Gymnasium in Apolda: Nur 15 Lehrer sind voll einsatzfähig

Apolda/Erfurt.  In keiner Thüringer Schule ist die Personalsituation derart angespannt wie am Gymnasium Bergschule Apolda. Selbst nach dem 22. Juni haben die Schüler deshalb nur stundenweise Unterricht.

Im vergangenen Jahr stifteten Rotary und Baufirma B&V dem Gymnasium Bergschule vier Tischtennisplatten  samt neuem Unterbau. Wegen der Corona-Pandemie können die Sportgeräte schon seit Wochen nicht mehr genutzt werden.

Im vergangenen Jahr stifteten Rotary und Baufirma B&V dem Gymnasium Bergschule vier Tischtennisplatten samt neuem Unterbau. Wegen der Corona-Pandemie können die Sportgeräte schon seit Wochen nicht mehr genutzt werden.

Foto: Sascha Margon / TA

An keiner anderen Thüringer Schule ist die Lage derzeit derart angespannt wie am Gymnasium Bergschule Apolda (Weimarer Land): Von den 40 Lehrern dieser Schule sind aktuell lediglich 15 uneingeschränkt einsetzbar, was dem Thüringer Bildungsministerium zufolge die Planung des Wiedereinstiegs in den Präsenzunterricht „nach bisherigem Lageüberblick“ so schwierig macht wie nirgends sonst im Freistaat.

Drei der 40 Apoldaer Lehrer sind in Elternzeit, 22 gehören verschiedenen Risikogruppen an – darunter auch Raucher über 50 –, so dass sie allenfalls auf freiwilliger Basis unterrichten oder Konsultationen anbieten. Das aber wiederum nur stunden- oder tageweise. Da jedoch die voll einsetzbaren Lehrer wegen des Infektionsschutzes nicht vor kompletten Klassen, sondern nur vor kleineren Gruppen stehen dürfen, obendrein bei einer ländlichen Schule wie dieser die Fahrzeiten der Schulbusse zu berücksichtigen sind, ist in diesem Schuljahr am Gymnasium Bergschule mit halbwegs normalem Unterricht nicht mehr zu rechnen.

Elternvertreter hatten kürzlich die Information erhalten, dass jene Schüler, die keinen Abschlussklassen angehören, frühestens vom 22. Juni an – mithin 14 Wochen nach der Schließung von Schulen und Kindergärten – wieder zur Schule gehen dürfen. Einen genauen Plan erhalten die Eltern allerdings erst ein bis zwei Wochen vor dem Neustart, bis jetzt kennen sie allenfalls die groben Koordinaten: Unterricht in zwei Schichten (vormittags und nachmittags) und bei den Jüngeren vor allem in den Nebenfächern. Zudem soll Unterrichtsstoff, der in späteren Schuljahren erneut behandelt wird, jetzt weggelassen werden. „Ein Graus für alle Betroffenen“, kommentiert das eine berufstätige Mutter, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Das Ministerium kann den Eltern allerdings kaum Hoffnung auf rasche Besserung machen, zumal die Situation an dieser Schule auch schon vor der Corona-Krise alles andere als optimal war und mehrfach das Schulamt Mittelthüringen beschäftigte. Etwas Entspannung sollen zwei Neueinstellungen in den Fächern Deutsch und Englisch bringen, von denen eine befristet, die andere unbefristet ist. „Falls an den bestehenden Risikogruppen festgehalten wird, können diese beiden jungen Lehrkräfte verstärkt im Präsenzunterricht eingesetzt werden“, sagt ein Ministeriumssprecher. Einen deutlichen Schub für die Organisation des Distanzunterrichts verspricht er sich von der Schulcloud, die derzeit am Apoldaer Gymnasium implementiert werde.

„Uns ist bewusst, dass die Belastung und die Herausforderung für die Familien derzeit unwahrscheinlich hoch sind“, sagt der Sprecher. Das Lernen zu Hause – das bekanntlich auch in Thüringen bis zum Shutdown mit Verweis auf die Schulpflicht kategorisch abgelehnt wurde – sei für alle eine neue Situation, die von allen Beteiligten erst gelernt werde.

Im Sinne der Kinder und Familien setzt das Bildungsministerium deshalb alles daran, die Situation, so schnell es die Krisenlage zulässt, wieder zu normalisieren. In Bezug auf das Gymnasium Apolda empfiehlt das Ministerium, dass Schule, Eltern- und Schülervertretung gemeinsam über ihre gegenseitigen Erwartungen diskutieren und Lösungen finden.

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