Gewalt an Minderjährigen nimmt zu - 500 Kinder und Jugendliche missbraucht

Erfurt  Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Thüringen Opfer von Gewalt, sexuellem Missbrauch oder Pornografie wurden, ist 2018 angestiegen. 500 Thüringer Kinder und Jugendliche wurden sexuell missbraucht, 300 wurden Opfer von Pornografie.

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Thüringen nimmt zu. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Thüringen nimmt zu. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Foto: Patrick Pleul/dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik, die die Deutsche Kinderhilfe, das Bundeskriminalamt und der unabhängige Beauftragte des Bundes für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs gemeinsam vorstellten, wurden 500 Thüringer Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. In 18 Fällen kam es zu Übergriffen auf Schutzbefohlene. 300 Kinder und Jugendliche wurden Opfer von Pornografie. Bundesweit waren 2018 mehr als 14.600 Kinder von sexueller Gewalt betroffen, das seien 40 Fälle pro Tag, von denen man Kenntnis erhalten habe, hieß es. Herstellung, Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials stiegen auf fast 7500 Fälle, ein Jahr zuvor waren es knapp 6500 Meldungen.

136 Kinder kamen gewaltsam zu Tode. Fast 80 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. In 98 Fällen blieb es beim Tötungsversuch. Bei den Zahlen zu Misshandlungen ist bundesweit nur ein leichter Rückgang von 4247 auf 4180 betroffene Kinder zu verzeichnen.

Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, forderte eine konsequenteres Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Minderjährige: „Die Ermittlungsmöglichkeiten müssen weiter geschärft werden. Die IP-Adresse führt zum Täter, weshalb wir in Deutschland dringend eine EU-rechtskonforme Vorratsdatenspeicherung brauchen. Alle Landesregierungen müssen Landesmissbrauchsbeauftragte einrichten, ressortübergreifende Bestands- und Defizitanalysen zum Kinderschutz durchführen und konkrete Maßnahmen vereinbaren“, so Röhrig.

Kathinka Beckmann, Pädagogik-Professorin an der Hochschule Koblenz, bemängelte Defizite bei Personal und Qualifizierung in der Kinder und Jugendhilfe. „Wer in der Jugendhilfe spart, begeht institutionelle Kindeswohlgefährdung“, sagte Beckmann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.