Funkmast wird zwischen Kitas am Hugo-Preuß-Platz in Erfurt gebaut

Erfurt. Vodafone hält an dem Vorhaben fest. Eltern und Anwohner sind enttäuscht. Ein Aufklärungsgespräch soll Unklarheiten beseitigen.

Doreen Ruse, Elternsprecherin in der Moritz-Kindertagesstätte, zeigt die Unterschriftenlisten, die im Protest gegen den Mast von Eltern ausgefüllt wurden. Foto: Anja Derowski

Doreen Ruse, Elternsprecherin in der Moritz-Kindertagesstätte, zeigt die Unterschriftenlisten, die im Protest gegen den Mast von Eltern ausgefüllt wurden. Foto: Anja Derowski

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Die Hoffnung von Anwohnern und Eltern der Kinder aus der evangelischen Moritz-Kita, der Funkmast werde nicht am Hugo-Preuß-Platz gebaut, hat sich zerschlagen. Offiziell hat der Brief des Telefondienstleisters Vodafone sie zwar noch nicht erreicht, allerdings erhielt die Stadtverwaltung in den vergangenen Tagen eine Antwort auf ihr Schreiben von Anfang Mai. Darin hatte die Stadt Vodafone gebeten, den Standort für den geplanten Sendemast noch einmal zu überdenken, da sich unter anderem drei Kindergärten in der nahen Umgebung befinden.

Doch Vodafone hält am Vorhaben fest. "Wir können den Standort nicht überdenken", sagt ein Vodafone-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. "Wir hatten vorab einige andere Standorte geprüft, aber wir können keinen anderen nutzen."

Dies habe man auch der Stadtverwaltung mitgeteilt, verbunden mit einem Gesprächsangebot. "Wir könnten uns noch mal mit Stadtvertretern, Eltern und der Kitaleitung treffen und das Bauvorhaben erläutern", schlägt der Sprecher vor.

Stadtsprecherin Inga Hettstedt bestätigt dies. "Es ist richtig, dass sich Vodafone bereit erklärt hat, in einem Gespräch auf das Vorhaben und offene Fragen einzugehen", sagt sie. Die Terminabsprache solle nun direkt mit der Kindergartenleitung erfolgen.

Für Sabine Panse, sie leitet die Moritzkindertagesstätte, die sich in direkter Nachbarschaft zum geplanten Standort befindet, ist dies nur ein geringer Trost. Sie hatte die Eltern bei ihrer Unterschriftenaktion gegen den Standort unterstützt.

"Natürlich werden wir uns einlassen auf das Gesprächsangebot, vor allem die Eltern sehen einen großen Aufklärungsbedarf", sagt Sabine Panse. Dem kann Doreen Ruse nur zustimmen. Sie ist die Elternsprecherin der Einrichtung, hatte auch die Unterschriftensammlung angeregt. "Viele Mütter und Väter sind verunsichert", sagt sie. "Sie fragen sich, warum der Mast gerade hier gebaut werden muss." Sie selbst sei auch enttäuscht über die finale Entscheidung von Vodafone, "das ist für mich nicht nachvollziehbar".

Claudia Beinecke hat ebenfalls eine Tochter im Moritz-Kindergarten. "Diese gesamte Unwissenheit grundsätzlich über Funkmasten und deren Strahlung und eine eventuelle Gefahr macht das Ganze schwierig. Mir fehlt die Aufklärung, wie viel kriegen wir ab", fasst sie ihre Meinung und wohl die vieler Eltern zusammen. Natürlich sei man in einem Zwiespalt, schließlich nutzten die meisten ein Handy und wünschten sich eine gute Netzabdeckung - aber eben nicht den Funkmast vor der eigenen Tür.

Für das wiedergewählte Stadtratsmitglied Peter Stampf von den Freien Wählern ist nicht nachvollziehbar, warum das Unternehmen Vodafone an diesem Standort festhält. Zudem nimmt er weiterhin Oberbürgermeister Andreas Bausewein in die Verantwortung. "Er hatte es in den Händen, Nein zu sagen", ist Peter Stampf überzeugt. "Es wurde nicht vom Widerspruchsrecht nach der Entscheidung vom Landesverwaltungsamt Gebrauch gemacht", klagt er an.

Keine Statistik über Funkmasten in Erfurt

Der Protest von Eltern und Anwohnern sei leider zu spät gekommen, was allerdings nicht an ebenjenen lag. "Viele wussten bis Ende Februar nichts von einer Baugenehmigung", sagt das Stadtratsmitglied. Er könne nur empfehlen, der Stadtverwaltung fortan auf die Finger zu schauen und Obacht zu geben, wenn es wieder um solche Entscheidungen gehe.

Der Standort am Hugo-Preuß-Platz ist nicht der einzige, der im Interesse von Telefondienstleistern steht.

Die Verwaltung allerdings hat keinen Überblick, wie viele Funkmasten es überhaupt in Erfurt gibt. Zudem, "eine gesonderte Statistik für die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen für derartige Masten liegt nicht vor", sagt Inga Hettstedt. Nach bisherigen Erfahrungen dürfte die Anzahl jedoch unter 5 pro Jahr liegen, meint sie.

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