Existenzbedrohliche Lage: Hilferuf von Thüringer Freizeitunternehmen

Erfurt.  Geschäftsführer von Thüringer Freizeitbetrieben haben sich mit einem Offenen Brief an die Staatskanzlei gewandt. Sie fordern dringend Hilfe vom Freistaat.

Farbig illuminiertes Gebäude des Themenparks "Imaginata" in Jena.

Farbig illuminiertes Gebäude des Themenparks "Imaginata" in Jena.

Foto: Jan-Peter Kasper / TLZ

67 Geschäftsführer von Thüringer Freizeitbetrieben haben sich in einem dringenden Hilferuf an die Staatskanzlei gewandt. „Viele von uns stecken in existenzbedrohlicher Lage. Es ist ungewiss, wie lange wir durchhalten können“, heißt es im Offenen Brief von Sportclubs, Kletterparks, Bowlingcenter, Yogaschulen, Saunaeinrichtungen und Fitnessstudios. Auch die Imaginata Jena und das Bratwurstmuseum sind dabei. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Von den derzeitigen Einschränkungen sei die Freizeit- und Kreativbranche mit am härtesten betroffen. „Von heute auf morgen wurden alle von uns dar- und angebotenen Freizeitaktivitäten und Dienstleistungen ausnahmslos eingestellt und alle Betriebsstätten mit Publikumsverkehr zum Wohle der Allgemeinheit zwangsgeschlossen. Es fließen keinerlei Einnahmen mehr. 100%iger Umsatzrückgang bei vielen von uns. Wir sorgen uns um unseren Wirtschaftszweig im Allgemeinen und sehen sofortigen und nachhaltigen Handlungsbedarf“, so die Unterzeichner.

Rund 800 Arbeitsplätze in Gefahr

2019 hätten die in der Initiative zusammengeschlossenen Unternehmen zusammen fast 3 Millionen Besucher gezählt. Durch die Totalschließungen seien jetzt die rund 800 Arbeitsplätze, viele davon Minijobber oder studentische Aushilfen, in Gefahr, sagte Mitinitiator Jan Quilitzsch. Man brauche die Mitarbeiter, könne sie aber nicht über Monate ohne jegliche Einnahmen aus Betriebsmitteln oder aus eigener Tasche finanzieren. Bisher falle man aber durch alle Unterstützungsraster, Hilfskredite blieben Kleinst- und Kleinunternehmen verwehrt.

„Kurzmietengeld“ und tilgungsfreie Subventionen vorgeschlagen

Um überleben und zum Beispiel hohe Flächenmieten zahlen zu können, schlagen die Unterzeichner ein „Kurzmietengeld“ mit staatlicher Beteiligung sowie tilgungsfreie Subventionen vor. „Kredite verschieben das Problem nur, lösen es aber nicht. Wir werden ganz ohne eigenes Verschulden monetär hochverschuldet aus dieser Krise hervorgehen. Die Tilgung wird uns über Jahre belasten und Investitionen in die Zukunft unmöglich machen – wenn wir überhaupt überleben. Als mittelständische Unternehmen, die über Jahre wirtschaftlich gehaushaltet haben, fühlen wir uns im Stich gelassen“, so die Geschäftsführer der Unternehmen.

Nach Hamburg ist Thüringen das erste Flächenbundesland, in dem sich die sonst eher in Konkurrenz zueinander stehende Freizeitbranche nun in einer solchen Initiative gemeinsam Gehör verschafft.