Erfurter Mittelalter-Weihnachtsmarkt am Hirschgarten wird geprüft

Erfurt  Über 33.000 Marktbesucher und alle Kulturpolitiker sind für den Erhalt. Dezernent Knoblich sieht rechtliche Bedenken

In den vergangenen drei Jahren fand der mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf der Marienwiese am Domberg statt.

In den vergangenen drei Jahren fand der mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf der Marienwiese am Domberg statt.

Foto: Marco Schmidt

Die Stadtverwaltung prüft, ob es auch in diesem Jahr einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Erfurt geben kann. Wie der Kulturdezernent Tobias Knoblich (parteilos) versichert, erfülle die Verwaltung einen entsprechenden Auftrag des Kulturausschusses. Er sieht vor zu prüfen, ob der Hirschgarten, gegebenenfalls auch andere Standorte, für den speziellen Markt genutzt werden kann.

„Wir wollen helfen und zeigen, dass die Verwaltung nicht dazu da ist, Sachen zu verhindern“, sagt Knoblich. Vor allem wegen rechtlicher Bedenken sei er bislang jedoch skeptisch.

Der privat organisierte mittelalterliche Markt besteht seit über 15 Jahren und hat sich bei den Weihnachtsmarktbesuchern als beliebter Bestandteil des alljährlichen Adventsgeschehens etabliert. Nach Jahren auf dem Wenigemarkt konnten sich die Betreiber bei einer Ausschreibung nicht durchsetzen und wechselten vor drei Jahren an den Domberg.

Unter anderem mit dem Verweis auf Anwohnerbeschwerden will das Domkapitel die zuletzt genutzte Marienwiese aber nicht mehr für den Weihnachtsmarkt öffnen. Die Sorge, den Mittelalter-Markt ganz zu verlieren, ließ im Vorjahr innerhalb von zwei Wochen über 33.000 Besucher für den Erhalt des Marktes unterschreiben.

Die Mitglieder des bisherigen Kulturausschusses setzen sich einmütig für eine Fortsetzung ein. „Wenn sich Leute engagieren und etwas für die Stadt machen wollen, ist das die beste Form von Bürgerbeteiligung“, sagt der bisherige Kulturausschuss-Vorsitzende Wolfgang Beese (SPD). Die vielen privaten Märkte werteten den Weihnachtsmarkt auf, ohne dem städtischen Markt etwas wegzunehmen. Er traue den Betreibern des Mittelalter-Marktes die Durchführung am Hirschgarten zu, ohne dort irgendeinen Schaden anzurichten, meint Beese.

„Die Erfurter wollen das“, betont auch der CDU-Kulturpolitiker und neue Fraktionschef Michael Hose. Er sei von der im Ausschuss vorgeschlagenen Lösung überzeugt, dass der Markt in diesem Jahr über eine Sondernutzung genehmigt und ab 2020 ausgeschrieben werden kann. Die städtische Weihnachtsmarkt-Konzeption stehe nicht dagegen: Sie schließe zusätzliche Marktflächen nicht aus.

Auf den zusätzlichen Vorteil für die Stadtentwicklung verweist der Linke-Fraktionschef Matthias Bärwolff. Die weihnachtliche Nutzung des Hirschgartens belebe zugleich die Lange Brücke und den westlichen Anger. Der angestrebte Besucher-Rundlauf durch die Innenstadt über Anger, Lange Brücke, Domplatz und Fischmarkt werde so zumindest zur Adventszeit schon einmal Realität. Auch die Händler am West-Anger würden die Pläne unterstützen.

In der womöglich notwendigen Anpassung des Weihnachtsmarkt-Konzeptes sieht Dezernent Knoblich das kleinere Problem. „Schwerer wiegt die Auffassung, dass der Plan mit der Sondernutzung nicht funktioniert, weil es auch andere Interessenten für den Hirschgarten gibt“, sagt er. Der Gleichbehandlungsgrundsatz müsse gewahrt bleiben, auch wenn die Sondernutzung nur für ein Jahr gewährt werden würde.

„Wenn wir es über eine einfache Sondernutzung hinkriegen, ist das kein Problem“, sagt Knoblich. „Aber rechtssicher muss es sein.“ Dies werde aktuell vom Rechtsamt geprüft. Zudem würden das Bürgeramt sowie das Umweltamt weitere Aspekte eines Weihnachtsmarktes am Hirschgarten untersuchen.

Rechtlich unbedenklich wäre es, den Hirschgarten wie schon den Wenigemarkt auszuschreiben. In diesem Jahr reiche dazu die Zeit aber nicht aus, meint Knoblich. Zumindest mit der aktuellen Personalausstattung sehe er auch für 2020 keine Möglichkeit, eine Ausschreibung für den Hirschgarten durchzuführen, sagt der Dezernent.

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