Frustration ist deutlich spürbar

Udestedt  Zum Hoffest der Agrargenossenschaft Udestedt wird wieder mit der Landwirtschaftspolitik im Freistaat abgerechnet

Braune und gefleckte Qualität aus Thüringen

Braune und gefleckte Qualität aus Thüringen

Foto: Hartmut Schwarz

Die Landwirtschaftspolitik des Freistaates ist nicht die, mit der die Landwirte leben können – und wollen. Dies wurde gestern wieder offensichtlich, als zum alljährlichen Hoffest der Agrargenossenschaft Udestedt eingeladen wurde. Klar und deutlich wurde dem Ministerium von einigen Rednern mangelndes Fachwissen vorgeworfen. Eine Beurteilung, die aus den Vorgaben und Gesetzen resultiert, denen sich die Landwirtschaft unterzuordnen habe. Und dazu gehört nicht nur die ungeliebte Gülleverordnung, die für zusätzliche (nach Meinung der Landwirte unnötige) Belastungen und Investitionen sorgt, es sind auch die Blühstreifen-Vorgaben für die Flächennutzung, der Rückgang der Subventionen, die bürokratischen Hürden für Dürre-Hilfen, ... „widrige Umstände“, war dabei noch eine höfliche Bezeichnung, für die von der Politik verschuldeten Situation für die Landwirtschaft.

Philipp Liesegang, der Vorsitzende der Udestedter Agrargenossenschaft, beklagt, dass von der Politik dafür gesorgt wurde, dass sich die Anbauflächen verkleinern und es dazu noch weniger Geld gibt. Gerade jetzt, wo alles verfügbare Futter gebraucht werde, wo wegen der Hitze in der Vegetationszeit die Erträge enorm schrumpfen. Dazu untersagt die Gülleverordnung das Düngen. Blühstreifen sorgen für Verlust von Land, für das trotzdem Pacht gezahlt werden muss, und für Unkraut am Feldrand.

Dazu kommt, dass sich die Erwartungen im Vorjahr nicht erfüllt haben, dass mehr für das Kilo Fleisch bezahlt wird, wenn weniger im Angebot ist. Im Gegenteil – pro Kilo Rindfleisch ist der Preis um 20 Cent gesunken. Noch mehr Verluste.

In diesem Jahr habe man wegen des Futtermangels bereits 200 Rinder weniger im Stall. Derzeit sind es 1138 Bullen und 350 Kühe. Für die das Futter, Raps, Mais und Gerste auf den 1050 Hektar Ackerfläche der Genossenschaft selbst angebaut wird. Eigentlich in Dimensionen, mit denen Vorräte für das kommende Jahr angelegt werden können.

Der Hitze-Sommer 2018 verhinderte dies. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung in der Genossenschaft, seit 1993, wurden durchschnittlich 538 Liter Niederschlag im Jahr pro Quadratmeter gemessen. 2018 waren es nur 329 Liter – im wichtigsten Monat, im Juni, nur fünf Liter. In diesem Jahr sind es bisher 153 Liter pro Quadratmeter. Ein halbes Jahr ging bereits ins Land. Wieder trocken, wieder kursiert die Angst bei den Landwirten, weitere Einbußen einstecken zu müssen.

Auch Landrat Harald Henning (CDU) zeichnet bei der derzeitigen Politik ein düsteres Bild für die Landwirtschaft in Freistaat. Geht es so weiter, sei Thüringen in 50 Jahren ein großer Freizeitpark, werden die Lebensmittel in den Nachbarländern eingekauft. Noch sei der Landkreis Sömmerda ein von der Landwirtschaft geprägter Kreis – mit der Landwirtschaft als größtem Arbeitgeber. Der Straßenbau, (Autobahn), ICE, Windräder, Solaranlagen und der Naturschutz hätten die Anbauflächen im Sömmerdaer Land bereits sichtbar reduziert. Er werde weiter dafür kämpfen, dass dieser Trend gestoppt wird – und setzt dabei auf die Unterstützung der Eckstedterin Rita Schmidtke – und auf Marion Walsmann, die einzige Thüringerin im Europäischen Parlament.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenigstens Petrus hatte gestern ein bisschen Einsicht und schickte ein paar Tropfen Regen nach Udestedt.

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