Grenzen zwischen den Theater-Sparten zerfließen

Erfurt  Ulrike Quade inszeniert mit ihrer Company „The Fairy Queen – Ein Sommernachtstraum“ und setzt dabei auf magische Momente

„The Fairy Queen – Ein Sommernachtstraum“ ist eine Koproduktion von Theater Erfurt, Theater Waidspeicher, Tanztheater Erfurt und der Ulrike Quade Company aus den Niederlanden. Premiere ist am Samstag, 18. Mai.

Foto: Lutz Edelhoff

Die Übergänge sind fließend: Puppenspieler singen, Tänzer bewegen Puppen, Sänger sprechen und tanzen. Ulrike Quade lässt mit ihrer Inszenierung von „The Fairy Queen – Ein Sommernachtstraum“ die Sparten nicht nur nebeneinander auf der Bühne agieren, sondern alle Grenzen verschwinden. Wenn sich alles mischt, sind dies für sie genau die Momente, in denen etwas Magisches geschieht auf der Bühne.

Mit einem 6-köpfigen Team ist Ulrike Quade in Erfurt — und ganz ruhig in ihrer Regie, auch wenn auf der Bühne gerade das Chaos zu herrschen scheint. Hier Sänger, dort Tänzer, die Puppenspieler am Boden liegend, behält sie doch den Überblick zwischen Amazonen, Elfen, Kaninchen und unglücklich Verliebten. „Ich versuche immer den Inhalt mit der Form zu verschmelzen, die eine mit der anderen Disziplin“, erklärt sie. Das setzt ein großes Vertrauen ins Team und die darstellerischen Qualitäten aller Beteiligten voraus. „Aber auch eine Offenheit, sich einzulassen auf eine Suche nach dem, was man auf der Bühne machen möchte“, sagt sie. „Vertrauen müssen und Spaß haben am Unbekannten – das ist das Gebiet, auf dem ich am liebsten arbeite.“ Und alles in der Gewissheit: „Aus dem Chaos wird etwas Schönes entstehen!“

Seit 20 Jahren lebt Ulrike Quade in den Niederlanden, sie hat in Japan Puppenspiel studiert. Die menschengroßen Puppen der Fairy Queen sind aus Japan, von einem Meister des Bunraku-Puppenbaus konstruiert. Und zwar so, dass ihre grazil-fließenden Bewegungen auch noch aus der letzten Reihe des Theaters gut zu erkennen sind. Ulrike Quade hat noch etwas gemixt: Sie hat sich bei Shakespeares Stücken bedient, wie der es einst bei „Romeo und Julia“ tat und ein ironisches Zitat in Person von Pyramus und Thisbe in den Sommernachtstraum einfügte. Ihre Handwerker sind Totengräber wie im „Hamlet“, die bei ihrer Arbeit Skelette finden, die sie als Puppen spielen.

Erzählen will Ulrike Quade die ganze verrückte Geschichte aus Perspektive der Frau, schließlich sei das Thema Hochzeit als ursprüngliches Thema bei Shakespeare und Purcell heute doch ein überholtes. Gefeiert wird dennoch viel – „aber die Freiheit des Individuums“, kündigt die Regisseurin an. An Witz und Geist soll ihre Inszenierung keinesfalls einbüßen, aber durch diesen Kunstgriff eine existenzialistische Note und an Poesie hinzugewinnen.

Premiere am Samstag, 18. Mai, 19.30 Uhr

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