Historische Erfurter Bahnhallen stehen nun unter Denkmalschutz

Erfurt  Wolfgang Beese sieht Bürgerengagement belohnt. Der Landesdenkmalpfleger sieht Chance und Herausforderung für Entwicklung des Areals.

Hallen des ehemals königlichen Bahnbetriebswerkes vom Zug aus.

Hallen des ehemals königlichen Bahnbetriebswerkes vom Zug aus.

Foto: Marco Schmidt

Die historischen Bahnwerkstätten an der Thomasstraße finden Eingang in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen. Diese Nachricht löste bei den Befürwortern des Erhalts der Gebäude im Bereich der künftigen ICE-City West große Freude aus.

„Es hat gezeigt, dass Bürgerengagement etwas bewirken kann“, sagt Wolfgang Beese, der als einer der ersten die Bahnhallen wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hatte. Auf Antrag der SPD hatte die Stadt dann auch beim Landesamt für Denkmalpflege den Antrag gestellt, die Denkmalwürdigkeit des Bahnkomplexes zu prüfen. Die Entscheidung des Amtes wird eine bedeutende Auswirkung auf die Entwicklung der ICE-City West haben, auf deren Planungsgebiet sie stehen.

Bei den Überlegungen, wie das Gelände entwickelt werden kann, müsse nun auch stets bedacht werden, wie und in welchem Maße Gebäude und Gebäudeteile integriert werden können, umreißt Landesdenkmalpfleger Holger Reinhardt die Auswirkungen der Entscheidung. „Wir kleben nicht an jedem Stein, aber achten und hoffen auf eine bewussten Umgang mit der Substanz.“ So gebe es zur Bahnseite hin sehr repräsentative Fassaden, die erhalten werden sollten. Hingegen zur Thomasstraße hin seien die Fassaden zwischenzeitlich ohnehin verändert worden, da könne man sich eher Eingriffe vorstellen, wenn sie nötig sind. Am Ende sei mit dem Entscheid des Landesamtes klargestellt, dass man bei der Überplanung für die ICE-City nicht von einer freigeräumten Fläche ausgehen könne. Somit könnte auch ein jüngerer Vorstoß von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zu den Akten gelegt werden, der meinte, dass auf die im Volksmund Bahnhallen genannten Gebäude verzichtet werden könne.

Seitens der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), die die Flächen entwickeln will, kamen zuletzt ohnehin Signale, dass eine Integration der früheren Hauptwerkstadt der Königlichen Preußischen Eisenbahnverwaltung durchaus auch reizvoll sein kann. Nach einer neuen Nutzung solle daher gemeinsam mit den Bürgern gesucht werden. „Wir haben auch eine Verantwortung für die folgenden Generationen – und was weg ist, ist weg“, sagte Sabine Wosche erst vor wenigen Tagen. Die LEG möchte nun schnell den Kauf-Vertrag mit der Krieger-Gruppe umsetzen, um dann die ICE-City West zu bauen.

„Markthallen wie in Budapest, Hülle für ein Kongresszentrum wie Dublin – das sind nur einige der Möglichkeiten“, sagt SPD-Stadtrat Urs Warweg über Intentionen, die die Befürworter des Erhalts umtreiben.

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