„Fürstenhof“: Vor der geplanten Sicherung Streit um die Betretung des Grundstücks

Eisenach  Stadt und Besitzer geben sich gegenseitig Verantwortung für Verzögerung. Besitzer weist Vorwürfe zurück, er habe den Verfall zugelassen

Der "Fürstenhof" an der Luisenstraße. Ein Teil (die zwei Gebäudeteile links) kann abgerissen werden, die Elemente, die den Anblick von der Wartburgallee her prägen, sollen auch mit öffentlichen Mitteln erhalten werden. Foto: Klaus Wuggazer

Der "Fürstenhof" an der Luisenstraße. Ein Teil (die zwei Gebäudeteile links) kann abgerissen werden, die Elemente, die den Anblick von der Wartburgallee her prägen, sollen auch mit öffentlichen Mitteln erhalten werden. Foto: Klaus Wuggazer

Foto: zgt

Wie und wann dürfen Planungsbüros auf das Gelände des "Fürstenhofs", um sich ein Bild vom Zustand des Gebäudeensembles zu machen und ein Angebot für ein Sicherungskonzept abzugeben? Vor allem darum dreht sich zur Zeit die Auseinandersetzung zwischen der Stadt und dem Besitzer.

Die Bauverwaltung hat Thomas Cannon eine Betretungsvollmacht vorgelegt. Sie entspricht laut Bürgermeister Uwe Möller (parteilos) dem Standard in solchen Fällen, in denen Privatbesitzer öffentliche Mittel zur Sicherung erhaltenswerter Bauten bekommen. Inhalt: Stadt-Mitarbeiter und deren Beauftragte dürfen für das Sicherungskonzept von Juni bis Dezember uneingeschränkt auf das Grundstück. Der Besitzer solle der Stadt dazu Schlüssel übergeben. Er werde über jede Betretung vorher informiert.

Für Besitzer Thomas Cannon ist es völlig unnötig, der Stadt eine so umfassende Vollmacht für ein halbes Jahr zu geben, sagte er. Er habe der Verwaltung angeboten, dass mögliche Gutachter gesammelt nacheinander am Wochenende in seinem Beisein oder zu einem Staffel-Termin unter der Woche das Grundstück betreten dürfen.

Das wiederum hält die Stadt für nicht praktikabel, denn mehrere Büros müssten unabhängig voneinander auf das Grundstück, hieß es aus dem Baudezernat. Kommt es zu keiner Einigung, wird sich die Sicherung der zu erhaltenden Gebäudeteile, die im Frühjahr 2017 beginnen sollte, weiter hinauszögern – mit unklaren Folgen für die weiter verfallende Bausubstanz.

Thomas Cannon weist Aussagen der Stadt zurück, dass er sich jahrelang nicht ausreichend um die Sicherung des Ensembles gekümmert habe: Als er den Fürstenhof 2005 übernahm, habe schon überall Verfall geherrscht. Bereits 2000 sei festgestellt worden, dass eine Sanierung unwirtschaftlich sei, 2004 sei dann auch der Denkmalschutz aufgehoben worden.

Bei der Zwangsversteigerung, bei der er das Areal erwarb, habe die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet. Nun habe er "nach fast vier Jahren Planung, mühevoller Diskussion mit der Stadtplanung und Kosten von 75 000 Euro nur für eine Bauvoranfrage" die Vorab-Genehmigung für etwa 60 Wohnungen und die erforderlichen Abrisse.

Die Sicherung der Teile, die erhalten werden sollen, sei dagegen zunächst Sache der Stadt. Die müsse die Planung voranbringen und Fördermittel einwerben. Doch eben dafür muss die Erlaubnis zur Betretung des Grundstücks geklärt sein.

Cannon beteuert, den Komplex soweit wie möglich erhalten zu wollen. Warum sonst habe er dafür so viel Zeit und Geld aufgewendet? Aber die Stadt müsse mit den Sicherungsmitteln das ihre tun. Ansonsten sei ein Abriss wirtschaftlich kaum zu vermeiden. Cannons Botschaft an die Eisenacher: "Seien Sie sicher, wir werden trotz aller Widrigkeiten und Inkompetenzen mit großer Leidenschaft und Engagement eine deutliche Aufwertung des Stadtbildes an prominenter Stelle in Eisenach ... realisieren und einen bleibenden Erinnerungswert schaffen ."

Er möchte nach den genehmigten Teil-Abrissen zudem mit dem Bau zweier Stadt-Villen beginnen, auch um die Sanierung mit dem Erlös aus dem Verkauf der neuen Wohnungen finanzieren zu können: "Die Finanzierung steht", so Cannon. Doch die Stadt will für Neubauten erst grünes Licht geben, wenn Abrisse und Sicherung geklärt sind und auch die Sanierung der gesicherten Teile folge.

Gibt es keine Einigung zwischen Stadt und Besitzer, könnte der Gebäudekomplex am Ende doch noch ein Totalverlust werden. Die Verantwortung dafür schieben sich Stadtverwaltung und Besitzer gegenseitig zu. "Der Besitzer eines solchen Gebäudes hat Pflichten. Dabei wollen wir ihn unterstützen, aber die Zeit läuft gegen den Erhalt", sagte Bürgermeister Möller. Die Stadt sei Cannon immer wieder entgegengekommen. "Wir versuchen es im Guten", beteuert Möller, "aber die Suche nach Kompromissen ist mühsam."

Zur Not könne ja die Stadt "dieses faszinierende Quartier für 2,5 Millionen Euro erwerben", so Thomas Cannon, der der Verwaltung vorwirft, "intransparent und widersprüchlich" zu arbeiten.