Erste geweihte Unterwasserkirche Deutschlands steht in Nordhausen

Nordhausen. Am Sundhäuser See in Nordthüringen ist am Samstag die vermutlich erste Unterwasserkirche Deutschlands geweiht worden. Ab Donnerstag soll das komplett über Wasser gebaute Gotteshaus 12 Meter tief im Sundhäuser See versenkt werden.

Die erste Unterwasserkirche in Deutschland wurde am 10. August in Nordhausen eingeweiht. Foto: Renate Rusche

Die erste Unterwasserkirche in Deutschland wurde am 10. August in Nordhausen eingeweiht. Foto: Renate Rusche

Foto: zgt

Etwas aufgeregt war Dr. Wolfgang Tröger, der Inhaber des Tauchsportzentrums Nordhausen, am vergangenen Samstagvormittag schon.

Zwar lagen die arbeitsreichen und anstrengenden Wochen, in denen die erste Unterwasserkirche Deutschlands auf dem Tauchsportgelände vorerst über Wasser gefertigt wurde, hinter ihm. Doch die feierliche Weihe durch den aus Erfurt angereisten Pfarrer Bernd Stege in Anwesenheit zahlreicher Gäste war noch mal eine ganz andere Nummer.

Und da stand ja auch noch der Tag der offenen Tür mit Führungen, kostenlosem Schnuppertauchen, Verpflegung, Preisrätsel und, und, und an. Niemand sollte an diesem Tag die Tauchsportbasis verlassen, ohne ausführlich über deren Möglichkeiten informiert worden zu sein.

Alles sollte klappen. Und das tat es dann auch.

Zwar roch es etwas streng über der Stadt am Samstagvormittag und die Erbsensuppe war schneller alle als gedacht, aber die Sonne hielt die Wolken zurück, die Gäste strömten herbei und der Pfarrer sowie das Bläserquintett Eichsfeld waren pünktlich um 11 Uhr zur Stelle.

Staatssekretärin Inge Klaan aus dem Thüringer Bauministerium lobte denn auch Wolfgang Tröger und sein Team für die "tolle Geschäftsidee", die bereits heute mit der Tauchbasis sowie der Unterwasserstadt Nordhusia weit über Thüringen hinaus wirke. Und sicher weitere Investoren anziehe. Ein interessantes Vorhaben Seelano sei ja bereits auch schon zumindest auf Papier gebracht.

Ohne Kirchweihe wären Eheschließungen ungültig

Die feierliche Weihe der Kirche ging reibungslos über die Bühne, nachdem Wolfgang Tröger per Glocke zum Gottesdienst gebeten hatte. Die Weihe ist Voraussetzung dafür, dass schon in naher Zukunft Ehen unter Wasser geschlossen werden können, die auch auf der Erde ihre Gültigkeit haben.

Das außergewöhnliche Bauwerk der Kirche wird bereits in der kommenden Woche wieder in seine Einzelteile zerlegt. Und anschließend mit einem 180 Tonnen-Kran in 12 Metern Tiefe im Sundhäuser See versenkt, wo es auf der Grundplatte 100 Quadratmetern, die sich bereits auf dem Grund des Sees befindet, wieder zusammengesetzt wird. Das wird nochmal ein Kraftakt werden, ist sich Wolfgang Tröger sicher, der in seinem früheren Leben Laborleiter im Sondershäuser Krankenhaus gewesen ist.

Die Kirche selbst, die die künstliche Unterwasserstadt Nordhusia weiter komplettieren soll, hat eine Giebelhöhe von sechs Metern.

"Bundesweit gibt es für unser Vorhaben bisher nichts Vergleichbares, das habe ich recherchiert" sagte Dr. Wolfgang Tröger in seiner Eröffnungsrede zur feierlichen Kirchweihe.

Die Konstruktion auf einer Fläche von zehn mal zehn Metern und mit sechs Meter hohen Giebeln ist einer Kirchenruine nachempfunden. In dem nach oben offenen Raum erinnern ein Kruzifix, ein Altar, Skulpturen aus unbehandeltem Eichenholz, Wandschmuck und Sitzbänke an einen kirchlichen Innenraum.

Ferner gehört zu der Unterwasserkirche eine Glocke aus purem Messing. Weil eine Kirchenglocke viel zu teuer gewesen wäre, griff Wolfgang Tröger hierfür auf eine Schiffsglocke aus purem Messing zurück.

20 000 Euro betragen die reinen Materialkosten

Trotz vieler Eigenleistungen und der Freundschaftspreise von der Schnitzerfamilie Krüger aus Garnbach und Hobbykünstlerin Sabine Barth aus Urbach steckte der Tauchsportchef über 20 000 Euro in das Vorhaben Unterwasserkirche.

Die ersten Segmente für die Unterwasserstadt "Nordhusia" wurden im Oktober vor zwei Jahren versenkt. Seither entstanden in dem See unter anderem zwei Fachwerkhäuser, eine nachgebildete Stadtmauer mit Turm und ein Friedhof mit Grabsteinen.

Der Sundhäuser See in einer früheren Kiesgrube ist bereits heute mit jährlich rund 10 000 Besuchern für Tauchsportler aus ganz Deutschland "eine der ersten Adressen" , berichtete Wolfgang Tröger. Die Unterwasserstadt aus umweltverträglichen Materialien soll bis 2016 komplett sein und die Attraktivität des bis zu 30 Meter tiefen Sees weiter erhöhen. Zudem sei in "Nordhusia" ein Biotop mit Fischen, Krebsen, Muscheln und Schwämmen geplant.

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