Friederike legt eine Panzerfaust frei

Landkreis  Umgestürzte Lkw und Bäume sowie teilweise abgedeckte Dächer dominieren. Aufräumarbeiten dauern im Einzelfall noch an. Zwei leicht Verletzte bei Lkw-Unfall

Eine Halle der Agrargenossenschaft Großrudestedt e.G. fiel dem Sturmtief Friederike in Kleinrudestedt zum Opfer. Sie brach unter der starken Last des Windes zusammen.

Eine Halle der Agrargenossenschaft Großrudestedt e.G. fiel dem Sturmtief Friederike in Kleinrudestedt zum Opfer. Sie brach unter der starken Last des Windes zusammen.

Foto: Jens König

Während Feuerwehr und Polizei am Donnerstagnachmittag zunächst alle Hände voll zu tun hatten, um durch Sturmtief Friederike entstandene Unfall- und Schadensstellen zu sichern, war gestern der Tag der großen Bestandsaufnahme. Laut Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises Sömmerda wurden die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises zu über 79 Einsätzen alarmiert, um Schäden durch das Unwetter zu beseitigen.

Einsätze fuhren die Freiwilligen Feuerwehren von Alperstedt, Bachra, Beichlingen, Buttstädt, Dielsdorf, Eßleben, Elxleben, Frömmstedt, Gangloffsömmern, Gebesee, Griefstedt, Großrudestedt, Großmonra, Großneuhausen, Guthmannshausen, Hardisleben, Kannawurf, Kindelbrück, Kleinneu-hausen, Kölleda, Markvippach, Ostramondra, Olbersleben, Ollendorf, Rastenberg, Riethnordhausen, Ringleben, Schloßvippach, Sömmerda, Straußfurt, Teutleben, Vogelsberg, Waltersdorf, Weißensee und Witterda.

Meldungen über nennenswerte Personenschäden habe es nicht gegeben. Eine konkrete Schadenshöhe könne noch nicht beziffert werden.

Kurios und gefährlich: Die Polizei erhielt gestern gegen 9.20 Uhr Kenntnis darüber, dass unter einem umgestürzten Baum im Johannestor in Kölleda ein munitionsähnlicher Gegenstand gefunden wurde. Der Gefahrenbereich wurde bis zum Eintreffen des Kampfmittelräumdienstes und bis zum Abtransport bis 12 Uhr abgesperrt. Das Fundstück, eine Panzerfaust, wurde von der Spezialfirma sicher geborgen und abtransportiert. In der Umgebung fand sich keine weitere Munition.

Allein in der Kreisstadt gingen unzählige Schadensmeldungen ein. Auf dem Sömmerdaer Friedhof stürzten sieben Bäume um: sechs Fichten und eine Kiefer. Zwei Fichten landeten auf einem Grabfeld, die fünf anderen Bäume auf Gräbern. Die Kiefer beschädigte das Dach einer benachbarten Eisdiele sowie ein Grab. Vier weitere sturmgeschädigte Bäume müssen notgefällt werden.

Auf dem Friedhof in Schallenburg brach eine Fichte, im Sömmerdaer Stadtpark eine Kastanie. Am Petriplatz fiel ein städtischer Baum auf eine Scheune, in der Goethestraße entwurzelte es zwei Fichten, wobei ein Auto beschädigt wurde. Im Kindergarten Leubingen wurde der Zaun durch einen umgestürzten Baum beschädigt. Vom Verwaltungsgebäude in der Poststraße fiel eine Ziegel herunter. Zwei Abdeckbleche flogen am Kindergarten „Mischka“ weg, was einem Schaden auf etwa sechs laufenden Metern entspricht.

500 Euro beträgt der Schaden an einer Straßenlampe an der Ecke Goethestraße/Schillerstraße. Die Aufsatzleuchte muss ausgetauscht werden.

Die gesamte Beleuchtung fiel in der Straße zum Sportplatz in Frohndorf aus. Ein stürzender Baum riss eine Freileitung und zwei Holzmasten herunter. Zur Instandsetzung werden vier Stahlmasten im Gehweg vor den Grundstücken neu gesetzt und ein neues Kabel zwischen den Masten als Freileitung verlegt. Kosten: etwa 4000 Euro.

Bürgermeister Ralf Hauboldt (Linke) nahm die Schadenmeldungen gestern Morgen aus dem Ordnungsamt entgegen. Ihm ist es wichtig, sich noch einmal bei den Feuerwehren aus Sömmerda und den Ortsteilen zu bedanken. „Sie haben einen hervorragenden Job gemacht“, so Hauboldt. Wie wichtig und auch wie lebensgefährlich solche Einsätze sind, zeige der tragische Unfall mit einem getöteten Feuerwehrmann in Bad Salzungen. Man könne die Arbeit der Feuerwehrleute nicht hoch genug wertschätzen. Des Kameraden gedachten auch die Kölledaer Feuerwehrleute in einem sozialen Netzwerk – unmittelbar nach ihren Einsätzen.

Einen Verkehrsunfall mit zwei verletzten Personen gilt es vom Sturmtag nachzutragen. Gegen 14.30 Uhr hatte am Donnerstag ein Lkw die Ortsverbindungsstraße (K525) zwischen Eßleben und Teutleben in Richtung Teutleben befahren. Auf Höhe der ICE-Brücke war der Wind so stark, dass der Laster ins Schwanken geriet, auf die Fahrerseite kippte und in liegender Position gegen die Leitplanke geschoben wurde. Diese wurde dadurch beschädigt.

Der Fahrer des Lkw sowie auch sein Beifahrer wurden leicht verletzt in das Sömmerdaer DRK-Krankenhaus gebracht. Der Lkw konnte erst am Freitag geborgen werden. Es kam zu Verkehrsbehinderungen.

Kurz nach 9 Uhr rückte gestern Morgen das Einsatzfahrzeug samt Hänger des professionellen Bergungsdienstes wieder ab. Vom Unfall kündeten da nur noch die Spuren auf der Brücke, wo ausgelaufene Betriebsmittel abgebunden worden waren.

Fast zeitgleich (14.20 Uhr) war am Donnerstag in Sömmerdas Uhlandstraße ein Baum auf ein Fahrzeug gestürzt. Die Straße musste komplett gesperrt werden. Die unmittelbare Beseitigung war aufgrund des Sturmes zu gefährlich und somit zunächst nicht möglich.

In Rastenberg ist ebenfalls gegen 14.30 Uhr eine Telekomleitung umgeknickt. Die Gefahrenbeseitigung erfolgte durch die Feuerwehr.

In Kölleda wurde ein Pkw durch einen umgestürzten Baum beschädigt. Das passierte gegen 14.35 Uhr .

Auf der B4, rund 200 Meter vor dem Andislebener Kreuz, stürzte gegen 15.10 Uhr ein Baum auf die Fahrbahn.

In Weißensee deckte der Wind im Bereich des Schreberplatzes gegen 15.25 Uhr mehrere Blechdächer ab.

Die Ortsverbindungsstraße zwischen Rastenberg und Lossa musste gegen 16.30 Uhr voll gesperrt werden, da mehrere Bäume auf die Fahrbahn gefallen waren und somit ein Gefahrenbereich entstanden war.

Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Bäume umfallen. Die Sicherung des Bereichs konnte aktuell nur durch Absperrunngen erfolgen.

Gegen Abend war die Passage eingeengt möglich, am Freitagmorgen das Gröbste frei- und zurückgeschnitten.

In Olbersleben drohte gegen 16.45 Uhr ein Verkehrszeichen auf die Fahrbahn zu fallen. Es handelte sich um einen größeren Vorwegweiser. Die Gefahrenstelle wurde abgesichert.

Sömmerdas Pfarrerin Juliane Baumann sichtete gestern Vormittag Schäden an Kirchen der Regionalgemeinde. An der Petrikirche wurden durch den Orkan drei Nadelbäume entwurzelt. Einer fiel über die Pfarrmauer, beschädigte sie und zwei davor stehende Autos glücklicherweise nicht. „Schlimmer sieht es an den Dächern der Kirchen in Stödten, Schallenburg und Tunzenhausen aus, letztere müssen wir wahrscheinlich notsichern“, ist die Pfarrerin betroffen.

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