Herzlicher Empfang für Flüchtlinge in Saalfeld

Saalfeld. 20.50 Uhr fuhr der Sonderzug im Bahnhof von Saalfeld ein. 570 Flüchtlinge, darunter 21 Kinder unter zwei Jahren, wurden herzlich willkommen geheißen.

Rund 570 Flüchtlinge kamen am Samstagabend mit einem Sonderzug in Saalfeld an. Foto: Peter Scholz

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Am Samstagabend gegen 20.50 Uhr ist ein Sonderzug mit etwa 570 Flüchtlingen in Saalfeld angekommen. Viele der Kinder, Frauen und Männer waren gestern in der ungarischen Hauptstadt Budapest losgefahren. Die Menschen wirkten bei ihrer Ankunft erschöpft aber glücklich. Mit Beifall dankten sie den Helfern auf dem Bahnsteig, die sie in Empfang genommen haben. Vor dem Bahnhof wurden die Flüchtlinge von mehreren Hundert Menschen begrüßt.

Viele der Flüchtlinge kommen aus Syrien, aber auch aus Afrika. Der 17-jährige Abas war mit seinen Freunden und seinem Vater länger als ein Jahr unterwegs. Er kommt aus Somalia und ist zu Fuß den Weg bis zu Afrikas Nordküste gelaufen, um ein Boot übers Mittelmeer in die Türkei und später weiter nach Griechenland zu flüchten. Über die Balkanroute sei er bis nach Budapest gekommen und von dort gestern mit einem Zug weiter nach Deutschland gereist.

Maha, eine junge Frau mit Kopftuch kommt aus Syrien. Sie sei aus ihrer Heimatstadt vor der Terrororganisation Islamischer Staat geflohen, erzählt sie. 15 Tage habe die Reise über die Türkei gedauert, dann habe sie mit ihrer Familie drei Tage in Budapest am Bahnhof festgesessen. Weil sie nicht wussten wie es weiter geht, seien sie dann zu Fuß Richtung Österreich aufgebrochen. Später hätten sie Busse aufgenommen, und bis zur österreichischen Grenze gefahren. Sie sei glücklich in Deutschland zu sein, sagte die junge Frau und bedankte sich für den freundlichen Empfang.

„Wir freuen uns, dass sie hier lebend angekommen sind“ mit diesen Worten empfing Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Menschen im Zug auf dem Bahnsteig.

Ankunft von Sonderzug erst Mittag bekannt geworden

Die Ankunft des Sonderzugs war erst gegen Mittag in Thüringen bekannt geworden. Daraufhin hatten sich in Saalfeld zahlreiche Helfer im Wahlkreisbüro der Linken-Abgeordneten Katharina König getroffen, um für die Ankommenden kleine Empfangsbeutel zu packen. „Innerhalb kürzester Zeit seien rund 2500 Euro an Spenden zusammen gekommen“, sagte die Abgeordnete unserer Zeitung. Mit dem Geld seien Lebensmittel, vor allem Wasser, Brot und Käse sowie Obst aber auch Hygieneartikel für die Flüchtlinge gekauft worden.

Rund 560 Flüchtlinge in Saalfeld angekommen

Am späten Samstagnachmittag besuchte die Helfer Bodo Ramelow und bedankte sich für die Initiative. Er verwies darauf, dass es in kürzester Zeit in Hermsdorf gelungen sei, in einer leerstehenden Halle eine Unterkunft für 600 Menschen einzurichten. Wir könnten alle Flüchtlinge aus dem Zug aufnehmen, betonte er. Ramelow zeigte sich zufrieden, dass der Zug mit den Flüchtlingen in Saalfeld ankommt. So könne die Stadt aller Welt zeigen, dass sie weltoffen und freundlich ist.

Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) erklärte, dass rund 250 der Ankömmlinge weiter nach Sachsen reisen werden. Thüringen und Sachsen-Anhalt werden jeweils 125 aufnehmen. Nach ihrer Ankunft in Saalfeld werden alle Flüchtlinge vor ihrer Weiterfahrt in einer Turnhalle in Saalfeld von der Bundespolizei registriert. Dort würden sie auch eine warme Suppe erhalten und könnten sich ausruhen, sagte Peter Lahann, Sprecher des Landradamtes Saalfeld-Rudolstadt unserer Zeitung.

Dieter Lauinger verweist drauf, dass seit etwa sechs Wochen täglich zwischen 100 und 180 Flüchtlinge in Thüringen eintreffen. Wir sind stolz, dass in Thüringen bisher nur acht Zelte als Unterkunft für Flüchtlinge aufgestellt werden mussten.“ Es sei damit gelungen die meisten dieser von Not und Vertreibung gezeichneten Menschen in festen Unterkünften unter zu bringen.

Regierungschef Ramelow verweist darauf, dass die Staatskanzlei eine Telefonnummer frei geschaltet habe, wo die Thüringer leerstehende Gebäude nennen können, die sich als Flüchtlingsunterkünfte eignen. Nach der Abfahrt alle Flüchtlinge bedankte er sich noch einmal bei den Saalfelder Bürgern für den herzlichen Empfang. „Das ist der schönste Tag meines Lebens“, betonte er.

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