Größter Bayern-Fanclub Thüringens kommt aus Heiligenstadt

Heiligenstadt  Unter dem Motto „Unterwegs für München“ steht der im Jahr 2009 in Heiligenstadt gegründete Fanclub vor allem für Gemeinschaft.

Ronny Hauschild und Dominik Göbel fahren mit ihrem Fanclub regelmäßig nach München, um ihren Verein anzufeuern. Gemeinsam mit befreundeten Fanclubs wie dem aus Hüpstedt waren sie vor zwei Wochen beim 6:0-Erfolg gegen die Dortmunder dabei.

Ronny Hauschild und Dominik Göbel fahren mit ihrem Fanclub regelmäßig nach München, um ihren Verein anzufeuern. Gemeinsam mit befreundeten Fanclubs wie dem aus Hüpstedt waren sie vor zwei Wochen beim 6:0-Erfolg gegen die Dortmunder dabei.

Foto: Ronny Hauschild

Als der FC Bayern München am vergangenen Samstag zum sechsten Mal in Folge deutscher Meister der Fußball-Bundesliga wurde, saß Ronny Hauschild nicht vor dem Fernseher, er war auch nicht im Stadion. „Bei uns war viel zu Hause los. Ich habe das Spiel ehrlich gesagt nicht geschaut.“

Das mag verwundern, weiß man, dass Ronny Hauschild neben Dominik Göbel der Vorsitzende des größten FC-Bayern-Fanclubs Thüringens ist.

Dieser FC-Bayern-München-Fanclub Heiligenstadt zählt 352 Mitglieder, und es gibt ihn schon seit Januar 2009. Im kommenden Jahr steht das Jubiläum an.

Wenn die aktuelle Saison vorbei ist, dann war der Fanclub sechs Mal in der Münchner Allianz-Arena, um seinen Verein zu unterstützen. Ronny Hauschild selbst war acht Mal unterwegs, auch zu Auswärtsspielen und nicht nur in der Bundesliga.

Die Herausforderung, vor der er und Dominik Göbel jedes Jahr wieder stehen, ist, an die Karten heranzukommen. Schon jetzt bestellen sie die für die kommende Saison. „Wenn wir Glück haben, bekommen wir da vielleicht ein Spiel.“ Das bedeutet 45 Karten für ein Heimspiel, acht Karten für ein Auswärtsspiel. Entschieden wird in München per Losverfahren.

Beim Fanclubprogramm des Fußballvereins bewirbt sich der Heiligenstädter Fanclub jedes Jahr mit einer Mappe inklusive Fotos, die über die Aktivitäten informiert. Auch dafür gibt es einmal Karten für ein Spiel. Für die restlichen Fahrten tun sich die Mitglieder oft mit anderen Fanclubs aus der Umgebung zusammen. Zum Beispiel auch mit dem aus Hüpstedt, der immerhin 90 Mitglieder hat.

So sind schon landkreisübergreifende Freundschaften entstanden. Und genau so etwas macht für Ronny Hauschild auch den Reiz am Fanclub aus: die Gemeinschaft. „Die meisten freuen sich nur auf die Fahrt. Wir haben da immer sehr viel Spaß.“ Im Stadion komme dann die einzigartige Stimmung dazu, gerade wenn man in einer großen Gruppe von Freunden unterwegs ist. Vom Spiel bekomme man gar nicht so viel mit. „Wenn ich in Ruhe Fußball schauen will, dann gehe ich mit meiner Frau ins Stadion“, sagt der 48-Jährige.

Die ist zum Glück, genauso wie die Tochter, sehr verständnisvoll, was das Hobby des Mannes und Vaters angeht. Denn allein die Fahrt von Heiligenstadt bis ins Münchener Stadion und zurück kann unter Umständen 16 Stunden dauern. Oft kommt Ronny Hauschild erst in den frühen Morgenstunden nach Hause. Müde, aber glücklich ist er dann.

Reisebusse organisiert der Clubchef, wenn klar ist, wie viele Karten es für ein Spiel gibt. Sechs Wochen vorher weiß er Bescheid und muss dann in Vorkasse gehen, was zum Teil einen ganz schön großen Haufen Geld bedeutet. Da ist Organisationstalent gefragt, aber seine Mitglieder machen es ihm leicht: Lange hinterherrennen musste er noch niemandem. Nach langem Suchen hat der Fanclub auch ein Busunternehmen gefunden, mit dem die Fahrten reibungslos klappen. Seit drei Jahren ist es eines aus Menteroda. „Man kennt sich mittlerweile, was vieles einfacher macht.“

Das letzte Mal war der Fanclub am vorletzten Wochenende unterwegs. Der 6:0-Erfolg gegen Dortmund war stimmungstechnisch ein Höhepunkt der Saison. Am kommenden Dienstag fährt Ronny Hauschild nach Leverkusen zum DFB-Pokal-Halbfinale. Zum eventuellen Champions-League-Halbfinale soll es auch gehen.

Der Reisebus zum Spiel wird immer voll

Den Saisonabschluss feiern die Fanclubmitglieder immer beim Sommerfest in Volkerode im August. Hauschild stammt aus dem kleinen Ort im Südeichsfeld und kann dort auf die Unterstützung der Vereine zählen. „Wir brauchen uns da um gar nichts kümmern. Das ist schon echt eine tolle Sache.“ 100 Mitglieder sind dann immer dabei.

Bei der Gründung 2009 mussten Ronny Hauschild und Dominik Göbel da schon länger suchen. 25 Mitglieder waren aufzutreiben. „Wir haben alle Familienangehörige und Arbeitskol­-legen gefragt. Ich habe sogar meine Großeltern verpflichtet, sie sind heute noch Mitglieder“, erzählt er. „Ich kannte ja keine Bayern-Fans in Heiligenstadt.“

Dass sein Fanclub einmal der größte Thüringens werden sollte – davon konnte Ronny Hauschild damals nur träumen. Es kommt nicht mehr vor, dass er einmal den Bus nicht voll bekommt. „Eins, zwei Tage und alle Karten sind weg.“

Früher war das anders: Da versuchte Ronny Hauschild einmal, übrige Karten in München vor dem Stadion zu verkaufen. Was er damals nicht wusste: Beim Thema Schwarzmarkt versteht der Bundesligaverein keinen Spaß. Ein Jahr Stadionsperre musste der Fanclub damals verkraften. „Das war eine echte Durststrecke.“

Ronny Hauschild war nicht immer ein Bayern-Fan. „Früher war ich Fan vom Hamburger SV. Zu DDR-Zeiten hat es nur Fanartikel von Hamburg und München gegeben. Und an die vom HSV kam man unter der Hand einfach besser ran.“

Dass der Verein, für den sein Fußballherz früher schlug, jetzt kurz vor dem Abstieg in die Zweite Bundesliga steht, schmerzt Ronny Hauschild sehr. „Ich leide da schon mit, so ist es nicht.“ Der Dauererfolg der Bayern und die Gemeinschaft in seinem Fanclub helfen aber sicher über diesen Schmerz hinweg.

Alle Termine und weitere Informationen zum Fanclub gibt es auf www.bayern-fanclub-heiligenstadt.de