Erfurter Bachstelze-Wirtin zieht nach Amtsärger Konsequenzen

Erfurt-Bischleben  Für die Bachstelze-Wirtin Maria Groß ist das Maß jetzt voll. Nach dem ihr Lokal auf einem Internet-Portal der Stadt Erfurt unter den Hygiene-Sündern gelistet wurde, tritt die Sterneköchin als Erfurt-Botschafterin zurück.

Maria Groß, Besitzerin des Bachstelzencafés in Erfurt-Bischleben, zieht sich als Botschafterin der Thüringer Landeshauptstadt zurück.

Foto: Casjen Carl

Seitdem Maria Groß mit dem Ausflugslokal „Bachstelze“ erfolgreich ist, bekomme sie zahlreiche Besuche vom Lebensmittelüberwachungsamt. Die in zahlreichen Koch-Shows dieser Republik als gern gesehener Gast auftretende Wirtin ist wütend wegen eines drohenden Image-Schadens , seit auf dem Internet-Portal der Stadt ihr Name auf einer Seite veröffentlicht wurde, die „Hygieneverstöße und Täuschungstatbestände beim Umgang mit Lebensmitteln“ anprangert.

„Hygienevorschriften sind keine Bagatelle“

„Es gab drei Kontrollen im Bachstelzen-Café. Auch im August wurden bereits Mängel festgestellt“, so Dr. Ulrich Kreis, Leiter des Erfurter Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes. Da es sich demnach um wiederholte Verstöße handele, sei die Voraussetzung gegeben, das Lokal öffentlich zu nennen. Was ja nur im Interesse der Verbraucher sei. Ein Bußgeld wegen der Verstöße, sei laut Kreis inzwischen nach dem Bußgeldkatalog berechnet und werde über 350 Euro liegen.

Auf die Nachfrage, dass ja per Protokoll vom 4. Dezember bestätigt sei, dass alle Mängel abgestellt wurden, verwies Ulrich Kreis auf den Verfahrensweg. Die Verstöße seinen damit nicht verworfen. Er verglich es mit einem Autofahrer, der bei Rot gefahren sei. Der werde auch zahlen müssen, obwohl er nun sonst immer bei Grün fahre. Ob eine Anzeige zu den Kontrollen in der „Bachstelze“ geführt hätte, dazu wollte sich der Amtsleiter aus Datenschutzgründen nicht äußern. „Aber Verstöße gegen die Hygienevorschriften sind keine Bagatelle“, so Ulrich Kreis . Auch die konkreten Vorwürfe, die hinter „lebensmittelrechtlichen Hygienemängeln“ stecken, wollte Kreis nicht nennen.

Hollywood in Erfurt

In einer Pressemitteilung , die unserer Zeitung vorliegt, bezieht Maria Groß nun persönlich Stellung zu den Vorwürfen und verkündet darin als erste Konsequenz ihren Rücktritt als Erfurt-Botschafterin. In der Mitteilung gibt die geborene Thüringerin als Gründe für ihren Rücktritt unter anderem ihr verlorenes Vertrauen in die Wirksamkeit rechtsstaatlicher Prozesse an. Für sie sei es nicht mehr möglich, die Stadt Erfurt authentisch und mit Stolz in der Öffentlichkeit zu vertreten. Zudem gebe es schon seit geraumer Zeit Diskrepanzen mit einer Verantwortlichen des Botschafter-Projektes und dem Hauptgeschäftsführer eines Gastronomie-Verbandes.

Mit diesem Post auf Facebook zeigt das Groß-Team seinen Zusammenhalt. Zahlreiche Follower der Seite bekunden ihre Solidarität.

Maria Groß betont in dem Schreibe, dass ihr Erfurt sehr am Herzen liegt. Sie arbeite bereits mit mehreren Leuten an einer eigenen Initiative, welche die Zukunft der Gastroszene sowie die Nachwuchsförderung in der Stadt überegional bekannter machen soll.

Betrieb der Bachstelze für Laufkundschaft wird eingestellt

Darüber hinaus habe sich Maria Groß dazu entschlossen, das traditionelle Ausflugsgeschäft, heißt Laufkundschaft und Biergarten, endgültig einzustellen. Als Grund nennt sie die unzähligen Auflagen und nicht erfüllbaren Forderungen seitens der Lebensmittelüberwachung, welche es ihr nicht mehr ermöglichen, die Bachstelze kostendeckend zu führen. Am meisten bedauere sie, im kommenden Jahr einen Festangestellten sowie drei Aushilfen entlassen zu müssen.

Zukünftig werde sich ihr Team auf das Restaurantgeschäft (Bachstelzenmenü, Kochkurse und Gastkochevents) konzentrieren.

Das meinen unsere Facebook-User

Auf Facebook erreichte der Artikel innerhalb 30 Minuten über 5000 Personen. Die Wirtin kommt dabei nicht gut weg. Sven Ranglack schreibt: „Sie sollte sich viel lieber mal bei ihren Gästen für die Mängel entschuldigen. Was heult sie hier eigentlich rum. Die Mängel waren da, räumt sie selber ja ein. Also wird es mal langsam Zeit sich bei ihren Gästen zu entschuldigen. Und zu der Veröffentlichung, als Sachen über ihre Mitbewerber veröffentlicht wurden hat sie sicher nicht so rum geheult. Also gute Frau, wo bleibt ihre Entschuldigung?“

Jaqueline Wagner kritisiert den Umgang mit den Gästen in der Bachstelze: „Das glaube ich nicht, das die Frau Groß es für nötig hält, sich bei ihren Gästen zu entschuldigen.... Wenn man auf ihrer Seite liest, wie sie mit ihren Gästen umgeht, ist das für mich Niveau- und respektlos...... Schade um dieses schöne Ausflugslokal.... Aber endlich hat sie einen Grund gefunden, diese Bude für die ‚Laufkunden‘ zu schließen... Die wollte sie ja eh nicht haben.... Deshalb ist nichts so schlecht - das es für irgendwas wieder gut ist!“

Eckhard Monninger meint mit einem ironischen Unterton: „Wir werden nicht etwa vor Glassplitter in Lebensmittel oder vor Gammelfleisch gewarnt (wie die Väter des entsprechenden Gesetzes es planten). Nein viel dramatischer: Ein Wasserhahn mit Infrarotsensor fehlt, Fehler in der Kennzeichnung auf der Speisekarte, eine Gemüsekiste steht auf die Ablage der Spüle ..!!! Warum wird der Laden nicht sofort geschlossen anstatt ihn zu denunzieren? Die besagten Lebensmittel mit Glassplitter werden doch auch gleich aus dem Verkehr gezogen...“

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