Grüne wollen in ganz Erfurt die Heizpilze verbieten

Erfurt. Die Grünen wollen den Erfurter Café- und Restaurantbetreibern verbieten, vor ihren Lokalen Heizpilze oder Heizstrahler aufzustellen.

Gäste speisen vor dem "Roma" und lassen sich von Heizpilzen wärmen. Foto: Susann Fromm

Gäste speisen vor dem "Roma" und lassen sich von Heizpilzen wärmen. Foto: Susann Fromm

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Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion für den Stadtrat am kommenden Mittwoch eingereicht. Bei vielen Erfurter Gastronomen stoßen diese Pläne allerdings auf Widerstand. "Die Heizpilze müssen nicht sein", begründet der Fraktions-Chef Alexander Thumfart den Antrag. "Sie sind umweltschädlich." Das Verbot beziehe sich auf das gesamte Stadtgebiet und sowohl auf mit Gas als auch mit Strom betriebene Heizpilze. Thumfart verweist auf die "sehr schlechte Klimabilanz" und den "extrem schlechten Wirkungsgrad" der Geräte.

Für Restaurantbetreiber wie Goran Malinovic vom "Roma" am Angerkreuz stellt der Energieverbrauch in der Gesamtbetrachtung nur einen "Tropfen im Wasserfall" dar. Die Vorteile der Geräte, die "in der ganzen Welt" benutzt würden, seien wichtiger.

"Die Heizpilze haben erheblichen Einfluss auf unseren Umsatz", sagt Malinovic. "Die Leute wollen draußen sitzen, und mit Hilfe der Geräte können wir die Saison um drei bis vier Monate verlängern." Er befürchtet deshalb, dass viele Kunden wegbleiben würden, sollten die Geräte stillgelegt werden müssen. Weniger Umsatz bedeute auch weniger Steuern und weniger Arbeitsplätze.

"Da fragt man sich, wie wir vor zehn Jahren gelebt haben", hält Thumfart dagegen. Gerade die starke Zunahme der Heizpilze in letzter Zeit habe die Grünen zu dem Antrag veranlasst. "Die Geräte werden sogar für Privatfeiern ausgeliehen", meint Thumfart. "Wenn das so weitergeht, werden wir irgendwann gefragt, warum wir das Krämerbrückenfest nicht flächendeckend mit Heizpilzen ausstatten."

Thumfart empfiehlt für die Außenbewirtschaftung in kühlerer Jahres- oder Tageszeit eine klassische Alternative: "Die Gastronomen sollen Decken zum Einmummeln auslegen." Diese oder eine andere Alternative zu den Heizpilzen sieht zum Beispiel Elvira Beinhofer vom "Café Nüsslein" an der Krämerbrücke nicht. "Zu Hause ist ein Ofen ja auch etwas anderes als ein Schafsfell", sagt sie. "Die Leute lieben die Strahler."

Erfurt liege nun einmal nicht am Mittelmeer. Abgesehen vom Hochsommer werde es abends schnell frisch. Die Strahler würden wesentlich dazu beitragen, dass die Gäste länger sitzen bleiben und das Café seinen Umsatz erwirtschaften kann. "Für uns ist das existenziell", sagt Beinhofer.

Gastronomen zahlen für die Freiflächen

Sie erinnert auch daran, dass die Gastronomen für die Benutzung ihrer Außenflächen viel Geld bezahlen. "Da muss uns auch die Möglichkeiten geboten werden, die Flächen zu bewirtschaften", meint sie. Würden die Strahler verboten, müssten viele Restaurants die Zeit der Freiflächenbewirtschaftung verkürzen - und würden dann auch weniger Gebühren an die Stadtkasse überweisen.

"Die Strahler sind eine Gemütlichkeitssache", findet auch Marco Schirwinski, der Restaurantleiter vom "alten Schwan" hinter der Krämerbrücke. "Es ist ein Luxus, aber die Gäste bleiben länger bei uns." Auf der Terrasse des Restaurants werden die Heizstrahler vor allem zum Weihnachtsmarkt eingesetzt. Gäste würden sich aber auch darüber hinaus oft erkundigen, ob die Heizstrahler eingeschaltet werden können.

Für die Grünen zählen diese Argumente wenig. "Dieser kleine Komfortgewinn sollte vor dem Hintergrund der Klimaschutzbemühungen der Stadt Erfurt zu vernachlässigen sein", schreiben sie in ihrem Antrag. Statt von einem touristischen Nachteil gehen sie sogar von einer "Attraktivitätssteigerung" der Stadt durch das Verbot aus. Dahinter steht die Überlegung, dass Erfurt mit der "Ernsthaftigkeit der kommunalen Klimaschutzpolitik" werben könne.

"Erfurt soll ein Vorreiter sein und bald zu den nachhaltigsten Städten gehören", bekräftigt Thumfart diese Absicht. Bei Touristen beliebte Städte wie München, Köln, Berlin oder Stuttgart hätten die Heizpilze auch bereits verboten. Sollte der Antrag eine Mehrheit im Stadtrat finden, könnte das Verbot bereits im ersten Halbjahr in Kraft treten, meint Thumfart. Zunächst solle es für den städtischen Raum gelten. Doch sollten Heizpilze auch im privatem Raum signifikant weiter zunehmen, müsse man überlegen, "wie man da einen Zugriff bekommt."

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