Handwerkercamp zeigt Südharzer Kindern das Leben in der DDR

Nordhausen  Wie eingeschränkt das Leben in der DDR in Bezug auf die Menge der Güter, Reisefreiheit und vor allem Meinungs- und Pressefreiheit war, erleben in diesen Tagen rund 100 Kinder aus dem Landkreis Nordhausen.

Im diesjährigen Handwerkercamp präsentieren die Wimpel-Pimpel Henrike Mansfeld, Charlott Mayer, Freya Herzog, Jasmin Rogge und Mathea Mansfeld (von links) stolz ihre selbstgebastelten Wimpelketten. Foto:

Im diesjährigen Handwerkercamp präsentieren die Wimpel-Pimpel Henrike Mansfeld, Charlott Mayer, Freya Herzog, Jasmin Rogge und Mathea Mansfeld (von links) stolz ihre selbstgebastelten Wimpelketten. Foto:

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In dem diesjährigen Handwerkercamp dreht sich alles um das Leben in der DDR und um den Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit. Im Mittelpunkt steht Pfarrer Christian Führer, der die Montags-Demonstrationen und die friedliche Revolution in Leipzig entscheidend unterstützte. So wird dieses Jahr wieder einmal das Leben einer deutschen Persönlichkeit beleuchtet und durchlebt.

Die Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren schlafen in Zelten und werden von je zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Jedes Zelt hat einen bestimmten Namen, der sich aus dem jeweiligen Handwerk des Zeltes zusammensetzt. Und natürlich sind in diesem Jahr die Handwerke DDR-getreu. Beispielsweise stellen die Wimpel- Pimpel Wimpelketten her, die Drehspießer schmackhafte Broiler und die Nikolai-Falter bauen die Nikolaikirche, die in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielt, nach.

Der Morgen beginnt mit der Morgenandacht, die mit singenden Kindern, die zum Frühstück ins große Zelt stürmen, endet. Danach beginnt das Theaterstück, das eine wichtige Rolle spielt. Dort lernt man das Leben und die Probleme von Pfarrer Führer kennen. Denn in der DDR für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen, war nicht nur mutig, sondern auch gefährlich. Als er 1980 Gemeindepfarrer der Nikolaikirche in Leipzig wurde, begann der Ruf nach Freiheit immer lauter zu werden.

Wir sind das Camp, wir sind das Volk

Die Friedensdekade, die 1980 als gemeinsame Protestaktion in Zusammenarbeit von den evangelischen Pfarrämtern aus Ost und West entstand, führte 1982 zu den jeden Montag stattfindenden Friedensgebeten. Sie richteten sich gegen das Wettrüsten in Ost und West. Pfarrer Führer ließ 1986 das Schild: „Nikolai Kirche – offen für alle“ anbringen, welches sich auch heute noch in Leipzig an Ort und Stelle befindet.

Unter dem Bibel-Spruch aus Micha 4, 3 : „Schwerter zu Pflugscharen“ übte der Kampf des Pfarrers und zahlreicher mutiger Mitmenschen immer mehr Druck auf das DDR-Regime aus. Genau diesen mutigen Kampf bringen die Jugendlichen den Kindern mithilfe eines Theaterstückes im Camp näher. Jeden Tag gibt es einen neuen Konflikt und eine neue Problemstellung, die in der anschließenden Bibelarbeit erläutert wird.

Nach dem Mittagessen und der Mittagspause gibt es jeden Tag eine spannende Freizeit­beschäftigung wie das Geländespiel, die Wasserolympiade oder die Handwerke. Auch am Abend jagt ein Höhepunkt den nächsten. Ob sich die Zeltbesatzungen besser kennenlernen im Rahmen des Zeltabends oder Spaß am Wetten haben – Langeweile gibt es im Camp nicht. Ausklingen tut der Abend täglich mit der Abendandacht, die die Gemüter beruhigt und schon mal auf die Nachtruhe einstimmt.

Träumen werden die Kinder wahrscheinlich von den Süßigkeiten im Konsum oder von der Straße der Besten. Nur ein paar von den Details, die das Leben in der DDR verdeutlichen. Kinder mit besonders tollem Verhalten erhalten eine Urkunde von ihren Mitarbeitern oder kommen an die Straße der Besten, die im großen Zelt für alle ersichtlich aushängt.

Auch können die Kinder, die möchten, mit dem Abzeichen der Friedens­bewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ an der Kleidung, den Camp-Alltag bewältigen. So lebt ein über 25 Jahre zurückliegender Kampf wieder auf. Schließlich gibt es auch heute in der Welt noch zahlreiche Konflikte, die es gemeinsam zu bewältigen gilt – denn wir sind das Volk.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.