Erfurter Käse-Knirpse nehmen Abschied von ihrer Kita

Erfurt. Die Stadt schließt die „Villa Drei-Käse-Hoch“, weil sie das Haus verkaufen will. Die Gruppen werden auseinandergerissen. Versprechen wurden gebrochen.

Kinder der Kita „Villa Drei-Käse-Hoch“ lassen zum Abschiedsfest an der Espachstraße gelbe Luftballons in den Himmel steigen. Foto: Holger Wetzel

Kinder der Kita „Villa Drei-Käse-Hoch“ lassen zum Abschiedsfest an der Espachstraße gelbe Luftballons in den Himmel steigen. Foto: Holger Wetzel

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Knallgelbe Luftballons ließen die Knirpse der „Villa Drei-Käse-Hoch“ zum Sommerfest am Freitag in den Himmel über der Espachstraße steigen. An ihnen hingen die Erinnerungen der Kinder, Eltern und Erzieher an die gemeinsame Zeit.

Für die Hälfte der rund 50 Kinder beginnt nun die Schule. Die andere Hälfte und das achtköpfige Personal werden auseinandergerissen. Die Kita wird am 31. Juli dicht gemacht, weil die Stadt das Gebäude verkauft.

„Wir wollen heute nicht von Abschied sprechen“, sagte die Kita-Leiterin Grit Riedel. „Wir wollen die Zeit feiern, die wir gemeinsam hatten.“ Das Personal wird vom Träger Thepra übernommen. Nicht alle Erzieherinnen kennen aber schon ihre nächste Arbeitsstätte.

Während der „Chaos-Clown“ die Kinder im Garten unterhielt, hatten die Eltern Mühe, ihre Traurigkeit gegenüber den Töchtern und Söhnen zu verbergen. „Wir haben zwei Jahre für den Erhalt gekämpft“, sagte Petra Kraus vom Elternbeirat. „Der Kampf war richtig, und unsere Argumente waren richtig. Aber jetzt lösen wir uns auf.“

Die Schließung war heftig umkämpft. Die Stadt begründete das Aus mit dem mangelnden Brandschutz und den hohen Summen, die eine Ertüchtigung kosten würde. Die Eltern zogen ihrerseits Fachleute heran und kamen auf deutlich niedrigere Summen. Sie betonten zudem immer wieder, dass sämtliche Erfurter Kitas überfüllt sind.

Der Streit um den Brandschutz war nicht die einzige Niederlage für die Eltern. Erst hatte die Stadt die Öffnung bis 2018 versprochen. Dann hieß es, die Kinder könnten gemeinsam in die benachbarte „Rasselbande“ wechseln. Doch hat dort nicht einmal jede Gruppe einen eigenen Gruppenraum. Nur ein Teil der Käse-Knirpse kommt unter.

„Es hat sich nichts von dem ergeben, was uns der Jugendhilfeausschuss versprochen hat“, sagte Petra Kraus. „Es interessiert auch niemanden mehr.“

Die Eltern schenkten den Erzieherinnen Fotobücher und Käsekettchen zur Erinnerung. Die Leiterin Grit Riedel würdigte das „Vertrauen, das Engagement und die Verbundenheit“ der Eltern. „Das gibt es nur in einer kleinen Kita“, sagte sie.

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