Hauptaufgabe für wiederbelebten Marbach ist Hochwasserschutz

Erfurt  Der neu gestaltete und ans Licht geholte Marbach soll nicht nur schön, sondern vor allem auch nützlich sein.

Das neue Flussbett des Marbachs. In der zweiten Jahreshälfte soll hier irgendwann Wasser fließen.

Das neue Flussbett des Marbachs. In der zweiten Jahreshälfte soll hier irgendwann Wasser fließen.

Foto: Michael Keller

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Eine Bahnbrücke musste verschwinden, Bahnschienen und Schotter gleich mit. Gehölze wurden in Größenordnungen gerodet, Erde abgetragen. Eine Straße wurde aufgerissen. Alles, um einen Bach ans Tageslicht zu holen – den Marbach. Seit Anfang Februar kann man entlang der Straße der Nationen verfolgen, wie ein Stück Natur neu geformt und kultiviert wird. Hier soll sich in der zweiten Jahreshälfte das Flüsschen, was aus dem gleichnamigen Ortsteil kommt und sich am Ortsausgang noch mit dem Bachmannsgraben vereinigt, durch eine idyllische Auenlandschaft entlangschlängeln.

Neugestaltung kostet fast 1,7 Millionen Euro

Aber führt denn der Marbach überhaupt genug Wasser, was diesen riesigen Aufwand – immerhin sind dafür insgesamt exakt 1.693.571,63 Euro an Ausgaben geplant – rechtfertigen würde, fragt man sich. Der Marbach entspringt irgendwo zwischen Alach und Marbach. Und verschwindet am Sportzentrum Marbach in der Unterwelt. Bisher jedenfalls. „Im Zuge der allgemeinen Renaturierung von Gewässern hatten wir 2016 die Idee, den kleinen Bach aus den unterirdischen Rohren wieder ans Licht zu holen“, sagt Erfurts Gartenamtschef Sascha Döll. Der soll künftig zusätzlich noch das Oberflächenwasser der Gegend aufnehmen, durch die er fließt. Wenn das Projekt fertig ist, kann das Flüsschen rund 1,3 Kilometer frei durch die Natur fließen, ehe es sich dann an der Geraaue in die Gera ergießt.

„Die Berechnungsgrundlage für diese Gewässergestaltung zum Schutz der Stadt bildet das so genannte hundertjährige Hochwasser“, sagt Projektleiterin Carmen Balin.

2013 und 2014 hatte das Hochwasser, was noch gut erinnerlich ist, auch Marbach in Mitleidenschaft gezogen. Dem Starkregen folgen immer öfter sehr heiße Sommer. Da bleibt das Bachbett knochentrocken. Rundum seien die Böden dann durch die Hitze ausgehärtet. Kommt es zu Starkregen, kann der nicht einsickern und überschwemmt die Landschaft.

Genaue hydraulische Berechnungen hätten einen Wert des dahinschießenden Wassers von 2,79 Kubikmeter pro Sekunde ergeben. Die Verrohrung, in der der Marbach noch fließt, fasst aber nur 2,3 Kubikmeter pro Sekunde. Die Folge wäre Rückstau und Überschwemmung. „Das alles sei für Laien vielleicht nicht sehr einleuchtend, hat aber Hochwasser-Gründe, die man mit der Renaturierung jetzt abstellt, so die Projektleiterin. „Wir warten nicht, bis das Kind in den wasserreichen Brunnen gefallen ist“, ergänzt der Gartenamtsleiter. Und den praktischen Erwägungen stellt man ästhetische an die Seite. Mit einer herrlichen Landschaftsgestaltung. Die bei vielen Erfurtern bereits viel Lob geerntet hat. Nun fehlt halt nur noch das Wasser für‘s Idyll.

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