wohlwollend annimmt und ein paar Steine aus dem Weg räumt“, appelliert Carlo Costabel. „Wir sind zum Dialog mit der Verwaltung bereit, sehen uns nicht als Gegenspieler.“

Anmeldung im Fahrrad-vermietsystem unter www. nextbike.de und über die App. Die technischen Störungen auf der Webseite werden in diesen Tagen behoben. Kommentiert

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