Giftige Schlacke beim Umbau einer alten Kaserne in Eisenach entdeckt

Eisenach  „Es ist eine hohe Arsen-Belastung festgestellt worden“, bestätigt SWG-Geschäftsführer Wilhelm G. Wagner. Das Gift fanden Experten in einer Schüttung aus Hochofenschlacke. Im Herbst sollte die künftige Unterkunft an der Stregdaer Allee bezogen werden.

Mit Krantechnik wurden 20 alte Schornsteine vom Dach des größeren Kasernengebäudes abgetragen. Ein Zwischenbau soll das viertstöckige Gebäude mit dem kleineren Haus links daneben verbinden. Foto: Norman Meißner

Mit Krantechnik wurden 20 alte Schornsteine vom Dach des größeren Kasernengebäudes abgetragen. Ein Zwischenbau soll das viertstöckige Gebäude mit dem kleineren Haus links daneben verbinden. Foto: Norman Meißner

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Ursprünglich sollten die ersten Bewohner bereits im Spätherbst in die neue Gemeinschaftsunterkunft an der Stregdaer Allee im Norden Eisenachs einziehen. Die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG) beabsichtigt, in den zwei früheren Kasernengebäuden zwischen Stregdaer Allee, Feuerwache und Heinrich-Heine-Straße 35 Kleinwohnungen und Gemeinschaftsräume zu schaffen.

Doch die Entdeckung erheblicher Mengen an giftigen Schwermetallen lässt den Zeitplan ins Wanken geraten.

"Es ist eine hohe Arsen-Belastung festgestellt worden", bestätigt SWG-Geschäftsführer Wilhelm G. Wagner. Das Gift fanden Experten nach entsprechenden Laboranalysen in einer Schüttung aus Hochofenschlacke. Sie befand sich in mehreren Bereichen der Gebäude unter Bodenbrettern. Die Schüttung samt Dielen ist vermutlich nach dem Weltkrieg zum Schutz vor Fußkälte auf den Fliesenboden aufgebracht worden. Wohnraummangel zwang damals dazu, die militärisch genutzten Objekte umzubauen.

"Die ersten Proben waren katastrophal - hochgerechnet wären rund 100 Kilogramm Arsen zusammengekommen", erzählt Wagner. Weitere Untersuchungen relativierten die ersten Proben. "Jetzt gehen wir noch von etwa 20 Kilogramm Arsen aus", fährt der SWG-Geschäftsführer fort. Etwa 300 Milligramm Arsen stecke in jedem Kilogramm der Schüttung.

60 Kubikmeter müssen nun abgesaugt werden

Die Aufklärung zur korrekten Entsorgung habe viel Zeit gekostet. "In solchen Dingen ist bei uns keine Routine vorhanden", erklärt der SWG-Chef.

Die Fachleute entdeckten letztlich rund 60 Kubikmeter. Kein Arbeiter müsse das Gift in Schubkarren schaufeln oder zusammenkehren, versichert der SWG-Geschäftsführer. "Die Schüttung wird mit entsprechender Saug- und Filtertechnik abgesaugt", informiert er. Dem giftigen Fund sei trotz der zwei bis drei monatigen Verzögerung eine positive Seite abzugewinnen - das Arsen ist glasartig in der Hochofenschlacke gebunden. "Es ist nicht wasserlöslich und damit deponierbar."

Größtenteils entstehen Zwei-Raum-Wohnungen mit etwas mehr als 50 Quadratmeter Wohnfläche. Auch einige Ein-, Drei- sowie Vier-Raum-Wohnungen mit etwa 70 Quadratmeter seien vorgesehen. "Wir werden dort keinen Luxus bauen", betont Wagner. Der Planer habe flexibel gedacht und Weitsicht bewiesen: Einige Wohnungsgrundrisse und Raumstrukturen seien sogar im Nachhinein mit wenigen Handgriffen abzuändern. Bisher fanden nur Entkernungsarbeiten statt. "In drei, vier Wochen können die Dachdecker und Zimmerleute endlich loslegen", sagt Bauleiter Ralf Schmeißer.

Neubau muss nun entgegen erster Planungen massiver ausfallen

Etwa 20 Schornsteine seien bereits mit Maschinenkraft heheruntergenommen worden. Ein größerer Schornstein am Gebäude mit der markanten Fassaden-Uhr muss von Hand abgetragen werden. "Ein Zwischenbau wird beide Gebäude L-förmig verbinden", sagt Wilhelm G. Wagner. Dieser Bau besitzt eine Fluchttreppe für den zweiten Rettungsweg.

Ein im Verbindungsbau integrierter Fahrstuhlturm soll sämtliche Ebenen behindertengerecht zugänglich machen. Der Neubau muss nun zu den ersten Planungen massiver ausfallen, wie der Statiker berechnete. Der verbindende Neubau werde so errichtet, dass im Bedarfsfall an diesen weitere Wohnungen angebaut werden können.

Die Planer konzipierten die Wohnanlage so, dass sie auch für Betreutes Wohnen genutzt werden kann. "Es wird nichts gebaut, was hinterher eingerissen werden müsste - es passt für Flüchtlinge wie zum Seniorenwohnen", sagt Wagner.

So werden beispielsweise die Duschen bodeneben ausgeführt. Alle Wohnungen eignen sich laut SWG auch für Wohngemeinschaften. Gemeinschaftsräume sind in dem kleineren Haus mit der Fassaden-Uhr geplant. Darin gibt es ein überhohes Geschoss mit einem sehr großen Raum, der sich auch für Unterrichtszwecke eigne.

255 Asylbewerber kamen seit Januar in die Stadt

"Fünf Jahre steht der Stadt Eisenach der Gebäudekomplex kostenfrei zur Verfügung", fährt Wagner fort.

Auf eine schnelle Sanierung, die das Bauprojekt verteuern würde, wird nicht gedrungen, da die Zahl neu zugewiesener Flüchtlinge stark rückläufig ist. "Seit Januar wurden Eisenach 255 Asylbewerber zugewiesen", sagt eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Wagner rechnet mit einer Fertigstellung nicht vor Ende des ersten Quartals 2017.