Funkwerkmuseum Kölleda droht das Aus

Kölleda. Jochen Kunze räumt das Funkwerkmuseum aus. Am Donnerstag war er mit zwei Helfern und einem Transporter da und packte ein, was ihm gehört. "Hier, die Töpfe und der Tischventilator, die wurden nach 1945 auf der Kiebitzhöhe aus ehemaligen Flugzeugteilen hergestellt.

Geschäftsmann und Museumsgründer Jochen Kunze (links) steht mit Frank Bechstedt, einem Mitarbeiter der Firma Logatec (die zur Kunze-Holding gehört), in einem Ausstellungsraum in der oberen Etage des Funkwerkmuseums. Foto: Ina Renke

Geschäftsmann und Museumsgründer Jochen Kunze (links) steht mit Frank Bechstedt, einem Mitarbeiter der Firma Logatec (die zur Kunze-Holding gehört), in einem Ausstellungsraum in der oberen Etage des Funkwerkmuseums. Foto: Ina Renke

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Der Einkreisrundempfänger und die Lampe waren ebenfalls erste Produkte des Neutro-Werkes." Man könnte sagen: Alles alter Kram. Aber solche Erzeugnisse waren nach dem Krieg überaus begehrt.

Die Euphorie war am Anfang richtig groß

Es sind nicht die ältesten Objekte, die Jochen Kunze und seine Frau Christel um das Jahr 2000 mit Sammlerleidenschaft und ziemlich viel privatem Geld zusammengetragen haben. Ihr Ziel hieß damals: "Ein Museum muss her". Die Voraussetzungen waren in der leerstehenden ehemaligen Berufsschule optimal, wenn man mal vom großen Aufwand der Sanierung und Umgestaltung absieht. Kunzes, Lehrausbilder und erfolgreiche Geschäftsleute, wussten Landrat und Bürgermeister an ihrer Seite, den Kultur- und Museumsverein, aber auch zahlreiche interessierte Bürger. Nicht zu vergessen: Beim Museumskonzept half der Freund und Professor Alfred Kirpal von der Uni Ilmenau, das Arbeitsamt, das Architektenehepaar Winter.

Eine arbeitsreiche Zeit und ein tolles Hochgefühl. "In Sömmerda stritt man sich damals noch um das Historisch-Technische Museum, wir weihten unseres am 3. Oktober 2000 mit 600 Gästen zum Tag der Wiedervereinigung ein", erinnert Jochen Kunze, während er sich in den Räumen umschaut, die einst so begeistert eröffnet wurden.

Bis 31. Dezember 2014 eine Frist gesetzt

Im Erdgeschoss ist auf der einen Seite der Seniorentreff eingezogen, auf der anderen ein Büro der Verwaltungsgemeinschaft. "Das sind hier fast alles meine Möbel, aber gefragt hat mich keiner", sagt Jochen Kunze, der eigentlich lieber mit seinem Mitstreiter Frank Bechstedt durch die Ausstellung streifen und fachsimpeln würde.

Frank Zweimann, Kölledas Bürgermeister a. D., sagt dazu: "Es ist schon ärgerlich. Wir haben nie einen Vertrag abgeschlossen. Als der Seniorentreff einzog, dachten wir, es wäre vorübergehend. Es ist dabei geblieben, obwohl es andere Möglichkeiten gäbe. Immerhin hat Kölleda über 1000 Senioren".

Im Laufe der Zeit hat es mehrere Gespräche zum Funkwerkmuseum gegeben, bei denen das Engagement rund um die Einrichtung unstrittig war, aber sich aus Sicht des Ehepaars Kunze keine klare Lösung abzeichnet.

"Ich habe mit vier Stadträten darüber gesprochen und habe stets eine ablehnende Haltung verspürt. Das ging sogar so weit, dass nun unterstellt wird, dass dieses Museum nichts mit dem Funkwerk zu tun hat", berichtet Jochen Kunze und fügt hinzu: "Wir hatten ursprünglich ein Technikmuseum im Sinn, sind dann aber dem Vorschlag des Kultur- und Museumsvereins gefolgt. Michael Beck hatte für Funkwerkmuseum plädiert".

Jochen Kunze ärgert, dass ihn Stadträte jetzt wissen lassen, dass der Inhalt der Ausstellung viel weiter gefasst ist. Dank seiner Sammelfreude und der zahlreichen Schenkungen ist es längst eine Ausstellung zur Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnik - von der 100 Jahre alten Mignon-Schreibmaschine bis hin zu neueren Produkten aus dem Gewerbegebiet Kiebitzhöhe.

Bürgermeister Udo Hoffmann will sich der Probleme annehmen. Das hat er mit Termin 31. Dezember 2014 den Kunzes schriftlich zugesagt. Es könnte da aber schon zu spät sein.