Glasmuseum richtet Wildererzimmer ein

Gehlberg  Erste Vorarbeiten im ehemaligen Herrenhaus in Gehlberg laufen. Weitreichende Pläne zur Gestaltung eines Thüringer Museumsparkes

Im Glasmuseum in Gehlberg ist das Wildererzimmer fast fertig. Hier schaut sich Marion Müller, die als neues Vereinsmitglied seit Jahresanfang im Museum mithilft, einen ausgestopften Auerhahn genauer an.Foto: Hans-Peter Stadermann

Im Glasmuseum in Gehlberg ist das Wildererzimmer fast fertig. Hier schaut sich Marion Müller, die als neues Vereinsmitglied seit Jahresanfang im Museum mithilft, einen ausgestopften Auerhahn genauer an.Foto: Hans-Peter Stadermann

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Das Bettzeug ist bereits bezogen, die antiquarisch anmutende Wärmflasche lugt unter der Decke hervor. An den Wänden Jagdtrophäen, darunter ein blankgeschrubbter Tisch, Stühle, ein altes Sofa. Es sieht aus, als wäre der Bewohner nur mal kurz ausgegangen.

Das Wildererzimmer im Herrenhaus in Gehlberg ist fast fertig eingerichtet, während in den beiden Nebenräumen noch fleißig gewerkelt wird.

Wie die Menschen einst im Thüringer Wald lebten

Hier soll demnächst wieder eine Ausstellung zur Wilderei öffnen, mit alten und auch neuen Leihgaben und zusätzlichen Ausstellungsstücken. "Wir haben neue Partner gefunden und auch aus den Nachbargemeinden viel Sympathie erfahren nach dem Weggang von Andreas Ziebell", sagt Martina Schulz, Vorsitzende des Vereins Gehlberger Glastradition, der das Glasmuseum in Gehlberg betreibt.

Ziebell hatte im Vorjahr seine Exponate nach Schmiedefeld verkauft (unsere Zeitung berichtete). Doch die Erinnerung an die Wilderei in und um Gehlberg gehört einfach ins Konzept für einen vielseitigen Thüringer Museumspark, der in Gehlberg entstehen soll. Herzstück ist das Glasmuseum samt der liebevoll eingerichteten Heimatstube, die aus mehr als einer Stube besteht. Es gibt Einblicke in das Leben und die Arbeit früherer Generationen. Viele Menschen im Thüringer Wald waren so arm, dass sie ohne Wilderei, auf die hohe Strafen standen, wohl nicht überleben konnten.

In der neuen Wildererausstellung – die sich künftig zweisprachig präsentieren wird – haben einige Freiwillige in Eigenleistung mit wichtigen Vorarbeiten begonnen. Für die weitere Gestaltung wurden außerdem Fördermittel beantragt, auf deren Bewilligung der Verein hofft.

Neben einem Eingangsbereich mit allgemeinen Informationen und der Nachgestaltung des Wildererzimmers, für die es unter anderem Schützenhilfe aus dem Frosthaus Willrode gibt, geht es in einem separaten Raum um die "wilden Wilderer" wie Wolf, Luchs, Fuchs und Dachs, aber auch um Bussard und Rotmilan. Des Weiteren soll die Vielfalt der Fallen gezeigt werden, mit denen der Mensch einst Vögeln oder Eichhörnchen auflauerte. Darunter sind interessante historische Stücke.

In bisher noch ungenutzte Räume im ersten Stock soll ein Wettermuseum einziehen, das sich mit Wetterphänomenen ebenso beschäftigt wie mit Flora und Fauna als Wetteranzeiger. "Hiermit können wir erst anfangen, wenn wir Fördermittel erhalten", erklärt Martina Schulz. Sie hofft auf Unterstützung aus dem Leader-Programm für den ländlichen Raum.

Ebenfalls in Planung ist eine Mineralienausstellung in Kooperation mit Familie Brandt aus dem Holtzhaus in Holzhausen. Außerdem könnte das privat betriebene Postmuseum im Ort mit in den Museumspark einbezogen werden und dafür sorgen, das hier vielfältige Interessen bedient werden.

Im Jahr besuche derzeit nach Angaben von Martina Schulz etwa 3000 Gäste das Glasmuseum, das 1993 eröffnet wurde.

Neue Winter-Öffnungszeiten des Glasmuseums: Mittwoch bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Ab Mai verlängern sich diese bis 17 Uhr.

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