Experten: Tiere bei der Arbeit sind gut fürs Betriebsklima

Erfurt/Berlin  Gerade der „beste Freund des Menschen“ bringe viele Vorteile sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. In Thüringen hält der Trend eher langsam Einzug.

Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt von Haustieren auf den Menschen.

Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt von Haustieren auf den Menschen.

Foto: Jens Kalaene/dpa

Der Dackel unter dem Schreibtisch, die Katze neben dem Laptop - Tiere am Arbeitsplatz hatten vor einigen Jahren noch Seltenheitswert. Mittlerweile haben aber viele Chefs und Mitarbeiter in Unternehmen den Vorteil etwa eines „Bürohundes“ erkannt. „Die Anfragen von Einzelpersonen, Betriebsräten und Personalabteilungen haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht“, sagte Markus Beyer vom Bundesverband Bürohund der Deutschen Presse-Agentur.

Gerade der „beste Freund des Menschen“ bringe viele Vorteile sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Allerdings seien klare Absprachen und Regeln nötig. In Thüringen hält der Trend indes erst langsam Einzug.

In den Thüringer Landesbehörden gibt es trotz eines Körbchens für Jack-Russell-Terrier „Attila“, den Hund von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), in der Erfurter Staatskanzlei bislang keine grundlegende Erlaubnis für die Mitnahme von Haustieren. „Jede Behörde entscheidet das für sich - aber es herrscht große Sympathie für das Thema“, sagte Katrin Bäßler von der Staatskanzlei. So werde etwa im Sozialministerium jeder Fall individuell geregelt.

„Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt von Haustieren auf den Menschen“, erläuterte Rüdiger Trimpop, Lehrstuhlinhaber für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beim Umgang und besonders dem Streicheln von Tieren werde im menschlichen Körper das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet, das sich unter anderem positiv auf Blutdruck und den Herzrhythmus auswirke.

„Das klappt bei jedem und trägt aktiv zur Gesundheitsförderung bei“, stellte der Professor fest. Auch an Trimpops Lehrstuhl ist die Mitnahme von Hunden daher möglich. Wichtig seien aber eine klare Kommunikation im Vorfeld und klare Regelungen.

Aus Sicht von Verbandschef Beyer können Hunde am Arbeitsplatz für eine geringe Krankenquote, ein deutlich besseres Betriebsklima und sogar einen Wettbewerbsvorteil sorgen. „Die Mitarbeiter haben mit einem Tier ein gemeinsames Thema - das fördert die Kommunikation im Betrieb.“ Zudem spielten „Zusatzangebote“ bei der Suche nach neuen Mitarbeitern - besonders im kreativen Bereich - eine immer größere Rolle.

„Mit einem Obstkorb oder einem Tischkicker beeindruckt man heute niemanden mehr. Da spielt die Möglichkeit, einen Hund mitzubringen, für viele eine deutlich größere Rolle“, meinte Beyer. Wichtigste Voraussetzung sei allerdings, dass alle Beteiligten in einem Boot säßen und niemand übergangen werde.

„Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass Arbeitnehmer keinen Anspruch auf die Mitnahme von Tieren an den Arbeitsplatz haben“, betonte Ute Zacharias vom Verband der Wirtschaft Thüringen (VWT). Zwar könnten Tiere durchaus einen positiven Effekt auf die Mitarbeiter haben, das gehe aber nur, wenn alle Beteiligten einverstanden seien. Die drei Thüringer Industrie- und Handelskammern äußerten sich nicht zu dem Thema.

Laut Beyer befürchten viele Vorgesetzte einen Kontrollverlust, wenn Tiere am Arbeitsplatz erlaubt werden. „Heute einen Hund, morgen einen Zoo - das ist eine der häufigsten Bedenken, die wir von Chefs hören“, erklärte der Experte. Mit klaren Absprachen, an die sich alle halten müssen und Mitnahmegenehmigungen für jeden Einzelfall lasse sich das vermeiden. Selbst, wenn Mitarbeiter Hundeallergien oder -phobien hätten, ließen sich Regelungen finden - solange Bedenken ernst genommen würden. Arbeitspsychologe Trimpop: „Letztlich konnten wir eine unserer Mitarbeiterinnen sogar von ihrer Hundephobie heilen - sie hält inzwischen selbst einen.“

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