Heiligenstädterin ermutigt Frauen zu einem ungewöhnlichen Schritt

Heiligenstadt (Eichsfeld)  Rebekka Frense war beim Frisör und hat sich die Haare abschneiden lassen. So kurz wie jetzt waren sie noch nie. Angesichts der sommerlichen Temperaturen ist ein solcher Entschluss nachvollziehbar und warum nicht mal was Neues ausprobieren.

Um einer unbekannten kranken Frau zu helfen, hat sich Rebekka Frense von ihren langen Haaren getrennt. Foto: Dieter Frense

Um einer unbekannten kranken Frau zu helfen, hat sich Rebekka Frense von ihren langen Haaren getrennt. Foto: Dieter Frense

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Doch gab es für die Heiligenstädter Abiturientin einen viel wichtigeren Grund, ihr Haar, von dem sie sich getrennt hat, zu einem Zopf zu flechten und in einem stabilen Briefumschlag abzuschicken. Denn Marika Frense, ihre Mutter, geht gegenwärtig trotz der Wärme nur mit Kopftuch oder Perücke aus dem Haus.

Hinter Marika und der ganzen Familie liegen Monate, in denen die Welt nicht mehr in Ordnung war. Als Marika sich 2014 von einer Angina nicht mehr erholte, immer schwächer wurde und Medikamente wirkungslos blieben, lautete die ärztliche Diagnose: Leukämie. Mit der Familie an ihrer Seite nahm sie den Kampf auf. Da Frenses in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registriert sind, wussten sie um die aufwendige Suche nach einem geeigneten Spender.

Überglücklich waren alle, als Ende 2014 für Marika ein Spender gefunden werden konnte. Nach Transplantation und Chemotherapie geht es aufwärts. Über soziale Netzwerke im Internet hatte sich die Tochter für Themen interessiert, die vor der Erkrankung der Mutter wohl kaum zu ihrem Alltag gehörten. Bei Google gab sie vorher nie benötigte Stichworte ein, landete bei ihren Recherchen auf der Internetseite www. haare-spenden.de.

Vier Spenden, eine Perücke

Nach einigen Nachfragen, denn die junge Frau legt größten Wert auf Seriosität der Anbieter, stand für sie fest: „Ich bin dabei, kann doppelt helfen und ich überrasche meine Mutter damit.“ Mutter Marika trug da bereits ihre Perücke. Die Überlegung der Tochter: Ein Spender hat mit seinem Knochenmark das Leben ihrer Mutter gerettet. Mit ihrer Spende kann Rebekka nun dafür sorgen, dass eine unbekannte Patientin wieder Lebensqualität gewinnt. Vier Haarspenderinnen werden gebraucht, um eine Echthaarperücke herzustellen, ausschließlich aus medizinischen Gründen, nie als Modegag.

Die Perückenträgerinnen haben ihr eigenes Haar nach einer Chemotherapie verloren, nach der Erkrankung am „Kreisrunden Haarausfall“ oder ihnen musste vor einer Operation das Kopfhaar entfernt werden. Angenommen wird ausschließlich europäisches Frauenhaar mit einer Mindestlänge von 25 Zentimeter. Das vor dem Abschneiden gewaschene Haar geht als Pferdeschwanz oder Zopf auf Reisen. Die Haarfarbe spielt dabei keine Rolle, aber es darf keinerlei chemische Zusatzstoffe enthalten, d.h. gefärbtes, getöntes oder mit Strähnen versehenes Haar ist untauglich.

Die auf der genannten Internetseite verzeichneten Fachleute prüfen die Qualität des Haares; dann erhält die Einsenderin einen Scheck über eine bestimmte Summe und entscheidet selbst, ob sie ihn an die Deutsche Krebshilfe e. V. oder an „Horizont“ Kinderkrebshilfe Weseke e.V. weiterleitet, also zweifach Gutes tut.

Inzwischen hat Rebekka ihre langhaarigen Freundinnen informiert und möchte so viele Frauen wie möglich auf diese ungewöhnliche Art zu helfen aufmerksam machen. Und falls manche Frau noch überlegt, ob sie sich wirklich zu einer Kurzhaarfrisur entschließen soll, lautet Rebekkas Ermunterung für alle potentiellen Spenderinnen, so zu denken wie sie: „Meine Haare wachsen wieder...“